Druck auf EZB wird geringer
Inflationsrate offenbar weiter gesunken

Die deutsche Inflationsrate ist im Juni offenbar deutlicher gesunken als erwartet und könnte somit etwas Druck von der Europäischen Zentralbank nehmen, die Zinsen schon bald zu erhöhen.

Reuters FRANKFURT. Vor allem gesunkene Energie- und Lebensmittelpreise bremsten die Teuerung in den Bundesländern Baden-Württemberg und Sachsen. "Die Entwicklung ist sehr erfreulich", sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. In Baden-Württemberg fiel die Jahresteuerung auf 1,2 von 1,5 % im Mai, in Sachsen ging sie sogar auf 0,3 von 0,6 % zurück. "Es sieht so aus, dass die Inflation (in Gesamtdeutschland) im Juni unter ein Prozent gesunken ist. Das ist sehr ermutigend" sagte Glenn Davies von Credit Lyonnais in London.

Am Rentenmarkt verbuchten die Zinsfutures in Folge der niedrigen Inflationsdaten deutliche Kursgewinne, weil Marktteilnehmer eine baldige Zinserhöhung in der Euro-Zone nun für weniger wahrscheinlich halten.

Kernrate bleibt ein Wermutstropfen

Im Monatsvergleich blieben die Preise in Baden-Württemberg unverändert, während sie in Sachsen sogar um 0,2 % sanken. In der vergangenen Woche hatten Volkswirte vor allem wegen des statistischen Effekts hoher Preissteigerungen vor einem Jahr im Schnitt einen Rückgang der gesamtdeutschen Teuerung auf 1,0 % von 1,1 % im Mai prognostiziert. In den kommenden Monaten dürfte die Teuerung ihrer Einschätzung nach wieder etwas steigen.

Volkswirte schränkten allerdings ein, dass für den Inflationsrückgang vor allem die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise verantwortlich waren. "Einziger Wehrmutstropfen ist, dass die Kernrate offenbar immer noch auf hohem Niveau ist", sagte Bielmeier. Bei der Berechnung der Kernrate, die die grundlegende Preisentwicklung besser widerspiegelt, werden etwa die stark schwankenden Preise für Erdöl- und saisonabhängige Nahrungsmittel herausgerechnet. "Unerfreulich ist der Anstieg im Hotel- und Gaststättenbereich, was sich in der Preisentwicklung im Dienstleistungssektor niederschlägt", sagte Stephan Rieke von der BHF-Bank.

Im Monatsvergleich verbilligten sich in Baden-Württemberg Heizöl (minus 4,1 %) und saisonabhängige Nahrungsmittel (minus 3,8) besonders deutlich. In Sachsen mussten die Bürger für Tomaten im Juni rund 40 % weniger bezahlen als im Mai. Die Zurückhaltung der Verbraucher nach den deutlichen Preisanstiegen zu Jahresbeginn könnte nach Einschätzung von Nitsch hier bereits ihre Wirkung zeigen: "Das mag den starken Wettbewerb reflektieren. Es scheint nach den Preiserhöhungen im Zuge der Euro-Einführung Druck von den Verbrauchern zu geben."

Geringe Inflation könnte Zinserhöhung verschieben

Sollte die gesamtdeutsche Inflationsrate im Juni wirklich unter ein Prozent liegen, könnte dies nach Ansicht der Experten ein weiteres Argument für die EZB sein, die Zinsen erst nach der Sommerpause zu erhöhen. "Die schwache Teuerung gepaart mit dem starken Euro könnte den Zeitpunkt einer Zinserhöhung weiter verschieben", sagte Bielmeier, der erst ab September mit steigenden Zinsen in der Euro-Zone rechnet. Allerdings wiesen die Experten darauf hin, dass die Notenbanker vor allem die Kerninflationsrate im Auge haben dürften. Nach Einschätzung von Davies könnte die EZB die geringe deutsche Teuerung dennoch als Begründung für ihr Abwarten benutzen: "Aber das wäre eher eine Entschuldigung als eine gültige Rechtfertigung."

Die nächste EZB-Zinsentscheidung steht am 4. Juli an. Die meisten Volkswirte rechnen jedoch erst nach der Sommerpause ab September mit einem steigenden Zinsniveau. In der Euro-Zone insgesamt war die Teuerung im Mai auf 2,0 % gesunken. Im Laufe des Tages veröffentlichen noch die Bundesländer Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen ihre regionalen Inflationsraten. Hessen wird voraussichtlich am Dienstagvormittag seine Teuerung bekannt geben. Aus den Daten der sechs Bundesländer berechnet das Statistische Bundesamt die vorläufige deutsche Inflationsrate für Juni.

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