Druck der EZB befürchtet
Die verbotenen Euro-Scheine locken besonders

Die einen kriegen ihn, wollen ihn aber nicht recht; die anderen hätten ihn gern, sollen ihn aber nicht bekommen: Der Euro spaltet die ohnehin geteilte Insel Zypern.

NIKOSIA. Die griechischen Zyprer, die vor zwei Jahren der Europäischen Union beitraten, sollen Anfang 2008 ihr Pfund gegen den Euro eintauschen. Aber sie sind skeptisch. 78 Prozent fürchten, die Währungsumstellung werde ihnen Nachteile bringen. Auch in der Regierung regt sich Widerstand: die kommunistische Akel-Partei, größter Koalitionspartner des Inselpräsidenten Tassos Papadopoulos, will die Euro-Einführung verschieben, "um die Bevölkerung besser zu informieren und die Wirtschaft zu stabilisieren".

In Wirklichkeit geht unter den Kommunisten die Furcht um, mit dem Beitritt zur Währungsunion werde der Reformdruck wachsen. Bisher sperrt sich die stark gewerkschaftsabhängige Akel gegen eine Deregulierung der Märkte, Privatisierungen und eine Verschlankung der Staatsbürokratie. Trotzdem will Papadopoulos an der Umstellung Anfang 2008 festhalten.

Eine Million Euro investiert die Regierung jetzt in eine Info-Kampagne, um die Inselgriechen mit dem Euro anzufreunden. Solche Überzeugungsarbeit wäre im türkisch kontrollierten Norden der geteilten Insel nicht nötig. Die türkischen Zyprer hätten den Euro am liebsten sofort. Das ist bisher allerdings nicht vorgesehen. Zwar gehört völkerrechtlich ganz Zypern zur EU, auch der Norden. Doch das Regelwerk der Union gilt bis zu einer Wiedervereinigung nur im Süden, der von der international anerkannten Regierung der Republik Zypern kontrolliert wird.

Überdies erfüllt Nordzypern nicht annähernd die Vorgaben für einen Beitritt zur Währungsunion: die Haushaltszahlen sind völlig undurchsichtig, die tatsächliche Staatsverschuldung unbekannt. Die Inseltürken hängen am Tropf der Türkei, die etwa die Hälfte ihrer Haushaltsausgaben bestreitet, Landeswährung ist die jüngst stark abgewertete türkische Lira.

"Wir sind immerzu die Opfer der Volatilität der türkischen Wirtschaft", klagt Ali Erel, der ehemalige Vorsitzende der türkisch-zyprischen Handelskammer. "Wir sollten deshalb so schnell wie möglich den Euro einführen." Ein Beitritt zur Eurozone sei dafür nicht nötig, wie das Beispiel Montenegro zeigt, "ein Beschluss der Regierung genügt, wir könnten es morgen tun!"

Skeptiker warnen, so einfach sei das angesichts der Abhängigkeit von der Türkei nicht. Aber der Euro wird mit Sicherheit nach Nordzypern kommen. Tausende türkische Zyprer überqueren jeden Tag die Demarkationslinie, um im Süden zu arbeiten. Noch bringen sie zyprische Pfund von dort mit. Ab 2008 werden es Euro sein, die dann bald als Parallelwährung zirkulieren dürften.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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