Druck auf Führung wächst
Demonstrationen in Teheran flauen ab

In der iranischen Hauptstadt hat es in der Nacht zum Dienstag erneut Demonstrationen gegen die islamische Führung des Landes gegeben. Allerdings nahmen deutlich weniger Menschen an den Protesten teil als in den vorangegangenen Nächten.

HB/dpa TEHERAN/LUXEMBURG. Das Innenministerium bezeichnete die Lage als ruhig. Im Streit um das iranische Atomprogramm hatte am Montag der internationale Druck auf Teheran zugenommen. Die Europäische Union, Russland und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) forderten die Regierung auf, strengere Kontrollen durch die Atombehörde zuzulassen.

Die iranische Führung kritisierte US-Präsident George W. Bush wegen seiner Unterstützung für die Demonstranten. Außenamtssprecher Hamid-Resa Assefi warf den USA Einmischung in die inneren Angelegenheiten Irans vor. Die USA bestritten jedoch, Einfluss auf die protestierenden Studenten genommen zu haben. Der Sprecher des US- Außenministeriums, Richard Boucher, sagte am Montagabend in Washington, es seien Iraner, die gegen die iranische Politik demonstrierten. Er betonte jedoch zugleich, dass die USA das Anliegen der Studenten unterstützten, die für mehr politische Freiheit demonstrierten.

Während das iranische Innenministerium in der Nacht zum Dienstag mitteilte, dass es weder in Teheran noch in den Provinzen neue Proteste gegeben habe, berichteten Augenzeugen von Demonstrationen in der Hauptstadt. So hätten im Osten Teherans mehrere hundert Demonstranten ein minutenlanges Pfeifkonzert veranstaltet. In den vorangegangenen Nächten waren in Teheran und anderen Städten Tausende Studenten gegen die islamische Führung auf die Straßen gegangen. Dabei hatten sie unter anderem den Rücktritt von Präsident Mohammed Chatami und die Freilassung aller politischen Dissidenten gefordert.

Die Zahl der in den vergangenen Tagen verhafteten Demonstranten gab das Innenministerium in der Nacht zum Dienstag mit 250 an. zwölf Studenten seien bei Zusammenstößen mit der Polizei verletzt worden. Übereinstimmend verlangten am Montag die EU-Außenminister in Luxemburg, deren russischer Amtskollege Igor Iwanow in Neu Delhi und Generaldirektor Mohammed El Baradei beim IAEO-Gouverneursrat in Wien Iran zur Unterzeichnung des Zusatzabkommens auf, das der Atombehörde freien und unangekündigten Zugang zu allen iranischen Atomanlagen ermöglichen würde. Das iranische Nuklearprogramm gebe "Anlass zu großer Sorge", sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer. Teheran solle das Zusatzprotokoll unterzeichnen und einhalten, hieß es darin.

Mit Blick auf laufende Verhandlungen mit der EU über Wirtschafts- und Kooperationsabkommen wies der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamid-Reza Assefi, jegliche Vorbedingungen zurück. "Iran wird keine Vorbedingungen für Verhandlungen mit irgendeinem Land oder irgendeiner Union akzeptieren", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur IRNA Assefi.

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