Druck auf kleinere Software-Anbieter wächst
SAP entfacht Wettbewerb um den Mittelstand

Der Druck auf die Anbieter von Software für mittelständische Firmen wächst. Das zeigt das Beispiel der am Neuen Markt notierten Lipro AG.

jkn FRANKFURT/M. Von den großen Versprechungen zum Börsengang 1999 ist kaum etwas übrig geblieben. Die Gesellschaft kämpft um das Überleben.

Dennoch sind die rund 3,3 Mill. Mittelständler in Deutschland für die Softwarebranche ein interessanter Markt. Dies gilt für die klassische interne Unternehmenssoftware (ERP), dies gilt aber noch viel stärker für das Thema E-Business. Umfragen zu Folge setzen zur Zeit nur 16 % der kleineren Unternehmen das Internet etwa beim Einkauf oder der Auftragsabwicklung ein.

Noch lässt sich dieses Marktpotenzial allerdings nur mit Schwierigkeiten heben. Das bestätigt Georg L. Mylius, Gründer und Vorstandschef der Mylius Software AG in Rosenheim. 1998 baute er seine Firma vom Systemhaus zu einem Anbieter von Standardsoftware für Handel und Vertrieb um. "Der Wandel war dramatischer, als ich es erwartet hatte", räumt Mylius ein: "Ich würde es aber dennoch jederzeit wieder machen". Bis jetzt ist das Experiment geglückt. Mylius beschäftigt heute 70 Mitarbeiter und arbeitet seit diesem Jahr profitabel. Der Umsatz soll auf mindestens 14 Mill. DM steigen.

Doch Firmen wie Mylius stehen unter einem hohen Wettbewerbsdruck. Der Markt für Anbieter von Software für Unternehmen ab 100 Mitarbeitern ist stark fragmentiert. Erhebungen des Konradin-Verlages zu Folge dominiert auch hier SAP mit einem Anteil von 25 %, während sich um den großen Rest unzählige kleine Anbieter streiten. Da nun auch die großen der Branche verstärkt in den Markt drängen, allen voran SAP, wird der Wettbewerbsdruck noch größer. So setzen einer aktuellen Studie von IBM und der Zeitschrift "Impulse" zu Folge mittlerweile 24 % der mittelständischen Firmen auf SAP. Ein Jahr zuvor waren es nur 15 %.

Für Leo Ernst, Mitgründer und Vorstandsmitglied der pfälzischen ProAlpha Software AG, ist deshalb klar: "Von unseren rund 200 Wettbewerbern wird nur eine kleine Anzahl überleben". ProAlpha bietet Software für mittelständische Kunden und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr bei einen Umsatz von rund 40 Mill. DM ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von rund 6 Mill. DM.

Nicht zuletzt wegen ihrer Profitabilität gehören Firmen wie Mylius und ProAlpha zu den wenigen Unternehmen, die vergleichsweise gute Überlebenschancen haben. Denn ungeachtet des Konsolidierungsdrucks bescheinigen Branchenexperten ausgewählten Anbietern reelle Chancen, gegen die Großen zu bestehen. Der Grund: Gerade im Mittelstand würden viele Firmen vor dem Einsatz sehr komplexer Software etwa von SAP zurückschrecken.

"Die Kunden wollen komplette Pakete, die schnell zum Laufen gebracht werden", bestätigt Mylius. Wie schwer dieses Argument im Einzelfall gegen Riesen wie SAP wiegt, zeigt das Beispiel Uni AG-Data aus Schwaig bei München. Das Unternehmen mit einem Umsatz von 350 Mill. DM vertreibt nicht nur logistische Dienstleistungen, sondern übernimmt auch Installation und Wartung von PC oder Kopierern.

Ende 2000 erhielt Uni-Data von Siemens den Auftrag, innerhalb kurzer Zeit in Schanghai ein Logistikzentrum für die Ersatzteilversorgung aufzubauen. Beim Software-Partner fiel die Wahl auf Mylius, obwohl Uni-Data selbst zum Teil SAP einsetzt. "Wir brauchten eine Standardlösung, die schnell einsatzbereit war - und das in Mandarin", begründet Helmut Schwertler, Marketingchef von Uni-Data, die Entscheidung für Mylius. Innerhalb weniger Wochen lief das Programm.

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