Duell der Fußball-Welten
Juve verspricht Reals Künstlern „harten Kampf“

Solide Facharbeiter-Truppe gegen launiges Künstler-Ensemble: Im Duell der Fußball-Welten wittert Juventus Turin gegen Titelverteidiger Real Madrid die Riesenchance zum Einzug ins Champions-League-Finale. Denn trotz des 2:1-Hinspielsiegs und des sich überraschend abzeichnenden Ronaldo-Comebacks ist Real nach den Rückschlägen in der Primera Division verunsichert. Dagegen strotzt der frisch gebackene Meister aus Italien nur so vor Selbstvertrauen.

HB/dpa TURIN. "Das Halbfinale wird eine Schlacht, aber wir fahren nach Manchester", kündigte Juves Abwehrrecke Paolo Montero den Spaniern einen "harten Kampf" an. Vielmehr "eine Fußball-Gala" wünschen sich hingegen Madrids Filigrantechniker um den Ex-Turiner Zinedine Zidane, die im Sturm nun wohl doch auf Superstar Ronaldo setzen können. "Ich glaube, dass ich spielen kann", machte der Weltmeister den Real-Fans nach überstandener Wadenzerrung neuen Mut.

Das Duell der "Königlichen" aus Madrid und der "Großen Alten Dame" aus Turin sehen die Italiener als Gipfeltreffen des europäischen Fußball-Adels an; als ein Duell der besten Einzelspieler gegen die beste Mannschaft. "Wir alle haben Schmetterlinge im Bauch", gestand "La Gazzetta dello Sport". Für "As" reist Real sogar in "höherer Mission" nach Turin: "Madrid muss die Wiedergeburt des hässlichen italienischen Catenaccio stoppen", giftete das spanische Sport-Blatt.

Unbeeindruckt setzt Juve-Trainer Marcello Lippi dennoch auf eine starke Abwehr - und auf Konter. "Lasst euch nicht hinreißen", warnte der Mann mit dem Zigarillo vor zu viel Offensive. Seit dem vorzeitig erkämpften 27. Meistertitel sind die Turiner Lippi zu enthusiastisch: "Wir haben keine Angst vor Real", brüstete sich sogar der sonst so zurückhaltende Mittelfeldmotor Pavel Nedved. Und Kapitän Alessandro del Piero träumt nach den Niederlagen gegen Borussia Dortmund (1997) und Real Madrid (1998) sowie dem Triumph 1996 gegen Ajax Amsterdam schon von seinem vierten Champions-League-Finale.

Bei so viel Siegessicherheit tritt Lippi auf die Bremse. "Wir dürfen kein Tor kassieren", mahnte Italiens erfolgreichster Coach der letzten zehn Jahre. Bei einem Gegentreffer müsste Juve immerhin drei Tore machen. Und so wacklig wird Reals Abwehr trotz Claude Makeleles Fehlen (Muskelfaserriss) wohl nicht sein. Dennoch macht die Defensive den Madrilenen Sorgen. "El Pais" will im offenbar doch nicht ganz so geheimen Geheimtraining von Vincente Del Bosque gar eine "Revolution" entdeckt haben: Real plane eine völlig neue Fünfer-Abwehrkette.

Juve setzt dagegen auf Altbewährtes: Ohne die gesperrten Ferrara und Iuliano baut Lippi auf seine Defensiv-Routiniers um die Zentral- Verteidiger Igor Tudor und Montero. "Auf die ist Verlass. Die spielen auch noch mit Krücken", meinte Lippi. Stürmen sollen wieder Del Piero und der Hinspiel-Torschütze David Trezeguet. Einen Überraschungs- Joker hat Turin, das nach der Tötung eines Juve-Fans bei den Meisterfeiern mit Trauerflor spielen wird, nicht in der Hinterhand.

Real dagegen kann pokern. Nach seiner Blinddarm-Operation kommt zunächst Raul zurück. "Er wird einen möglichen Ausfall von Ronaldo wettmachen", sagt Real-Generaldirektor Jorge Valdano. Noch vor zwei Tagen gaben die Ärzte Ronaldo keine Chance, nun reiste er mit. Ob Del Bosque den Brasilianer wirklich bringen wird oder nur Unruhe im Juve- Lager stiften will, bleibt bis zum Anpfiff sein Geheimnis. "Ich rechne mit Ronaldo", betonte Lippi. Die Fans samt Ehrengast Diego Maradona würden den Ex-Inter-Star gern sehen, sofern er das Gesetz der Serie nicht durchbricht. In seiner langen Europacup-Geschichte hat Juve bislang jedes Hinspiel-1:2 noch in einen Sieg umgewandelt.

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