Druck zur Restrukturierung in der Industrie nimmt zu - Geschäfte werden jetzt eingefädelt
In deutsche Unternehmen kommt Bewegung

Die Deutschland AG kommt auf den Prüfstand: Investment- Banker und Berater versprechen sich von der Steuerbefreiung auf Veräußerungsgewinne neue Wachstumsimpulse für die Wirtschaft.

DÜSSELDORF. Beiersdorf, MAN, Heidelberger Druck: Wer Investment-Banker in diesen Tagen fragt, welche deutschen Unternehmen in der nächsten Zeit den Besitzer wechseln dürften, erhält immer wieder die gleichen Antworten. Dass ausgerechnet diese Firmen genannt werden, hat einen einfachen Grund. Der Tesa- und Nivea-Produzent (Großaktionär: Allianz), der Lastwagenhersteller (Allianz, Münchener Rück und Commerzbank) und der Druckmaschinenanbieter (RWE, Commerzbank) sind für ihre großen Anteilseigner im Wesentlichen Finanzbeteiligungen und gehören somit nicht zum Kerngeschäft.

"Uns steht die Initialzündung zur Auflösung der ,Deutschland AG bevor", sagt Bernd Heinemann, Partner bei der Beratungsgesellschaft McKinsey. Ein wesentlicher Grund: Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen werden ab Anfang kommenden Jahres von der Steuer befreit. Bis zur gesetzlichen Neuregelung mussten die stillen Reserven, die sich zum Teil im Laufe von Jahrzehnten angesammelt hatten, aktiviert werden. Die darauf anfallenden Steuern hielten die Eigentümer aber vielfach von einem Verkauf ab.

Dass die Steuerbefreiung erst ab 1. Januar 2002 gilt, hält Unternehmen nicht davon ab, Verkäufe vorzubereiten oder schon abzuschließen. "Viele Deals beginnen jetzt", beobachtet Dietrich Neumann, Vice President bei der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney.

Deutsche Bank, Allianz und Co. haben in den vergangenen Monaten nahezu unisono erklärt, ihre Industriebeteiligungen auf den Prüfstand zu stellen. "Der Druck auf einzelne Branchen für eine grundlegende Restrukturierung wird zunehmen und der Wirtschaft neue Wachstumsimpulse geben", erwartet Heinemann. Besonders betroffen sind nach Ansicht von Michael Sautter, bei der Deutschen Bank für das Investment-Banking zuständig, neben den veräußernden Banken und Versicherungen die Branchen Konsumgüter und Maschinenbau.

Allgemein gelten auch Unternehmen in den Bereichen Chemie und Pharma sowie die Autozulieferer als attraktive Übernahmeobjekte. So kauft etwa die US-Private-Equity-Firma Carlyle Beteiligungen an deutschen Autozulieferern zusammen. Und die deutschen Bierbrauer - unter anderem im Besitz der Hypo-Vereinsbank - sind Objekt der Begierde für Heineken, Interbrew und andere Riesen des Biergeschäfts.

Für die betroffenen Unternehmen kann ein Eigentümerwechsel durchaus von Vorteil sein. Beispiel MAN: Der Münchener Maschinen- und Lkw-Bauer droht wegen seiner niedrigen Marktkapitalisierung aus dem Börsenindex Dax zu fliegen. Abhilfe könnte etwa eine Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien schaffen, was den für die Indexberechnung relevanten Börsenwert erhöhen würde. Doch dies würde den Einfluss, den die Allianz über eine Zwischenholding bei MAN geltend machen kann, verringern. Der auch von Aktionärsvereinigungen immer wieder geforderte Tausch wird daher zumindest auf absehbare Zeit wohl nicht erfolgen - darauf deuten jedenfalls die Stellungnahmen von MAN und Allianz hin.

Die bevorstehenden Deals müssen aber nicht immer größerer Natur sein. Andrew Richards, Deutschland-Chef des Londoner Private-Equity-Riesen 3i, prognostiziert etwa einen starken Anstieg von Management-Buy-Outs (MBO), also der Übernahme von Unternehmen oder Unternehmensteilen durch das Management. Er sagt dem deutschen Markt für MBO in den kommenden zwei Jahren ein Wachstum von 70 Prozent voraus.

Die positiven Effekte, die sich Berater und Investment-Banker für Kapitalgesellschaften erhoffen, dürften am Mittelstand allerdings weitgehend vorbeigehen. Denn, so ein Partner einer anderen Private-Equity-Gesellschaft, Personengesellschaften werden nicht von der Steuer befreit. Und damit entfällt auch der Anreiz, solche Unternehmen jetzt in andere Hände zu geben.

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