Druck auf Kirch wächst
Machtkampf um Formel 1

Um die Formel 1 wird hart gekämpft. Daimler-Chrysler will zusammen mit vier anderen Autokonzernen gut ein Viertel der Formel 1 kaufen. So soll der Einfluss Kirchs begrenzt werden.

hps HB GENF/DÜSSELDORF. Die Autokonzerne Daimler-Chrysler, BMW, Fiat, Renault und Ford durchkreuzen die Pläne der Kirch-Gruppe, künftig drei Viertel der Formel 1 zu kontrollieren. Wie Daimler-Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert gestern erklärte, streben die Hersteller eine "gut 25 %ige Beteiligung" an der Formel-1-Holding SLEC an. "Wir Hersteller sind unglücklich mit der derzeitigen Situation. Wir wollen verhindern, dass die Kirch-Gruppe 75 % erwirbt, denn dies wäre mit Sicherheit das Ende der Formel 1", sagte Hubbert bei der Eröffnung des Autosalons in Genf.

Wie sich ein Einstieg der Autokonzerne in die Formel 1 vollziehen könnte, bleibt allerdings offen. Denn Hubbert erklärte: "Wir wollen mit Kirch nichts zu tun haben. Wir verhandeln nur mit Bernie Ecclestone." Doch dem Organisator des Rennsports gehören bald nur noch 25 %. Denn am Mittwoch üben der angeschlagene Münchner Filmrechtehändler EM.TV und die Kirch-Gruppe für 987 Mill. $ eine Option aus, um zusätzlich zu den bisherigen 50 % an der Formel 1 weitere 25 % zu übernehmen. Branchenbeobachter gehen deshalb davon aus, dass es schon bald Verhandlungen zwischen der Automobilwirtschaft und Kirch bzw. EM.TV geben wird.

Hubberts Kampfansage an Kirch kommt nicht überraschend. Zuvor hatte Wolfgang Reitzle, Chef der Ford-Tochter Jaguar, unterstrichen, dass die Formel 1 nicht in die Hände eines Medienunternehmens fallen dürfe. Die Autokonzerne befürchten, dass nach der Übernahme durch Kirch die Formel 1 nur noch im Pay-TV Premiere World zu sehen sein wird. Die Kirch-Gruppe wollte gestern die Offensive der Autokonzerne nicht kommentieren.

Auch bei EM.TV war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Doch bereits am Montag hatte der Filmrechtehändler seine Bereitschaft zu Verhandlungen mit der Automobilindustrie erklärt. Es gebe bereits Kontakte.

Die Front gegen Leo Kirch ist mächtig: Neben den Autokonzernen bekämpft auch Formel-1-Organisator Bernie Ecclestone den Partner aus München. Auch sein Freund Max Mosley, Chef des Motorsportverbandes FIA, steht Kirch skeptisch gegenüber. Sollte es zu keiner Lösung im Sinne der Autokonzerne kommen, könnte das Ende der bisherigen Formel 1 bevorstehen. Bereits am Wochenende hatte Hubbert mit der Gründung einer "alternativen Rennserie" gedroht.

Vor diesem Hintergrund hat sich Kirch von seinem Plan verabschiedet, sich eine eigene Sportart statt nur einzelne Sportrechte zu kaufen. Offenbar ist der Filmhändler zu der Einsicht gelangt, dass der profitable Formel-1-Zirkus nur gemeinsam mit den Autokonzernen eine Zukunft hat.

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