Druck auf Merkel wächst
Kommentar: Löwenmut alleine reicht nicht

Ritterlich geht es derzeit zu in der Union: Da fordert ein Fraktions-Wortführer Wolfgang Schäuble auf, endlich das Visier hochzuklappen und zu bekennen, ob er nun Kanzlerkandidat werden wolle oder nicht. Da stürmt die Parteivorsitzende wie einst Jeanne d?Arc in schimmernder Rüstung in die ferne Provinz, um zwischen den Hügeln Hagens den Gegner endlich zu stellen.

DÜSSELDORF. Doch der ist dann offenbar doch in den bayerischen Wäldern zu suchen, wie die tapfere Maid entrüstet ausrufen muss. Von dort gebe es immer wieder Hiebe von hinten. Und das ist dann natürlich wieder nicht so ritterlich.

Angela Merkels Parforceritt, ihr Machtwort und ihr Frontalangriff gegen Glos und die Südwest-CDU sind beeindruckend. Aber reicht das, um im Sattel zu bleiben? Was die Parteifreunde in Baden-Württemberg betreiben, ist nichts anderes als offene Rebellion. Hinzu gesellen sich verdiente Parteigranden wie Rupert Scholz, die für die frühere Größe der CDU stehen. Helmut Kohl hätte einen solchen Widerstand im Keim erkannt, werden nicht wenige in der Partei sagen. Merkel droht ein verhängnisvoller Stimmungsumschwung: Wenn ihre Führungsfähigkeit derart konterkariert wird, scheidet sie aus dem Turnier um die Kanzlerkandidatur möglicherweise früher aus als ihr lieb ist.

Noch kämpft sie mit bemerkenswertem Löwenherz. Und es wird ihr nutzen, dass sie die mächtigen Vasallen von Rhein und Ruhr hinter sich geschart hat. Doch darf sie sich damit nicht zufrieden geben: Sie muss sich in die Händel der CDU in Stuttgart einmischen, wo es trotz des grandiosen Wahlsiegs von Erwin Teufel offenbar auch um dessen Nachfolge geht. Vor allem aber führt kein Weg an Edmund Stoiber vorbei. Mit ihm muss sie einig werden, möglichst schnell und auch, wenn es ihr schwer fällt. Am Wochenende war es in den bayerischen Wäldern auffallend still. War es vielleicht die Ruhe vor dem letzten Waffengang?

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