Dschihad bekennt sich zum gestrigen Bombenanschlag
Barak sieht wenig Chancen für ein Treffen mit Arafat

Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak sieht derzeit offenbar wenig Chancen für ein Treffen mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Das meldete Radio Israel am Freitag unter Berufung auf Quellen im Amt des Regierungschefs.

Reuters/dpa JERUSALEM. Die Regierung werde immer pessimistischer hinsichtlich eines Durchbruchs bei den Nahost-Friedensverhandlungen, weil Arafat bislang keine klare Antwort auf die amerikanischen Vermittlungsvorschläge gegeben habe. Bevor dies nicht geschehen sei, könne es kein Treffen mit Arafat geben, wird Barak von dem Sender zitiert.

Wenn der Nahost-Konflikt gelöst werden könne, dann innerhalb der nächsten drei Wochen und im Rahmen der Eckpunkte, die er in seinem Plan dargelegt habe, sagte Clinton in der Nacht zum Freitag. Davon sei er überzeugt, weil er beiden Seiten "Monat für Monat, insgesamt acht Jahre lang" zugehört habe. Er lobte die israelische Bereitschaft, die bleibenden Differenzen auf dieser Basis zu bereinigen. Nach einem Treffen zwischen Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und Ägyptens Präsident Husni Mubarak hatten die Palästinenser am Donnerstagabend von dem US-Rahmenplan "absolute Klarheit, mehr Einzelheiten und eindeutige Landkarten" in den Streitfragen gefordert. Am Montag soll sich ein Ausschuss der Arabischen Liga mit Clintons Vorschlag befassen.

Peres möchte unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandeln

Der israelische Friedensnobelpreis-Träger und ehemalige Ministerpräsident Schimon Peres äußerte unterdessen die Überzeugung, dass Fortschritte bei den Nahost-Gesprächen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit zustande kämen. "Es gibt keinen anderen Weg als geheim zu verhandeln. In dem Moment, wo die Verhandlungen und möglichen Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen, sind sie gestorben", sagte er der deutschen Zeitschrift "Vivian" in einem vorab veröffentlichten Interview. Geheimverhandlungen hatten 1993 zur Aufnahme der Friedensgespräche geführt.

Gleichzeitig äußerten die Palästinenser Kritik an dem Zeitdruck, den die Amerikaner ausübten. Ein Friedensabkommen dürfe nicht auf diese Weise durchgepeitscht werden, sagte ein palästinensischer Vertreter. In palästinensischen Kreisen wird zudem darüber diskutiert, auf Clintons Nachfolger, George W. Bush, zu warten. Clinton übergibt sein Amt am 20. Januar. In Israel wird am 6. Februar ein neuer Ministerpräsident gewählt. Gegen den noch geschäftsführenden Regierungschef Ehud Barak tritt Scharon als Chef des rechts-konservativen Likud an. Meinungsumfragen geben ihm einen großen Vorsprung vor Barak.

Scharon kritisiert, dass Barak alle Konflikte gleichzeitig lösen wolle

Scharon kritisierte Barak im Wahlkampf dafür, alle Konfliktpunkte mit den Palästinensern gleichzeitig diskutieren und lösen zu wollen, und kündigte an, nach einem Wahlsieg ein "Langzeit-Friedensabkommen" anzustreben. Es solle über mehrere Jahre hinweg umgesetzt werden.

Anlass von Scharons Schreiben an die arabischen Staatschefs war nach offiziellen Angaben das Ende des moslemischen Fastenmonats Ramadan. Es sei das erste Schreiben dieser Art von Scharon an Arafat, sagte ein palästinensischer Vertreter. Scharon war Außenminister der Likud-Regierung, die vor Barak an der Macht war. Er bezeichnete Arafat als "Kriegsverbrecher" und weigerte sich, ihm öffentlich die Hand zu geben. Scharon gilt als Verfechter einer harten Linie gegen die Palästinenser.

Dschihad übernimmt Verantwortung für Bombenanschlag

Die radikal-islamische Untergrundorganisation Islamischer Dschihad bekannte sich unterdessen in einem Schreiben zu dem Anschlag auf israelische Grenzpolizisten, bei dem am Donnerstag zwei Israelis ums Leben gekommen waren. Für den kurz davor verübten Anschlag auf einen Linienbus in Tel Aviv hatten die "Saladin-Brigaden" die Verantwortung übernommen. Die Brigaden verübten ihren ersten Anschlag Ende Oktober in Ost-Jerusalem. Damals kamen zwei Wachleute ums Leben. Bei dem Bus-Anschlag wurden 14 Menschen verletzt. Mit den Todesopfern von Donnerstag erhöhte sich die Zahl der bei dem seit drei Monaten anhaltenden Palästinenser-Aufstand Getöteten auf 345.

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