DSW fordert mehr Transparenz
Vorstände kassieren unverhältnismäßig ab

Die Vorstandsgehälter deutscher Spitzenmanager sind einer Studie zufolge oft nicht angemessen an die Ergebnisentwicklung ihrer Unternehmen gekoppelt.

rtr/dpa BERLIN. "Die Gehälter der Vorstände in Deutschland sind zwar im internationalen Vergleich angemessen und längst nicht so hoch wie etwa in England oder den USA," sagte am Donnerstag in Berlin der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker. Im Verhältnis zur Ergebnisentwicklung der einzelnen Unternehmen seien die Anpassungen der Vorstandsbezüge aber oft nicht angemessen und zu hoch.

Als Beispiel nannte Hocker die Deutsche Telekom, wo die durchschnittliche Vorstandsvergütung nach DSW-Schätzungen von 2000 bis 2001 um etwa 50 Prozent gestiegen sei, während das Ergebnis je Telekom-Aktie aber gleichzeitig um gut 95 Prozent eingebrochen sei. Explizite Kritik äußerte die DSW auch an den Vorstandsgehältern bei der Deutschen Bank und Fresenius Medical Care. Die genannten Unternehmen hätten auch im Hinblick auf die Transparenz ihrer Informationen nicht gut abgeschnitten, sagte DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher.

Bei einem Großteil der Dax 30-Unternehmen sei kein direktes Verhältnis zwischen der Kennzahlen-Entwicklung und der Veränderung der Vorstandsvergütungen festgestellt werden können. Der DSW hält einen Anteil der variablen Vergütungen von mindestens 60 % für empfehlenswert. "Nicht nur der Aktionär, sondern auch der Manager soll im eigenen Portemonnaie spüren, wenn es dem Unternehmen schlechter geht", hieß es. "Wir sehen daher dringenden Handlungsbedarf", sagte Hocker. Er forderte mehr Transparenz und Information für die Aktionäre über die Vorstandsgehälter und Obergrenzen etwa bei Aktienoptionsprogrammen, Prämien oder Tantiemen.

In einer persönlichen Befragung hatte die DSW die durchschnittliche Vergütung der Vorstände der Dax-Unternehmen für die Jahre 2000 und 2001 unter die Lupe genommen und mit den Veränderungen wichtiger Kennzahlen wie Ergebnis je Aktie und Dividende im gleichen Zeitraum verglichen. 29 der 30 Unternehmen hätten geantwortet, allerdings mit unterschiedlicher Qualität, sagte Benner-Heinacher. Bei 40 % seien die Antworten ohne wesentliche Aussagen gewesen.

Der Studie zufolge sanken die durchschnittlichen Vorstandsbezüge 2001 auf 1,36 Millionen Euro von 1,65 Millionen Euro im Jahr 2000. Spitzenverdiener sind nach der DSW-Liste die Vorstände der Deutschen Bank. Pro Vorstand wurden danach im Jahr 2000 im Schnitt 7,95 Mill. ? und im folgenden Jahr 6,62 Mill. ? gezahlt. Ohne diese auch für den Dax außergewöhnlich hohe Vergütung hätten die durchschnittlichen Gehälter der Vorstände bei 1,4 Mill. ? gelegen und seien 2001 auf 1,1 Mill. ? 2001 zurückgegangen. Dabei sind die Unterschiede im Jahr 2001 sehr groß: Schlusslicht in der Rangliste der 30 Unternehmen waren demzufolge die Topmanager von Infineon mit Gehältern von je etwa 233 000 Euro. Die Vorstandsmitglieder des Münchner Chipkonzern hatten noch im Jahr 2000 den Schätzungen zufolge mit durchschnittlich 5,7 Millionen Euro das zweitgrößte Gehalt verdient. Auf einen VW-Vorstand entfallen dagegen mehr als 2 Mill. ?.

In einem sehr guten Verhältnis stand die Entwicklung des Ergebnisses und der Vorstandsgehälter nach Auffassung der DSW bei BMW, der Deutschen Post, Henkel, Hypo-Vereinsbank, RWE und SAP.

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