Dünne Displays sollen Papier ersetzen
Philips kooperiert bei elektronischer Zeitung mit E-Ink

Forscher haben die elektronische Zeitung im Visier: Informationen werden unterwegs aus dem Internet geladen und auf einem faltbaren Display dargestellt. An der Realisierung dieser Idee arbeiten verschiedene Firmen weltweit. Durch eine Kooperation mit E-Ink hat sich jetzt auch Philips den Zugang zu der Technik gesichert.

DÜSSELDORF. Noch ist das elektronische Papier Vision. Doch weltweit arbeiten Firmen mit Hochdruck an der Entwicklung dieser dünnen, faltbaren Computerdisplays. Der niederländische Konzern Philips hat sich jetzt den Zugang der Technologie gesichert und eine Kooperation mit dem amerikanischen Startup-Unternehmen E-Ink eingefädelt. Der Vertrag mit E-Ink sieht vor, dass Philips Components als Marktführer im LCD-Bereich die Rechte für die Vermarktung der entwickelten Produkte erhält.

Im Gegenzug haben sich Philips Components und Philips Venture Capital bereit erklärt, E-Ink im Rahmen der technischen Entwicklung des E-Papers finanziell zu unterstützen. "Unsere Investition in E-Ink ist ein Teil unserer Strategie, mit einem breiten Portfolio anwendungsspezifischer Displays auf dem Markt vertreten zu sein", begründet Matt Medeiros, Präsident und CEO von Philips Components den Schritt.

Vor knapp zwei Jahren - etwa zeitgleich mit dem amerikanischen Spezialisten für das elektronische Publizieren Xerox - war es E-Ink gelungen, die grundlegenden Technologien für das digitale Papier zu entwickeln. Diese auch als E-Paper bezeichnete Innovation kommt als nahezu perfektes Hybrid daher: Es fühlt sich an wie Papier, liegt in der Hand wie ein Zeitungsblatt und ist dennoch ein superdünnes elektronisches Display.

E-Ink schaffte den Etappensieg

Den ersten Etappensieg auf dem Weg zum digitalen Papier errang E-Ink im vergangenen Jahr. So hatte das junge High-Tech-Unternehmen, an dem auch der Netzwerk-Spezialist Lucent, der Handy-Riese Motorola sowie die deutsche Veba AG über ihre Tochter Creavis beteiligt sind, den Vorläufer eines elektronischen Papiers auf den Markt gebracht. Unter dem Namen "Immedia" wird die Technik inzwischen für großflächige Hinweisschilder und Werbetafeln der amerikanischen Drogeriemarktkette J. C. Penney eingesetzt. Das Besondere: Die Daten werden von einem Zentralrechner geladen. Einmal mit neuem Inhalt gefüllt, verbrauchen die Displays keine Energie.

Aber auch die Konkurrenz hat beim digitalen Papier ihre Hausaufgaben gemacht. Um die Entwicklung von E-Paper zur Marktreife voranzutreiben, hat sich Mitstreiter Xerox mit dem Technologiekonzern 3M zusammengeschlossen. "Wir stellen für Xerox die Spezialfolien her", bringt Manfred Kremer, Sprecher der 3M Deutschland GmbH, die Kooperation auf den Punkt.

Die Technologien zur Herstellung von digitalem Papier befinden sich allerdings noch in der Grundlagenforschung. So untersucht beispielsweise Agfa in Belgien, inwieweit leitfähige Polymere das Material der Wahl sein könnten. Eine andere Methode, die zurzeit am MIT in Massachusetts verfolgt wird, geht von den bewährten Flüssigkristall-Anzeigen (LCD) aus, die auf ein superschlankes Format getrimmt werden. Werner Becker von der Liquid Crystals Division der Darmstädter Merck KGaA glaubt jedoch nicht an einen raschen Erfolg. "Die Ansteuerspannungen sind dafür einfach noch zu hoch", räumt Becker ein.

In den Autolack integrierte Anzeige

Sicher ist indessen, dass den Proberollen von Xerox und den Anzeigetafeln von E-Ink bald elektronische Bücher folgen werden. Diese sind im Prinzip zwar bereits auf dem Markt, erinnern aber in der ersten Generation mehr an einen Mini-PC als an die Gutenberg-Bibel. Immerhin entwickeln Unternehmen wie Adobe, MightyWords, Everybook, Glassbook, Gemstars Softbook und NuovaMedia bereits Lesegeräte und die dazugehörige Software für E-Books in der Hoffnung, dass diese sich als freundliches und alltägliches Medium genauso durchsetzen wie Papierbücher. Selbst Microsoft ist mit dem Reader 1.0 auf den Zug aufgesprungen - einem Lesegerät, das in Eigenregie entwickelt wurde.

E-Books der zweiten Generation sollen hingegen gewöhnlichen Büchern zum Verwechseln ähnlich sein. In ihnen kann der Leser ganz normal blättern, wobei das digitale Papier sogar Eselsohren verkraften soll. Angaben von E-Ink zufolge will das Unternehmen innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre mit elektronischen Büchern auf dem Markt sein und auch Zubehör wie Smart Cards anbieten.

Wohin die Reise in etwa zehn Jahren gehen wird, lässt sich noch nicht mit Sicherheit vorhersagen. Friedrich Georg Schmidt, der als Projektleiter bei Creavis mit E-Ink zusammenarbeitet, sieht in der Formenvielfalt und beliebigen Größe des digitalen Papiers ein großes Zukunftspotenzial. Wer es mag, könne beispielsweise eine Anzeige in den Autolack integrieren oder sein heimisches Rollo zum Bildschirm umfunktionieren.

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