Druck auf EZB
Erwartete Zinssenkungen beflügeln Aktienmärkte weltweit

Die erwarteten Leitzinssenkungen in den USA und Europa haben die internationalen Aktienmärkte am Montag beflügelt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) an der Frankfurter Börse übersprang mühelos die Marken von 4 600 und 4 700 Punkten. Auch die US-Märkte zeigten sich zu Handelsbeginn in Kauflaune. In New York eröffnete die Wall Street freundlich. Nahezu alle europäischen Märkte lagen deutlich im Plus.

dpa/wsc FRANKFURT/NEW YORK. Der Markt zeige sich gegen die schlechten Konjunkturdaten der vergangenen Woche relativ immun, sagte ein Händler in Frankfurt. Der Dax notierte am späten Nachmittag bei 4 733, ein Plus von 3,3 %. Der Nemax 50 stieg ebenfalls kräftig. Der Neue Markt legte 2,6 % auf gut 1 086 Punkte zu. Der Trend werde sich aber erst verstetigen, sollte die US-Notenbank an diesem Dienstag zum zehnten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen senken, um die schwache US-Konjunktur anzukurbeln.

Nach einer Umfrage der Wirtschaftsagentur Bloomberg rechnen die meisten Analysten damit, dass die US-Notenbank (Fed) auf ihrer Ausschusssitzung die Zinsen für Tagesgeld von 2,5 auf 2 % senken werde. Das wäre der niedrigste Stand seit 1962.

Auf der Europäischen Zentralbank (EZB) lastet nach Einschätzung vieler Volkswirte der Druck, bei der Sitzung am Donnerstag mit einer Zinslockerung nachzuziehen. Die Mehrheit der europäischen Bankenvolkswirte rechnet damit, dass die EZB ihre Leitzinsen um 25 oder 50 Basispunkte senken wird.

Gute Absatzzahlen bei Automobilwerten

Zu den besonders gefragten Werten zählten Automobilwerte. Sie profitierten auch von den guten US-Absatzzahlen. Volkswagen zogen um 4,5 % an. An der Spitze des Dax lag jedoch der Finanzdienstleister MLP mit einem Plus von 5,3 %: die Anleger erwarten gute Zahlen für das dritte Quartal.

Die "Aktie Gelb" profitierte von der Milzbrand-Entwarnung, nachdem der Kurs der Deutschen Post am Freitag wegen des Verdachts erster Milzbrandfälle in Schleswig-Holstein und Thüringen massiv unter Druck geraten war: Das Papier verbesserte sich um 5,77 % auf 16,14 €. Auch die Nachricht, dass die Anthrax-Täter offensichtlich nicht wie zuvor befürchtet radikale Islamisten seien, entlastete den Kurs.

Auch Technologie-Titel profitierten: Die Investmentbank Lehman Brothers empfahl den Software-Hersteller SAP zum Kauf. Die Börse honorierte das mit einem Aufschlag von 5,3 %. Infineon legte 5,1 % auf 18,65 ? zu, nachdem Konzernchef Ulrich Schumacher angekündigt hatte, dass sich die Lage der Branche schneller verbessern werde als erwartet.

Gesenkte Gewinnprognosen der Analysten von Credit Suisse First Boston konnten der Deutschen Bank nichts anhaben: Der angekündigte Stellenabbau trieb den Kurs des deutschen Branchenprimus um 5,25 % auf 67,74 €.

In New York stieg der Dow-Jones-Index zu Handelsbeginn um 1,2 % auf 9 437 Punkte. Großaufträge für Boeing – der erste seiner Art seit den Terroranschlägen am 11. September – trieben die Aktie des Flugzeugbauers nach oben.

Nach einem Dämpfer in der vergangenen Woche konnte das Papier wieder zulegen. Zuletzt entging dem Rüstungskonzern ein 200 Mrd. $-Auftrag des Verteidigungsministeriums, den Konkurrent Lockheed Martin zugeschlagen bekam. Kleines Trostpflaster: Die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Wochenende 25 Maschinen bestellt. Boeing-Chefverkäufer Seddik Belyamani hofft, trotz der jüngsten Einbrüche das angestrebte Verkaufsziel von 400 Flugzeugen im Jahr 2001 noch zu erreichen.

Große Erwartungen an Cisco

Zu den meist gehandelten Aktien gehört am frühen Montagmorgen das Papier von Cisco . Das Unternehmen wird am Abend Quartalszahlen melden und an der Wall Street herrscht die Meinung, Cisco würde eine Erholung der Verkäufe bekannt geben. Cisco klettert um mehr als 3 %. Andere Netzwerk-Werte wie Ciena und Juniper legen ebenfalls zu, und auch die Titel der Chip-, Computer- und Internetbranche notieren vor Handelsbeginn im grünen Bereich. Die Ergebnisse von Cisco gelten an der Wall Street als Indikator für den gesamten Sektor.

Auf der Verliererseite steht am Morgen hingegen Microsoft . Nachdem sich der Software-Riese in der vergangenen Woche mit dem Justizministerium geeinigt hatte, wie das Kartellrechtsverfahren beigelegt werden könne, wurden am Wochenende kritische Stimmen laut. Wettbewerbshüter sehen "mindestens ein Dutzend Gründe", warum sie das Abkommen zwischen Ministerium und Konzern nicht unterschreiben können. Auch die 18 an der Klage beteiligten Bundesstaaten haben Einwände.

Disney dürfte am Morgen einen Schub bekommen: Am Wochenende startete der lang erwartete Trickfilm "Monster, Inc.", der auf Anhieb auf Platz eins in den Kinocharts landete. Doch nicht nur der Entertainmentriese wird mit dem Film Millionen verdienen. Über Vermarktungslizenzen profitieren unter anderem Spielzeugfigurenhersteller Hasbro , Cornflakes-Riese Kellogg?s und Pepsi vom Erfolg der kleinen Monster. Neben Harry Potter sind die Figuren aus "Monsters, Inc." einer der wichtigsten Lizenzdeals des Jahres. Ein Downgrade bekommt am Morgen allein Pixar . Prudential Securities meint, das Computer-Animations-Unternehmen habe seine "Monster"-Gewinne zum Filmstart bereits eingefahren.

Mehr als 7 % legt das Papier von Enron zu. Laut Gerüchten ist der Öl-Multi Royal Dutch Shell interessiert, den angeschlagenen Energiehandelskonzern für 11 Mrd. $ zu übernehmen. Der Deal würde gut in Shells Expansionsstrategie passen. In den vergangenen Wochen war der Aktienkurs von Enron auf derzeit rund 11 $ abgerutscht. Der Buchwert des Konzerns liegt mit 13 $ damit über dem aktuellen Kurs der Aktie.

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