DSW: Staatsanwaltschaft soll Bilanz-Verschleierung prüfen
Mehrere Strafanzeigen gegen EM.TV-Management gestellt

Am Freitag gingen vier Strafanzeigen gegen das Management des krisengeschüttelten Medienunternehmens ein. Nach Medienberichten drohen EM.TV zu Jahresanfang weitere Millionenverluste.

afp MÜNCHEN. Die Luft für EM.TV-Chef Thomas Haffa wird zunehmend dünner. Wie die Staatsanwaltschaft am Landgericht München mitteilte, gingen am Freitag vier Strafanzeigen gegen das Management des krisengeschüttelten Medienunternehmens ein. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) als eine der Antragsstellerinnen begründete den Schritt mit der Befürchtung, "dass im Rahmen der Geschäftsführung der EM.TV die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens mehrfach seitens der Führungskräfte verschleiert wurden". Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtete unterdessen, der angeschlagenen Medienfirma drohten zu Jahresanfang weitere Millionenverluste. Der hoch verschuldete Filmrechtehändler EM.TV hatte am Montag Notverkäufe und den Einstieg der Kirch-Gruppe bekannt gegeben, um sein Überleben zu sichern.

Die Düsseldorfer Schutzvereinigung wirft dem EM.TV-Management vor, noch bis Mitte November an dem vorhergesagten Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe von 600 Mill. DM und einem voraussichtlichen Umsatz von 1,6 Mrd. DM festgehalten zu haben. Nur zwei Wochen später seien diese öffentlichen Aussagen von Vorstandsmitgliedern jedoch durch eine nachbörsliche Gewinnwarnung korrigiert worden.

Unseriöses Berichtswesen?

DSW-Geschäftsführungsmitglied Jörg Pluta sagte der Nachrichtenagentur AFP, er könne verstehen, wenn sich Unternehmensvertreter "mal um einige Millionen irren. Wenn man sich innerhalb von zwei Wochen aber um 500 Millionen verhaut, darf das nicht sein." Jedes seriöse Unternehmen habe "ein Berichtswesen, wo wöchentlich die Ertrags- und Umsatzentwicklung zu sehen ist". Die Staatsanwaltschaft müsse nun prüfen, "inwieweit den Mitgliedern des Vorstandes und des Aufsichtsrates die Umsatz- und Ertragslage des Unternehmens bekannt war und bewusst falsch dargestellt wurde". Die DSW-Anzeige richte sich gegen Unbekannt.

Vorsatz dürfte schwer nachzuweisen sein

Die DSW beruft sich bei ihrer Strafanzeige auf Paragraf 400 des Aktiengesetzes. Darin werden Unternehmensvertreter zu wahrheitsgemäßen Angaben über die finanzielle Situation ihrer Firma verpflichtet. Bei groben Verstößen drohen bis zu drei Jahre Haft, ansonsten Geldstrafe. Deren Höhe richtet sich nach der Einkommenslage des Betroffenen und kann sich theoretisch auch auf eine Millionensumme belaufen. Schwer nachzuweisen ist allerdings der vom Gesetz geforderte Vorsatz. An dieser Hürde sind bislang viele Verfahren gescheitert. Pluta zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass es im Fall EM.TV zu einem klaren Nachweis kommen wird. "Das ist einer der Fälle, der glatt durchgehen müsste."

Haffas Bruder Florian hatte sich am Montag vollständig aus der EM. TV-Führung zurückgezogen. Dort hatte er bis dahin noch den Posten des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden inne. Schon im Oktober hatte er sein Amt als Finanzvorstand aufgegeben, weil er Buchungsfehler einräumen und die Halbjahresbilanz des Unternehmens korrigieren musste.

Rückabwicklung der TMG eine zusätzliche Millionenlast

Nach Angaben der "FTD" wird die gleichfalls am Montag angekündigte Rückabwicklung der Anteile an der Tele-München-Gruppe (TMG) zu einem Verlustgeschäft werden. Die zu erwartende Finanzbelastung in Millionenhöhe werde erst 2001 zum Tragen kommen. Zudem drohe eine Gewinnwarnung für TMG, mit der sich die Bilanz von EM.TV weiter verschlechtern dürfte, meldete das Blatt.

Die EM.TV-Aktie bewegte sich nach den dramatischen Kursverlusten der vergangenen Wochen am Freitag trotz Wertzuwächsen weiter unter einem Wert von acht Euro. Im Frühjahr hatte das EM.TV-Papier noch einen Wert von 120 Euro gehabt.

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