Druck auf France Telecom
Mobilcom-Aktionäre gründen Schutzgemeinschaft

Eine frisch gegründete Schutzgemeinschaft von Kleinaktionären des Mobilfunkunternehmens Mobilcom will juristisch und politisch Druck auf den französischen Anteilseigner France Telecom ausüben. Ihr Ziel ist der Verkauf ihrer Anteile an den französischen Konzern zu einem akzeptablen Preis.

Reuters HAMBURG. "Wir wollen eine vernünftige Abfindungsregelung für die freien Aktionäre", sagte Thomas Muhle, Gründungsmitglied der "Schutzgemeinschaft der Mobilcom-Aktionäre" am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Aktionärsvereinigung war am Donnerstag aus der Taufe gehoben worden. Zu den Initiatoren zählten unter anderem das Vorstandsmitglied der Hamburger Börse, Michael von Busse, sowie ein früherer Vorstand der WestLB, sagte Muhle.

"Die Kleinaktionäre werden derzeit im Streit zwischen den beiden großen Aktionären France Telecom und dem Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid aufgerieben." Muhle kündigte an, dass die Aktionärsgemeinschaft als eigenständiger Verhandlungspartner auftreten, politische Kontakte einsetzen und notfalls auch gerichtlich ihre Interessen einklagen werde. France Telecom hält über seine Tochter Orange 28,5 % , Schmid und dessen Ehefrau besitzen zusammen 49,5 % an dem Büdelsdorfer Unternehmen.

Kritik an France Telecom

Der Streit um die Übernahme der Schmid-Anteile und die Debatten um eine mögliche Insolvenz hätten die Aktie von Mobilcom erheblich geschädigt. "Es ist schwer zu glauben, dass France Telecom nicht gezielt auf diese Entwicklung hinarbeitet", sagte Muhle.

Der Mobilcom-Kurs ist in diesem Jahr von knapp 27 Euro im Januar auf mittlerweile unter 7 ? gefallen. Für ein Übernahmeangebot wird der gewichtete Durchschnittskurs der zurückliegenden drei Monate herangezogen, der derzeit von Händlern bei etwa 11,50 ? gesehen wird, mit sinkender Tendenz. "Die ständige Verunsicherung bei Mobilcom durch France Telecom muss aufhören", sagte Muhle.

Mit der Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vom Vortag seien die Chancen für ein Übernahmeangebot an alle Aktionäre durch France Telecom sicherlich gesunken, sagte Muhle. Die Behörde hatte einen Antrag Schmids abgewiesen, wonach der französische Konzern zu einem Pflichtangebot an alle Aktionäre gezwungen werden sollte. Nach BaFin-Auffassung übt France Telecom nicht komplett die Kontrolle über Mobilcom aus.

"Es ist aber eindeutig, dass France Telecom großen Einfluss auf die Unternehmenssteuerung von Mobilcom nimmt. Und die Unternehmensstrategie wird nicht mehr aus Mobilcom-Sicht gestaltet. Deshalb wollen wir verkaufen", sagte Muhle.

Mobilcom-Kredit-Risiken sinken

Unterdessen erklärte die französische Societe Generale als einer der Kreditgeber von Mobilcom, die Risiken dieser Verbindlichkeit seien nach der jüngsten Vereinbarung von France Telecom mit dem Bankenkonsortium des Mobilfunkunternehmens gesunken. Bei der Vereinbarung geht es um die Umschuldung von 4,7 Mrd. ? Verbindlichkeiten aus dem Erwerb der Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS in Wandelanleihen. Mit der Absichtserklärung wurde vor wenigen Tagen die Frist für die endgültige Umschuldung um zwei Monate auf Ende September verlängert. France Telecom hatte jedoch ungeachtet dessen am Donnerstag erneut erklärt, für die Zukunft von Mobilcom sei weiterhin alles offen, auch eine Insolvenz sei noch möglich.

Die Mobilcom-Aktie notierten am Freitag mit 6,94 ? 0,7 % über dem Vortagesschlusskurs. Die Aktien von France Telecom verloren in Paris unterdessen mehr als 4 % auf 13,59 ?.

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