DTB-Präsident: "Vorgeschobene Gründe"
DTB setzt Stich vor die Tür

Michael Stich wird das deutsche Daviscup-Team bereits gegen Venezuela nicht mehr betreuen. Wie der Deutsche Tennis Bund (DTB) am Montag in Ettlingen mitteilte, soll der ehemalige Daviscup-Spieler und jetzige DTB-Trainer Patrick Kühnen kommissarisch als Kapitän fungieren.

HB ETTLINGEN. "Ich sehe keinen Sinn darin, dass Michael Stich gegen Venezuela auf der Bank sitzt, da das Vertrauensverhältnis zur Mannschaft und zum DTB nachhaltig gestört ist", begründete Verbandspräsident Georg von Waldenfels die Beurlaubung.

Michael Stich hatte zuvor angekündigt, mit dem Abstiegsspiel gegen Venezuela nach nur neunmonatiger Amtszeit sein Engagement als deutscher Daviscup-Kapitän zu beenden. Der 33-Jährige wollte diesen Schritt am Montag auf einer Pressekonferenz im badischen Ettlingen erläutern und außerdem das DTB-Aufgebot für die Partie vom 20. bis 22. September in Karlsruhe bekannt geben.

Stich hatte geplant, Boris Becker für das Doppel zu reaktivieren, war damit aber auf den Widerstand der Spitzenspieler Thomas Haas und Rainer Schüttler gestoßen. Beide hatten angekündigt, in diesem Fall eventuell nicht spielen zu wollen. In einer vorab verbreiteten Erklärung, die in seinem Hamburger Büro am Montag vorlag, schrieb Stich dazu: "Diese Aussage stellt sich für mich als eine eindeutige Beschneidung meiner Kompetenz als DTB-Teamchef dar und ist daher für mich in keiner Weise akzeptabel."

Der Wimbledonsieger von 1991 betonte, er habe am Rande der US Open mehrfach versucht, mit den Spielern über einen Einsatz von Becker ins Gespräch zu kommen, weder von Haas noch von Schüttler aber eine Antwort erhalten. Er habe leider erfahren, dass er weder von den Spielern noch vom Deutschen Tennis Bund (DTB) ein großes Maß an Unterstützung erhalten habe, beklagte Stich. "Es ist oft bei Lippenbekenntnissen geblieben, denen keine Taten folgten. Ich habe bis zum heutigen Tag vom DTB kein ernsthaftes Feedback auf mein Konzept erhalten, das ich im Mai vorgestellt habe."

DTB-Präsident Georg von Waldenfels wies dies zurück. Der Verband habe den Olympiasieger von 1992 im Doppel mehrfach eingeladen, um über seine Vorstellungen zu diskutieren. "Stich hat alle Sitzungen abgesagt und ist nicht erschienen", sagte Waldenfels am Montag und sprach von "vorgeschobenen Gründen" für den Rückzug von Stich.

Auch der ehemalige bayerische Finanzminister von Waldenfels hatte sich nicht sehr angetan von Beckers Rückkehr gezeigt. Die Idee dazu war am Rande eines Schaukampfes zwischen Becker und Stich am 25. August in Berlin entstanden, den zwei Mill. Zuschauer im Fernsehen verfolgt hatten. Stich räumte wie zuvor schon Becker ein, der Wunsch nach einem Comeback des dreimaligen Wimbledonsiegers sei "indirekt" auch vom Fernsehen geäußert worden.

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