Düstere Lage
Swissair-Debakel bringt LTU in neue Schwierigkeiten

Auf seinem geplanten Rückflug in die Gewinnzone gerät der Düsseldorfer Ferienflieger LTU in immer neue Turbulenzen. Kündigte LTU-Chef Sten Daugaard noch vor wenigen Wochen an, spätestens im Jahr 2004 schwarze Zahlen zu schreiben, drohen seine Träume durch das Swissair-Debakel nun wie eine Seifenblase zu platzen. Denn ein Nachfolger für die angeschlagene Mutter, die 49,9 % der LTU-Anteile hält, ist bislang nicht in Sicht.

dpa DÜSSELDORF. Trotz der düsteren Lage gehen bei der LTU die Lichter wohl nicht so bald aus. Im Ringen um eine "langfristige Lösung" erwägt die Kölner Handelsgruppe Rewe, 40-prozentiger Anteilseigner der Fluglinie, sogar eine Mehrheitsbeteiligung. "Wir werden alle Möglichkeiten prüfen", sagt Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck. Vermutungen, nach denen die Luftfahrtgesellschaft Air Berlin - gleichzeitig Rewe-Großkunde - bei LTU einsteigen könnte, verweisen sowohl Schmuck als auch Air Berlin ins Reich der Spekulationen.

Dabei schien der Einstieg der Swissair Ende 1998 für den zweitgrößten deutschen Charterflieger nach der Lufthansa-Tochter Condor den Weg in bessere Zeiten zu ebnen. Zumal seit anderthalb Jahren mit Rewe der drittstärkste deutsche Reisekonzern mit an Bord ist. Bis 2005 wollte Swissair etwaige LTU-Verluste übernehmen. Durch die bisherigen Finanzspritzen in dreistelliger Millionenhöhe ist die Finanzierung der Fluggesellschaft jedoch nur bis März kommenden Jahres gesichert.

Dementsprechend verunsichert reagiert die Belegschaft auf die angespannte Situation. "Natürlich ist jeder einzelne Mitarbeiter sehr beunruhigt", sagt Betriebsrätin Petra Hunold. Dennoch seien alle zuversichtlich, dass ein finanzkräftiger Investor gefunden wird. "Bis dahin heißt es normal weiter zu arbeiten. Was bleibt uns anderes übrig."

Seit Jahren im Sinkflug

Für die LTU ist die aktuelle Krise ein weiterer Rückschlag im seit Jahren dauernden Sinkflug. Nach einem stetigen Aufwärtskurs bis Ende der 80er Jahre, geriet das Unternehmen unter anderem wegen einer verfehlten Flottenpolitik und hoher Personalkosten zunehmend in Schwierigkeiten. So flog die rot-weiße Airline im vergangenen Jahr einen Verlust von 270 Mill. DM (138 Mill. ?) ein.

Dabei hatte die Westdeutsche Landesbank für die LTU einst große Ziele: Im Zusammenspiel mit den Drittel-Beteiligungen der Bank an der Preussag AG und der TUI-Gruppe (bis 1999) wollte der damalige Bank- Chef Friedel Neuber einen europäischen Reisekonzern der Extraklasse zimmern. Das Vorhaben scheiterte 1997 jedoch am Veto des Bundeskartellamts, das eine marktbeherrschende Stellung des Riesenkonzerns befürchtete. Gemeinsam mit Privatgesellschaftern verkaufte die WestLB ein LTU-Paket von 49,9 % an die Swissair.

Sollte bis zum Frühjahr keine Lösung in Sicht sein, hat bereits die nordrhein-westfälische Landesregierung der LTU eine Landesbürgschaft in Aussicht gestellt. Schließlich arbeiten von den rund 2 700 Beschäftigten des Unternehmens gute 1 000 auf dem Düsseldorfer Flughafen.

Mögliche Staatshilfen werden nach Ansicht von NRW-Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold (SPD) keine Wettbewerbsverzerrungen zur Folge haben, weil sie die Kostensituation des Unternehmens nicht verbesserten. "Wir wollen aber zur Erhaltung einer guten Fluglinie beitragen, die für NRW sehr bedeutsam ist", sagt der Minister. Ein Engagement des Landes als Anteilseigner schließt Schwanhold jedoch aus.

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