Druck auf IT-Beratungen am höchsten - Kundenprojekte werden kürzer: Unternehmensberater spüren die Flaute

Druck auf IT-Beratungen am höchsten - Kundenprojekte werden kürzer
Unternehmensberater spüren die Flaute

Die Consultingbranche kämpft mit der schwachen Nachfrage nach ihren Beratungsleistungen. Der Druck auf die Honorare wächst, die Projekte werden kürzer. Aber es gibt noch Wachstumsfelder.

tel FRANKFURT. Die Branche der Unternehmensberater in Deutschland hat das vergangene Jahr wohl mit einem Minus abgeschlossen. Noch ist die Branchenumfrage des Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) zwar nicht ganz ausgewertet, aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Gesamtgeschäft unter dem Vorjahr liegt. Betroffen sind nach Einschätzung des BDU Beratungsunternehmen aller Größen, vor allem aber solche, die sich auf die Optimierung von Geschäftsprozessen und Systemintegration spezialisiert haben.

Ein großer Anbieter in diesem Bereich ist Bearing Point Deutschland, dessen Umsätze nach Aussage ihres Chef Peter Melcher zwar stagnieren. Dennoch hat sich die ehemalige KPMG Consulting wegen der Nachfragesituation im Dezember entschlossen, 700 ihrer 3 200 Mitarbeiter zu entlassen (siehe Interview). Deutschlands größte klassische Strategieberatung McKinsey büßte knapp 4 % seines Umsatzes auf 580 Mill. Euro ein. Zulegen konnten die Verfolger Roland Berger Strategy Consultants (plus 7 %) und Boston Consulting Group (plus 8 %) - aber die Zeiten zweistelliger Zuwachsraten sind erst einmal vorbei. Die Branche spürt deutlich, dass Unternehmen Beratungsprojekte zurückgefahren haben und Investitionen verschieben.

"Das Geschäft ist kurzlebiger geworden", sagt Martin Koehler, Vice President der Boston Consulting Group (BCG). Es würden weniger Einjahresaufträge vergeben, sondern meist nur solche für ein bis drei Monate. Thomas Köhler, Country Manager von Accenture, die sich im gleichen Geschäftsfeld wie Bearing Point bewegt, sieht eine verstärkte Ergebnisorientierung der Kunden schon nach kleineren Projektphasen. "Projekte, die nur den Erkenntnisgewinn steigern, sind passé", so Köhler. Accenture geht im deutschsprachigen Raum von einem leichten Umsatzminus von 1 bis 2 % auf knapp 700 Mill. Euro für 2002 aus. Das Auslandsgeschäft dagegen wächst.

Auch wenn die großen Strategieberater erklären, ihre Honorare nicht gesenkt zu haben: der Preisdruck von Kundenseite nimmt zu, auch erfolgsabhängige Vergütungsmodelle sind stärker gefragt. Das bestätigen alle. "Einige Unternehmen sind zu kleineren günstigeren Anbietern abgewandert", so BCG-Mann Köhler. Allerdings macht er auch schon wieder eine Gegenbewegung aus: Manche kämen wieder zurück. Insgesamt scheinen die großen Anbieter im Consultingmarkt noch am besten davon zu kommen, wie so oft in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. So sieht das auch Burkhard Schwenker, der zur Jahresmitte die Nachfolge von Roland Berger antritt. Accenture-Mann Köhler sieht im Markt aber weiterhin gute Chancen für Nischenanbieter, die sich auf spezielle Themen oder Brachen spezialisieren. Er erwartet, dass das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder anzieht.

Mögliche Neukunden sehen Strategie- wie Business-Berater vor allem im öffentlichen Sektor, darunter Gesundheitswesen, Infrastruktur und Transport. Schwenker stellt aber auch fest, dass die Zeit der reinen Rationalisierungsprojekte abläuft: "Die Frage, wie neues Wachstum generiert werden kann, sowie die Themen Innovation, Marketing, Vertrieb und vor allem Globalisierung treten langsam wieder in den Vordergrund."

Quelle: Handelsblatt

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