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DTB-Chef Waldenfels geht von Bord

Hamburg (dpa) - Georg von Waldenfels bereitet seinen Abgang als Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB) im kommenden Jahr vor. «Der Verband muss hauptamtlich geführt werden. Dafür aber stehe ich nicht zur Verfügung», sagte der Jurist aus München.

Frustriert musste Waldenfels, dessen Amtszeit im September 2005 endet, eingestehen: «Wir haben es noch immer nicht geschafft, für den Rothenbaum einen Titelsponsor zu finden.» Das aber kann sich der bettelarme Verband nicht leisten. Denn auch die German Open der Damen in Berlin machen mit 600 000 Euro in etwa so viel Verlust wie das Masters im Hamburger DTB-Stadion.

«Als Präsident eines gemeinnützigen Verbandes kann ich das vor den Mitgliedern nicht rechtfertigen», sagte von Waldenfels. Mit dem Verkauf des Turniers für veranschlagte zehn Millionen Euro wäre er alle Sorgen los - der DTB aber auch das einzige Überbleibsel aus der glorreichen Zeit der Graf, Becker und Stich, in der viele Millionen verprasst wurden.

«Hamburg und die Wirtschaft müssen sich entscheiden, ob sie das Turnier wollen», erneuerte Waldenfels seinen Appell, der trotz Klinkenputzens bei Großunternehmen wie Beiersdorf, Tchibo oder Otto-Versand ungehört blieb. Nur die Bürger hätten sich wieder für den Rothenbaum entschieden: «Sie haben mit den Füßen abgestimmt, indem sie hierher gekommen sind.»

Trotz Kälte und frühen Ausscheidens der deutschen Spieler kamen die Zuschauer in Scharen. «Insgesamt sind wir beim Ticketverkauf 20 Prozent über dem Rekord vom Vorjahr», sagte Boris Becker, der im dpa-Interview ankündigte, auch 2005 Chairman zu bleiben. «Man geht wieder zum Rothenbaum; das Turnier wird überleben.»

Daran will auch Waldenfels glauben: «Es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn es nicht klappt.» Bis Ende Juni muss der DTB bei der Profispieler-Gewerkschaft ATP eine Garantieerklärung für 2005 abgeben. Doch ohne die Wirtschaft und den Senat gehe es nicht. Da nutze auch die Zuversicht nichts, die Bürgermeister Ole von Beust mit seiner Vision vom Umzug in ein Sportzentrum im Volkspark schürt. Zu fragil ist die finanzielle Substanz des DTB, der seine Rücklagen aufgebraucht hat und nicht einen Cent Kredit mehr erwarten darf.

Ein Glück nur für den Verband, treue Freunde beim Fernsehen zu haben. «Wir mühen uns redlich, aber der Erfolg lässt zu wünschen übrig», meinte NDR-Sportchef Gerhard Delling, der wie Premiere und das DSF mit der Quote nur leidlich zufrieden sein konnte.

Der kreisende Pleitegeier bekommt aber noch von ganz anderer Seite Nahrung. «Es gibt natürlich immer ein paar Zündler, die - warum auch immer - nicht zufrieden sind», erzählte Becker. Die Kritik von Michael Stich, Becker habe am Rothenbaum nichts bewegt, konterte der Chairman: «Er ist seit zwei Jahren eingeladen, hier mitzuwirken. Das Angebot gilt weiter. Wenn er was bringt, ist er herzlich willkommen.» Seinen Optimismus lasse er sich nicht nehmen: «Ich bin hier mit viel Herzblut dabei und freue mich schon auf nächstes Jahr.»

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