DSB-Chef Richthofen wieder einmal auf Konfrontationskurs zum NOK
Leipzigs Feuer brennt nur noch schwach

Sportpolitiker spekulieren über ein Ende der Olympiabewerbung. Jetzt hängt alles an Oberbürgermeister Tiefensee.

LEIPZIG. An der Tür des Olympiabüros im Leipziger Rathaus hängt ein Plakat, das eigentlich Mut machen soll. "Die Quelle alles Guten liegt im Spiel", steht dort auf buntem Untergrund. Es ist ein Spruch des Pädagogen Friedrich Wilhelm August Fröbel aus dem 19. Jahrhundert. Genau an jenem Plakat vorbei hastete am Wochenende Burkhard Jung, der Olympiabeauftragte Leipzigs. Ohne Kommentar trieb es ihn hinaus aus dem Rathaus. Jung musste seinen Arbeitsplatz räumen angesichts eines Skandals um ungerechtfertigte Provisionszahlungen aus Steuergeldern, die er mit seiner Unterschrift genehmigt hatte. Von Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, der den Politiker einst gefördert hatte und ihn als seinen Nachfolger aufbauen wollte bekam Jung daraufhin ein "Verbot der Amtsausübung" erteilt. Nach dieser Maßnahme muss nun Tiefensee selbst um sein Amt kämpfen - und mit ihm ringt der Sport um die deutsche Kandidatur für Olympia 2012.

Nach den neuerlichen Erschütterungen gibt es bei Politikern und Sportfunktionären Zweifel am Sinn der Bewerbung. Am Wochenende wurde bei der Vollversammlung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) in Leipzig offen über den Rückzug spekuliert.

"Das macht alles keinen Spaß mehr", sagt Dieter Graf Landsberg-Velen. Der 77-Jährige ist einer der erfahrensten Sportpolitiker im Land, doch solchen Kummer hat er selten erlebt. Nun fragt sich der NOK-Vizepräsident: "Was passiert eigentlich noch alles? Ich habe zur Kenntnis genommen, dass hier Leute offen darüber spekulieren, die Reißleine zu ziehen", sagte Landsberg-Velen. Mit diesen "Leuten" war vor allem einer gemeint: Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes.

Richthofen hatte sich am Wochenende öffentlich von der Olympiabewerbung abgesetzt. In Erwartung neuer Enthüllungen durch Medien und Ermittlungsbehörden, die schließlich Leipzigs Oberbürgermeister Tiefensee den Posten kosten könnten, sagte von Richthofen: "Wenn nicht alle Schmuddeleien auf den Tisch kommen, werden wir die Reißleine ziehen." Intern ließ er erkennen, dass er sich eine Leipziger Bewerbung ohne Tiefensee nicht vorstellen könne. Über den Olympiabeauftragten hatte er vor dessen Rückzug gesagt: "Der Jung kann nicht mehr bleiben, der macht uns auch nur Ärger."

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