Druck auf Preise erhofft
USA geben strategische Ölreserve frei

Die USA beginnen in dieser Woche damit, erstmals in Friedenszeiten ihre strategischen Ölreserven anzuzapfen. Jetzt wird Druck auf die hohen Rohöl-Preise erhofft.

dpa WASHINGTON. Die USA beginnen in dieser Woche damit, erstmals in Friedenszeiten ihre strategischen Ölreserven anzuzapfen. Präsident Bill Clinton begründete dies mit den dramatisch gefallenen Beständen an Heizöl und den hohen Energiepreisen. Die Bestände seien landesweit um 20 Prozent niedriger als im Vorjahr, im Osten der USA sogar um 50 Prozent, begründete Clinton seine Entscheidung am Samstag. Mit der Freigabe folgte Clinton einer Aufforderung seines Vize, des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore. Der republikanische Kandidat George Bush kritisierte die Entscheidung scharf.

Clinton erklärte, die geringen Heizölbestände hingen vor allem mit dem hohen Preis für Rohöl zusammen. Ziel der Maßnahme sei es nun, das Angebot zu steigern und damit den Verbrauchern zu helfen, durch den Winter zu kommen. Er betonte, dass es sich bei der Freigabe um einen Tausch handle. Die Raffinerien, die jetzt das Öl bekämen, müssten es im Frühjahr, wenn die Preise nach den Prognosen niedriger seien, wieder zurückgeben. Clinton kündigte zugleich an, dass er 400 Millionen Dollar an Nothilfe freigebe, um armen Familien über den Winter zu helfen.

Nach Angaben von Energieminister Bill Richardson sollen über einen Zeitraum von 30 Tagen insgesamt 30 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf den Markt gebracht werden. Bereits am Montag werde damit begonnen. Die Ölreserve wird nach Einschätzung von Experten allerdings erst im Dezember die Verbraucher erreichen. Allein die erwartete Ankündigung reichte aber aus, dass Rohöl zur November- Auslieferung am Warenterminmarkt New York in zwei Tagen um knapp drei Dollar auf 32,68 Dollar je Barrel fiel. Auch die Heizöl-, Benzin- und Erdgaspreise fielen deutlich. Nach Angaben des Energieministeriums verbrauchen die USA pro Tag etwa 19 Millionen Barrel Öl; davon werden zehn Millionen Barrel importiert.

Clinton: Keine politischen Absichten

Clinton und Energieminister Richardson wiesen politische Absichten bei dem Zugriff auf die strategische Ölreserve von sich. Mit der Maßnahme werde lediglich verhindert, dass vor dem Winter Heizöl knapp werde. Gleichzeitig werde den Lkw-Fahrern geholfen und allen, die ein Auto hätten, sagte Richardson.

Gores Rivale im Rennen um das Weiße Haus, der texanische Gouverneur Bush, verurteilte die Freigabe der Reserve als «unverantwortliches Wahlkampfmanöver», das die nationale Sicherheit gefährden könne. Er kritisierte, dass Gore noch im vergangenen Winter eine ähnliche Maßnahme abgelehnt habe. Nun, kurz vor den Wahlen, habe er sich plötzlich anders entschieden.

Einige Ölfachleute hoffen, dass die geplante Freigabe die Ölpreise auf unter 30 Dollar je Barrel drücken könnte. Andere sind vor allem im Hinblick auf die Lage am Heizölmarkt eher skeptisch. Der Rohölpreis war am vergangenen Mittwoch auf ein Zehnjahres-Hoch von 37,80 Dollar je Barrel gestiegen.

Die strategische Erdölreserve der USA wurde während der Energiekrise in den 70er Jahren geschaffen. Es handelt sich um 571 Millionen Barrel Öl, die in riesigen unterirdischen Tanks am Golf von Mexiko lagern. Die Reserven sind zur Sicherung des Ölbedarfs in Kriegs- und Krisenfällen gedacht. Sie wurden zum ersten und bisher einzigen Mal im Golfkrieg vom damaligen Präsidenten George Bush angezapft.

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