DSW: Wirtschaftsprüfer genauer unter die Lupe nehmen
Aktionärsschützer nennen die größten Kapitalvernichter

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rechnet in diesem Jahr mit mehr Insolvenzen börsennotierter Unternehmen als 2001. "Das dicke Ende kommt erst noch", sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker am Donnerstag in Berlin.

vwd/dpa BERLIN. Kaufring bei den Standard-Werten und Brokat bei den am Neuen Markt gehandelten Aktien führen in diesem Jahr die so genannte DSW "Watchlist" 2002 der größten Kapitalvernichter an der Börse an. Brokat weist für die beiden letzten Jahre eine negative Performance von 96,1 % p.a. auf, es folgen Kinowelt mit 94,1 % und Micrologica mit 92,9 %. Bei den Standard-Werten erreichte Kaufring über fünf Jahre eine negative Performance von 56,0 % p.a., knapp dahinter folgen Plettac und Herlitz . Im vergangenen Jahr war die DSW-Watchliste von Stolberger Telecom vor Steucon und Plettac angeführt worden.

Bei den Neue Markt-Titeln hatte 2001 Infomatec den Spitzenplatz vor Teles und Micrologica. In die Gesamtbewertung fließen bei den Standard-Werten die 50-Jahres-Performance mit 50 %, die Drei-Jahres-Performance mit 30 % und die Ein-Jahres-Performance mit 20 % ein. Für Neue Markt-Aktien wird die Zwei-Jahres-Performance mit 70 % und die Ein-Jahres-Performance mit 30 % berücksichtig. Fast 90 % der 178 Neue Markt-Aktien, die seit mindestens zwei Jahren gelistet sind, verbuchten Kursverluste.

Börsengang nur bei positivem Cash flow

Den Gang an die Börse sollten einzig und allein jene Unternehmen wagen, die erfolgreich sind und zumindest über einen positiven Cash flow verfügen. Für alle anderen Gesellschaften sei die Börse nicht das geeignete Umfeld, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, am Donnerstag in Berlin. Bei der Vorlage der DSW-Watchliste 2002 forderte Hocker den Gesetzgeber auf, die direkte Schadenersatzklage gegen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder börsennotierter Unternehmen für vorsätzliche oder grob fahrlässige Falschinformationen über die Gesellschaft zu regeln.

Auch die Arbeit der Wirtschaftsprüfer (WP) sollte genauer unter die Lupe genommen werden, sagte Hocker. Die Doppelfunktion der WP-Gesellschaften als Berater und Prüfer sollte gesetzlich ausgeschlossen werden. Außerdem sollte die gegenseitige Kontrolle der WP-Gesellschaften in Form der sogenannten Peer Reviews nicht unter Ausschluss der Öfffentlichkeit durchgeführt werden.

Dividende ist ein "untrügliches Zeichen"

Angesichts dieser Entwicklung forderte die DSW Privatanleger auf, geplante Aktienkäufe künftig noch genauer zu überprüfen. Dies gelte vor allem für die Spitzenreiter auf der Negativliste der Schutzvereinigung. "Niemand sollte sich darauf einlassen, bei am Boden liegenden Werten zu zocken", warnte Malte Diesselhorst vom DSW-Landesverband Berlin.

Für Aktienkäufe empfahlen die Experten "nur jene Unternehmen, die mit ihrer Geschäftsidee auch wirklich einen Markt gefunden haben und entprechend auch Geld verdienen." Dafür lohne es sich, auch auf die Dividende zu schauen, betonte Hocker. "Eine Dividende ist das untrügliche Zeichen des Geldverdienens."

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