Druck aus der französischen Politik
Mobilcom gibt nicht nach

Der Telekommunikationskonzern Mobilcom AG hält an seiner Absicht fest, Teile des Kooperationsvertrages mit der France Telecom zu veröffentlichen. Unternehmenssprecher Matthias Quaritsch sagte am Montag auf Anfrage in Büdelsdorf, solange sich der französische Großaktionär nicht ausdrücklich dazu geäußert habe, sei dies für Mobilcom eine offene Frage.

Reuters HAMBURG. Zugleich wies Quaritsch Spekulationen zurück, Mobilcom könnte sich in dem Streit mit seinem zweitgrößten Aktionär Unterstützung aus der Politik sichern wollen. Die Hongkonger Telekomgesellschaft Hutchison lehnte unterdessen einen Kommentar zu einem Bericht über einen möglichen Einstieg bei Mobilcom ab.

Quaritsch sagte auf die Frage, ob France Telecom Mobilcom die Veröffentlichung untersagt habe: "Solange das nicht in einem Fax an uns steht, ist das für uns eine offene Frage." Er nahm damit Stellung zu einem Bericht der "Financial Times Deutschland", demzufolge France Telecom eine Veröffentlichung ablehnt. Auch Mobilcom-Chef Gerhard Schmid war in der französischen Zeitung "Liberation" mit den Worten zitiert worden, France Telecom lehne eine Bekanntgabe des Inhalts ab.

Mobilcom-Chef Schmid hält an Plänen fest

In dem seit mehreren Wochen andauernden Streit geht es um die Kosten für den Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland. Während die mit 28,5 % an Mobilcom beteiligte France Telecom die Ausgaben strecken will, hält der Büdelsdorfer Konzern an seinem Vorhaben fest, bis Ende 2003 rund 1,4 Mrd. ? in den Netzaufbau zu investieren. Mobilcom beruft sich dabei auf finanzielle Zusagen des französischen Telekommunikationskonzerns in dem Kooperationsabkommen.

Danach soll sich France Telecom über die Finanzierung der UMTS-Lizenz hinaus mit insgesamt 10,9 Mrd. ? gegenüber Mobilcom verpflichtet haben. Auf diese Summe bezifferte Mobilcom-Chef Schmid die Kosten, die France Telecom im Falle eines Ausstiegs bei Mobilcom zu tragen hätte. "France Telecom kann zwar theoretisch ihre Anteile verkaufen. Aber dies wird sie nicht von ihren Verpflichtungen entbinden", hatte Schmid "Liberation" am Wochenende gesagt.

Sprecher: Ruf nach Hilfe aus Politik wäre falsches Signal

Quaritsch wies Spekulationen zurück, Mobilcom könne sich Hilfe aus der Politik sichern, nachdem die französische Regierung offenbar Druck auf die mehrheitlich in Staatsbesitz liegende France Telecom ausübt, sich aus der Beteiligung zurückzuziehen. "Jetzt nach der Politik zu rufen, wäre das falsche Signal", sagte der Mobilcom-Sprecher. In der vergangenen Woche hatten sich Landespolitiker für eine Unterstützung von Mobilcom durch die Bundesregierung ausgesprochen.

Hutchison lehnt Kommentar ab

Die Hongkonger Telekomgesellschaft Hutchison Wampoa lehnte eine Stellungnahme zu einem Bericht ab, demzufolge sie möglicherweise einen Einstieg bei Mobilcom plant. Die Tageszeitung "Die Welt" hatte berichtet, der US-Investor Guy Wyser-Pratte habe Kontakt zu Hutchison aufgenommen, um einen möglichen Einstieg bei Mobilcom auszuloten. Wyser-Pratt ist mit 1,1 % an Mobilcom beteiligt. Sein deutscher Partner Marcus Elsässer lehnte auf Anfrage einen Kommentar zu dem Bericht ab. In Branchenkreisen wurde ein Einstieg von Hutchison Wampoa unterdessen für wenig wahrscheinlich gehalten.

In einem festeren Gesamtmarkt stiegen die Anteilsscheine von Mobilcom am Montag um rund 3 % auf 13,70 ?.

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