Druck auf Vivendi-Chef Messier wächst – Aventis-Aufsichtsrat Fourtou gilt als möglicher Nachfolger
Frankreichs Starmanager im Abseits

Die Luft für Jean-Marie Messier, den umstrittenen Chef des Medienkonzerns Vivendi Universal, wird immer dünner. Medienberichten zufolge will er aufgeben. Die Vivendi-Aktie schoss am Montag in die Höhe.

abo PARIS. Der französische Mischkonzern Vivendi Universal steht vor einem Machtwechsel. Nachdem die französischen Mitglieder des Aufsichtsrates den umstrittenen Vorstandschef Jean-Marie Messier am Wochenende zum Aufgeben gedrängt hatten, verhandelte der Aufsichtsrat am Montag Gewerkschaftskreisen zufolge fieberhaft über einen gesichtswahrenden Ausweg für den umstrittenen Manager. Offiziell herrschte bei Vivendi Universal dazu absolute Funkstille

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Als Kandidat für eine Nachfolge wurde unter anderem der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Pharmakonzerns Aventis, Jean-René Fourtou, genannt. Fourtou hat dies bisher nicht kommentiert. Messier hat angeblich einem Rücktritt zugestimmt, und die Chefin der Vivendi-Printsparte, Agnès Touraine, als Nachfolgerin vorgeschlagen. Die Wahl eines US-Managers wird in Unternehmenskreisen ausgeschlossen.

Die Börse reagierte auf die Nachricht von Messiers unmittelbar bevorstehendem Abgang positiv. Die Vivendi-Universal-Aktie stieg am Montag in der Spitze um fast 20 %, machte damit aber lediglich einen Teil des Kursverfalls der letzten Monate wett. Seit Anfang des Jahres hat der Aktienkurs von Vivendi Universal 62 % verloren. Damit hat sich der Börsenwert um mehr als 40 Mrd. Euro verringert.

Die Finanzmärkte misstrauen damit offen dem von Messier vehement betriebenen Umbau des ehemaligen Mischkonzerns mit starker Wassersparte in einen reinrassigen Medienkonzern. Die Investmentbank Merrill Lynch hält die Strategie für ein "Desaster" Auch die Unsicherheit über die Führung des Konzerns lastet auf der Aktie. Analysten sprachen von einem erheblichen Bewertungsabschlag der Aktie, solange die Situation an der Spitze des Konzerns nicht definitiv bereinigt sei.

Erst vor einigen Tagen hatte der Vivendi-Aufsichtsrat mit der französischen Stimmenmehrheit den Antrag der US-Mitglieder des Gremiums abgelehnt, Messier zu entlassen. Der Meinungswandel der französischen Aufseher ist durch umfangreiche Börsenmanöver ausgelöst worden. So ist in der vergangenen Woche ein Zehntel des Vivendi-Universal-Kapitals in andere Hände gewechselt. Bisher hielt die Familie Bronfman, Hauptaktionär des seinerzeit von Vivendi übernommenen Medienkonzerns Universal, mit knapp 6 % das größte Paket am Unternehmen.

Auch wächst bei den Franzosen unter Messiers Aufsehern die Sorge, in ein Debakel nach dem Muster von Worldcom oder Xerox hinein gezogen zu werden. Denn in Paris reißen die Presseberichte nicht ab, dass es mit Vivendis Liquidität nicht zum Besten stehe. So sollen 15,6 % an der Versorgersparte Vivendi Environnement überstürzt platziert worden sein, um Finanzlöcher zu stopfen. Messier hat Liquiditätsprobleme bestritten und auf Kreditreserven des Konzerns von mehr als 3 Mrd. Euro verwiesen.

Quelle: Handelsblatt

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