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Druck auf Duisenberg wächst

pw/ari DÜSSELDORF / OESTRICH- WINKEL. Trotz wachsender Konjunktursorgen bleibt die Europäische Zentralbank (EZB) gegenüber Forderungen nach einer raschen Zinssenkung hart. Zwar habe er immer wieder betont, dass die Risiken für die Preisstabilität nun ausgeglichener seien als Ende vergangenen Jahres, sagte EZB-Chef Wim Duisenberg gestern Abend bei einer Rede in Oestrich-Winkel. "Aber ausgeglichener heißt nicht, dass man sofort handeln muss", betonte der EZB - Chef, "wir werden abwarten."

Unterdessen ergab die neueste Ifo-Umfrage bei mehr als 7 000 Unternehmen, dass die deutsche Wirtschaft weiter an Fahrt verlieren dürfte. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts zeigt, dass die Unternehmen so pessimistisch sind wie seit Juli 1999 nicht mehr.

Europas Börsen reagierten gestern mit Abschlägen auf die Veröffentlichung des Ifo-Index. Der Euro fiel wieder unter die Marke von 0,90 $. Krisengewinner waren erneut die Anleihen. Bereits auf die Senkung der US-Leitzinsen am Dienstag hatten die Finanzmärkte negativ reagiert. Dies verstärkte den Zinssenkungsdruck auf die EZB.

Duisenberg hob in seiner Rede hervor, die Geldpolitik der EZB sei auf die Preisstabilität ausgerichtet. "Preisstabilität ist der beste Beitrag der EZB zu inflationsfreiem Wachstum", sagte der EZB-Chef. Volkswirte argumentieren dagegen, eine baldige Zinssenkung sei aus konjunkturellen Gründen nötig.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hält eine Zinssenkung um 50 Basispunkte in der Euro-Zone für "jetzt unbedingt erforderlich". EZB-Direktoriumsmitglied Otmar Issing gestand gestern zwar ein, die Konjunkturperspektiven in Europa hätten sich eingetrübt. Doch seien die Bedingungen weiter robust, sagte er.

Das Geschäftsklima sackte im Februar unerwartet stark ab. Der von den Finanzmärkten stark beachtete Klimaindex sank von 97,5 Punkten auf 94,9 Punkte. Der für die Konjunktur aussagefähigere Saldo der positiven und negativen Stimmenanteile rutschte deutlich von 0,1 auf-5,1 Prozentpunkte ab. Dies ist der schlechteste Wert seit Juli 1999. Der Rückgang war der stärkste seit September 1998.

Das Ifo-Institut geht davon aus, dass sich der Negativtrend beim Geschäftsklima im März fortsetzt. Damit sei Raum für eine Zinssenkung gegeben. Die Gefahr einer Rezession in Deutschland sieht Ifo nicht. Der Abschwung werde aber stärker ausfallen als erwartet. Das Forschungsinstitut denkt aus diesem Grund darüber nach, seine für Deutschland bereits auf 2,4 % Wachstum nach unten korrigierte Prognose erneut zu senken. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bekräftigte die Wachstumserwartung der Regierung für Deutschland von mindestens 2,6 %.

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