Duell oder „Dreamteam“
Clintons Sieg ruiniert Pläne der Strategen

Der Durchmarsch von Barack Obama ist gestoppt. Nun muss er sich sogar gefallen lassen, dass eine wieder vor Optimismus strotzende Hillary Clinton ihm frech die Vizepräsidentschaft anbietet. Doch wie lange können sich die Demokraten den aufreibenden Zweikampf noch leisten? Wie die Entscheidung fallen könnte.

WASHINGTON. Nach zehn langen Vorwahlwochen steht das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur wieder an seinem Anfang: Mit ihren Siegen in Ohio, Texas und Rhode Island hat sich Hillary Clinton so nachdrücklich zurückgemeldet, dass sie auf eine Fortsetzung des Wettbewerbs mit Barack Obama pochen kann. Gegen vielerlei Erwartungen hat die Senatorin aus New York das große Momentum, das Obama wie auf einer Welle von Sieg zu Sieg trug, gestoppt.

Um exakt diesen Schwung geht es bei der Konkurrenz im demokratischen Lager. Denn allein durch Siege lässt sich diese Auseinandersetzung nicht mehr entscheiden. Selbst wenn nur noch einer der beiden Kandidaten ab jetzt sämtliche ausstehenden Vorwahlen mit jeweils zehn Prozent Vorsprung gewinnen würde – die Mehrheit der gewählten Delegierten für den Parteitag Ende August in Denver bliebe unerreichbar. Eine Entscheidung zwischen Hillary Clinton und Barack Obama kann nur noch auf zweierlei Weise fallen: Entweder einer von beiden steigt aus dem Rennen aus. Oder aber die Gunst der viel umworbenen Super-Delegierten gibt am Ende den Ausschlag.

Und für die ist das Momentum die vielleicht wichtigste Orientierungsgröße. Denn die knapp 800 Super-Delegierten, die nicht gewählt, sondern für den Parteitag ernannt werden, sind völlig frei darin, wem sie am Ende ihre Stimme geben. In den letzten Wochen hatte es in dieser volatilen Gruppe bereits einen deutlichen Trend hin zu Obama gegeben. In der Hillary-Kampagne war man sich deshalb klar, dass diese Bewegung nur mit Siegen gestoppt werden konnte. Ansonsten wäre aus dem Trend schnell eine Massenflucht geworden.

Das Ziel dieser Woche bestand darin, bei den Super-Delegierten genügend Zweifel zu säen, ob ihre Hinwendung zu Obama auch tatsächlich dem Willen der US-Demokraten entsprach. Dieses Ziel wurde mit den Erfolgen der vorletzten Nacht erreicht. Den Abstand auf Obama in der „popular vote“, den absoluten Stimmen, hat Hillary verkürzt, und sie kann dies als Argument nutzen. Für Barbara Kellerman von der Harvard Kennedy School ist dieser Effekt nicht zu unterschätzen: „Die Leute schauen vor allem darauf, was die anderen machen.“

Bis zum nächsten Schlüsseltest am 22. April in Pennsylvania wird das Team von Hillary Clinton nun versuchen, diese Zweifel an der Qualifikation des schwarzen Senators aus Illinois noch zu verstärken. Die vergangenen Wochen haben dabei schon einmal die Richtung vorgegeben. So hatte sich Clinton in Wahlspots als jene Bewerberin dargestellt, die dann, wenn es darauf ankommt, die nötige Führungskraft besitzt. „Wer ist an Bord, wenn morgens um 3 Uhr das rote Telefon klingelt?“ fragte sie in einem 30-Sekunden-Clip. Die unterschwellige Botschaft: Barack Obama ist dies nicht.

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