Drum prüfe, wer sich bindet ...
Software-Fehler kosten viel Geld

In Deutschland ist es längst Alltag: Wer als aufgeklärter Verbraucher ein neues Produkt kaufen will, der kann sich zuvor informieren. Niemand braucht die Katze im Sack zu kaufen. Die meisten handelsüblichen Markengeräte für den Hausgebrauch hat die Stiftung Warentest auf Herz und Nieren geprüft. Ob Kühlschrank, Bügeleisen, TV-Equipment oder DVD-Player, die Prüfer kennen keine Gnade. Ganz anders ist in vielen Fällen die Situation bei der industriellen Anwendung kostspieliger Software.

Die Qualitätssicherung von Computerprogrammen lasse hier zu Lande einiges zu wünschen übrig, so zahlreiche IT-Experten. Die Folge: Allein durch Software-Fehler entstehen in deutschen Firmen jährlich Kosten in Höhe von einigen Milliarden Euro. "Wie hoch der Schaden konkret ist, weiß niemand so genau, aber es geht schon in die Milliarden", meint Peter Venator, Geschäftsführer der Karlsruher Consulting-Firma Lot.

Fest steht: Ein Fehler im Computerprogramm kann ziemlich teuer werden. Nach Schätzung des Anlegermagazins "Die Telebörse" kostet eine Stunde Systemausfall im deutschen Börsenhandel knapp zehn Mill. Euro. Im Sommer vorigen Jahres legten Software-Fehler die New Yorker Börse für eine Stunde lahm. In einer zunehmend vernetzten Wirtschaft führen Software-Ausfälle zu enormen Umsatzeinbußen. Doch Börsen sind nicht die einzigen, bei denen Software-Ausfälle teuer werden.

Ob beim Online-Banking, bei der Katalogbestellung per Internet oder bei der webgestützten Reservierung des nächsten Fluges - versagt die Software, geht der Online-Kunde baden und das Unternehmen leer aus. "Wer auf einen Service im Internet nicht problemlos zugreifen kann, der verliert das Vertrauen der Kunden, oder sie wandern per Mausklick zur Konkurrenz ab", so IT-Experte Venator.

Die Qualität der Software entscheidet de facto über die Höhe des Umsatzes der ans Web angeflanschten Unternehmen. Fehlerfrei und benutzerfreundlich laufende Computerprogramme haben heute für Geschäftsabläufe strategische Bedeutung.

Der Haken: "Das Management nimmt kaum Einfluss auf die Installierung von IT-Lösungen, weil die Materie sehr schwierig ist und lieber den Technikern überlassen wird", meint Rudolf van Megen, CEO der Kölner SQS Software Quality Systems AG.

Für den agilen IT-Fachmann van Megen steht längst fest, viel zu wenige Unternehmen investieren ausreichend Zeit in einen Test der geplanten Software. Noch weniger Unternehmen setzen vor der Inbetriebnahme neuer Software auf die Unterstützung externer Software-Spezialisten. Die wittern natürlich das große Geschäft. Fakt ist: Jeder einzelne Schritt bei der Entwicklung eines Computerprogramms kostet Geld. Je früher und systematischer neue IT-Lösungen getestet werden, um so mehr Geld und Zeit können Unternehmen im knallharten Praxis-Test einsparen. So simpel ist auch die Philosophie von professionellen Software-Testern.

Der Vergleich zur Baubranche drängt sich auf: Pfusch am Bau wird im Nachhinein auch immer teuer. Ähnlich sieht es beim Einsatz komplexer Computerprogramme aus. Unternehmen, die frühzeitig bei der Installation von IT-Lösungen auf professionelle Tester setzen, können sich so manche böse Überraschung sparen. Drum teste zuvor, wer sich in irgendeiner Form per Software an das Web binden will, so die Botschaft einer aktuellen Studie des Londoner Marktforschungsinstituts Aspect International.

Rosige Zeiten also für IT-Dienstleister, die analog zur Stiftung Warentest ausgiebig Software-Lösungen vor ihrem Einsatz auf Herz und Nieren prüfen? Allein in Deutschland rechnet Lot-Consulting damit, dass in diesem Jahr rund 250 Mill. Euro für das Testen von Business-Software ausgegeben werden. "Mit dieser Dienstleistung wird weiter viel Geld verdient. Aber in erster Linie beim Testen von Programmen, die für Unternehmen individuell entwickelt wurden", meint Venator. Programme von der Stange, wie sie von großen Herstellern angeboten werden, kommen getestet auf den Markt.

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