Düsterer Ausblick drückt Börsenkurs um fast 30 Prozent
Sony-Schock belastet Elektronik-Konzerne

Mit Sparmaßnahmen und Anteilsverkäufen sind Japans Elektronikriesen operativ wieder in die Gewinnzone gelangt. Doch die Ausblicke sind höchst unterschiedlich. Beobachter bleiben skeptisch.

TOKIO. Der Sony-Schock sitzt tief in Japans Elektronik-Branche. Nach dem unerwartet düsteren Ausblick des japanischen Unterhaltungselektronik-Herstellers ist dessen Börsenkurs innerhalb von zwei Handelstagen um fast 27 % eingebrochen. Lange galt Sony als eines der krisenfesteren Unternehmen. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern, der durch zusätzliches Musik- und Filmgeschäft breit aufgestellt ist, als einziger Gewinne erzielt. Dagegen war Matsushita Electric, besser bekannt für die Marke Panasonic, mit dem größten Verlust der Firmengeschichte negativ aufgefallen.

Nun scheint nichts mehr wie zuvor: Sony investiert 140 Mrd. Yen (1,1 Mrd. Euro), um vor allem sein Elektronikgeschäft komplett umzustellen. Die anderen Elektronikriesen dagegen, von denen Matsushita, Hitachi und Mitsubishi Electric heute ihre Zahlen für das am 31. März abgelaufene Geschäftsjahr vorlegten, erklären Phase Eins der Umstrukturierung - Kostensenkung um jeden Preis - für beendet. Alle sind nach enormen Verlusten im vergangenen Jahr operativ wieder in der Gewinnzone. Stellenabau, Anteilsverkäufe und Zusammenlegungen machen sich bezahlt. Hitachi und Mitsubishi Electric etwa haben in diesem Monat den größten Teil ihrer Halbleitersparte in das Gemeinschaftsunternehmen Elpida ausgelagert. Unterm Strich machen Toshiba und Hitachi wieder Gewinn. Matsushita, NEC, Fujitsu und Mitsubishi Electric haben ihre Nettoverluste zumindest kräftig reduziert. Nur bei Fujitsu liegt der Nettoverlust noch über 100 Mrd. Yen.

Aggressiv nach vorne denken, heißt die Parole. Doch mit zwei Nettoverlusten in Folge zeigen vier der sieben Konzerne, dass noch viele Probleme ungelöst sind. Wenn Industrieelektronik-Riesen wie Fujitsu oder NEC Ausgaben für Forschung und Anlageninvestitionen kappen, haben es Experten schwer, darin eine Wachstumsstrategie zu erkennen.

Hitachi-Finanzchef Yoshiki Yagi, der nach einem Nettoverlust von fast einer halben Billion Yen in diesem Jahr einen Nettogewinn von knapp 28 Mrd. Yen präsentierte, sprach gestern für das laufende Geschäftsjahr von einem "sehr harten Jahr". Umsatzwachstum sei jedenfalls kaum möglich. Während der operative Gewinn um 11 % steigen soll, erwartet Yagi, dass der Nettogewinn auf schmale 5 Mrd. Yen fällt. Toshibas beherzte Ankündigung, den operativen Gewinn für dieses Geschäftsjahr um fast die Hälfte auf 170 Mrd. Yen zu steigern, stößt ebenso wie der optimistische Fujitsu-Ausblick auf Skepsis: Wie passt er zur Vorsicht von Hitachi, wie zu den Schwierigkeiten von Sony - immerhin ein wichtiger Kunde der Industrie-Elektronikhersteller?

Doch Sony-Konkurrent Matsushita beruhigte gestern die Zweifler. Die Ergebnisse lagen leicht über den vorher gekappten Prognosen, der Ausblick war stabil. Bei stagnierendem Umsatz soll der operative Gewinn um 19 % auf 150 Mrd. Yen steigen und würde damit den von Sony übertreffen. Der Nettogewinn würde mit 30 Mrd. Yen hinter dem des Haupt-Konkurrenten bleiben. Matsushita setzt vor allem auf DVD-Spieler, Digitalkameras, Flachbildschirme und Handys.

Ein Problem aller Hersteller bleibt die relativ geringe Profitabilität. Die operativen Gewinnmargen liegen zwischen 1,7 % (Mitsubishi Electric und Matsushita) und 2,6 % (NEC). Zudem belasten Umstrukturierungskosten die Nettogewinne ebenso wie Verluste auf Aktienbestände. Der Nikkei-Index fällt derzeit von einem 20-Jahrestief auf das nächste. Fujitsu etwa kündigte an, die Beteiligungen in diesem Jahr halbieren zu wollen. Dennoch soll nach zwei Nettoverlusten diesmal ein Nettogewinn von 30 Mrd. Yen abfallen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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