Düstere Aussichten
T-Aktie auf dem Weg zum Emissionspreis von 1996

Nur wenige Wochen vor dem fünften Jahrestag ihrer Erstnotiz könnte sich die Aktie der Deutschen Telekom nach Einschätzung von Analysten ihrem damaligen Emissionspreis von umgerechnet rund 14,50 Euro wieder annähern. Allein in dieser Woche büßte die Volksaktie mehr als 15 % ihres Kurses ein, was einer rechnerischen Aufzehrung des Firmenwertes von gut 15 Mrd. Euro - also fast dem Bruttosozialprodukt Kasachstans - entspricht. Damit beschleunigte die T-Aktie ihren dramatischen Kursverfall von mehr als 80 % zum Höchstkurses von fast 105 Euro im vergangenen Frühjahr.

Reuters FRANKFURT. Am Freitag durchbrach der Kurs erneut die psychologisch wichtige Marke von 20 Euro und sank auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Als nächsten Prüfstand sehen Aktienexperten die Marke von 16 Euro. Zu 28,50 DM beziehungsweise 28,00 DM für private Frühzeichner war die Aktie im November 1996 an die Börse gebracht worden. Weitere Tranchen zu je 37,50 Euro beziehungsweise 39,50 Euro sowie 63,50 Euro und 66,50 Euro folgten 1999 und 2000.

Unter anderem hohe Kosten für den Erwerb der Lizenz des neuen Mobilfunkstandards UMTS und für die Übernahme der US-Firma VoiceStream sowie Unsicherheiten über Korrekturen bei der Bilanzierung von Immobilien lösten den Kurssturz der T-Aktie aus. Jetzt schwebt über dem Titel ein neues Damokles-Schwert: Das Unternehmen bezahlte einen Teil von VoiceStream mit eigenen Aktien, die in den kommenden Wochen an die Börsen zurückfließen könnten. Bereits der Kurssturz in dieser Woche wurde vermutlich durch die Platzierung von Papieren aus diesem Deal ausgelöst: die Deutsche Bank verkaufte im Auftrag eines nicht genannten Investors 44 Mill. T-Aktien zum Preis von je 23,60 Euro.

Ende dieses Monats läuft eine Haltefrist für Anteilspakte aus dem VoiceStream-Geschäft aus, und die Nerven an der Börse liegen blank: Fluchtartig verlassen Anleger das Papier. Das Erreichen so genannter "Stop-Losses" - also vorher festgesetzter Verkaufsmarken zur Eingrenzung von Kursverlusten - zieht die T-Aktie immer tiefer in den Keller. Von vorne herein war erwartet worden, dass zumindest ein Teil der zur Bezahlung von VoiceStream eingesetzten T-Aktien wieder in den Markt zurückfließen würde. Bis zu 240 Mill. Aktien des Bonner Konzerns könnten Analysten zufolge schon bald den Markt überschwemmen. Am 1. Dezember läuft eine weitere Haltefrist für große Aktienpakete aus.

"Es kommt alles von außen"

"Es kommt alles von außen", begründete Josef Scarfone, Fondsmanager bei Frankfurt Trust den derzeitigen Druck auf der T-Aktie. "Die Deutsche Telekom ist in keiner Lage, irgendwas zu tun", fügte er mit Verweis auf den drohenden Rückfluss von Papieren aus der VoiceStream-Übernahme hinzu. Der Konzern sei beinahe machtlos. Er könne allenfalls versuchen, die Kontrolle über den Rückfluss zu gewinnen. So könnten die Titel beispielsweise "geparkt" werden, damit es einen sanften Rückstrom der Aktien gibt.

Mit Blick auf die jüngsten Verluste der Telekom und den weiteren Aussichten für das Papier sagte ein Händler: "Das ist ein Roulette-Spiel, da eine seriöse Prognose abzugeben, ist schwer. Jedefalls hat der Wert charttechnisch ein neues Low erreicht und zwar signifikant." Auch er schloss nicht aus, dass der einstige Börsenstar fast bis auf seine Ausgangsniveau zurückfallen könnte: "16 bis 17 Euro, das sind die nächsten Marken, die man sich aber anschauen sollte bei den Aktien."


T-Aktie - Intraday-Chart

Private und professionelle Telekom-Aktionäre müssen unterdessen zu sehen, wie ihr Investment immer weiter dahin schmilzt. "Das ist ein Wert, der ganz deutlich macht, wie gefährlich es ist, in ein fallendes Messer zu greifen", sagte Ludwig Gutmann, Analyst bei der Bayerischen Landesbank. "Ich glaube, das Hauptproblem ist, dass sich viele Anleger immer noch an den Höchstkursen von über 100 Euro orientieren und sich jetzt sagen, dass der Wert wieder steigen muss, nachdem er sich gefünftelt hat. Es ist einfach keine Bodenbildung bei der Aktie zu sehen." Nachdem der Titel einige Zeit um 23 Euro dümpelte, sei er jetzt offenbar tendenziell eher auf dem Weg in Richtung seines ursprünglichen Emissionspreises.

Charttechniker sehen rot

Charttechniker zeichneten ein düsteres Bild für den weiteren Kursverlauf. Aus technischer Sicht gäbe es zur Zeit keinerlei Unterstützungslinien mehr, sagte Dietmar Rübsamen, Analyst bei Delbrück Asset. Die Papiere befänden sich "im freien Fall" und es sei ein Trugschluss zu glauben, man könne jetzt günstig einsteigen. "Wir empfehlen allen unseren Kunden auf keinen Fall in das "fallende Messer" zu greifen. Ein Signal zum Einstieg sei kurzfristig erst wieder bei einem Kurs von 21,25 und langfristig bei 23,05 gegeben.


Umfrage:


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Wird die Deutsche Telekom-Aktie in diesem Jahr wieder die 30 Euro-Marke erreichen?

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