Düsteres US-Konjunkturbild bringt Börsen unter Druck
Die meisten Indizes nähern sich ihren Jahrestiefs

Die US-Notenbank hat mit einem düsteren Konjunkturbericht weltweit die Börsen unter Druck gebracht. Neben den seit Monaten gebeutelten Technologiewerten waren gestern auch Standardwerte betroffen.

DÜSSELDORF. Die Federal Reserve (Fed) hatte am Mittwoch bestätigt, dass die US-Wirtschaft schwächelt. Die meisten europäischen Börsen waren zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen. Investoren flüchteten daraufhin in Anleihen und in den Euro. Die Renditen für langfristige Bonds fielen kräftig. Die Gemeinschaftswährung stieg über 0,88 $.

Am Aktienmarkt kam es dagegen zu Verkaufsdruck: In Tokio fiel der Nikkei-Index unter 12 000 Punkte. In Europa näherten sich die großen Indizes ihren Jahrestiefs. In den USA fiel der technologielastige Nasdaq-Index unter die Marke von 2 000 Zählern.

Entscheidend war die Aussage der Fed, die Schwäche des Industriesektors habe sich auf fast alle Bereiche übertragen. Zwar hob die Notenbank hervor, die Inflation sei unter Kontrolle, was die Hoffnung auf eine weitere Zinssenkung antrieb. Doch Anleger fürchten mehr denn je, dass eine Konjunkturerholung in weiter Ferne liegt.

Notenbank-Bericht in einer kritischen Börsenphase

"Der Bericht hat den Markt auf dem falschen Fuß erwischt", fasste Bernd Roth, Händler bei der WGZ-Bank zusammen. Tatsächlich kam der Notenbank-Bericht in einer kritischen Börsenphase. Denn Anleger waren nach durchwachsenen Quartalsberichten und negativen Unternehmensausblicken bereits verunsichert.

"Was jetzt ganz mies aussieht, ist die Markttechnik", meint Helaba-Fondsmanager Constantin Rerras. Während im Deutschen Aktienindex (Dax) die Unterstützung von gut 5 550 Punkten bereits nach unten durchbrochen ist, steht die Technologiebörse Nasdaq noch auf der Kippe. Erst ein Unterschreiten der 1 950-Punkte-Marke, mit der die Nasdaq gestern kämpfte, lässt aus Sicht der Techniker das Jahrestief von 1 638 Zählern nahe rücken. "Hält das jetzige Niveau, dann bestehen gute Chancen, dass wir keine tieferen Kurse sehen werden" meint Uwe Wagner von der Deutschen Bank. Die großen Indizes wie Dax, Dow, Euro-Stoxx und Nasdaq hätten "recht gute Chancen" für eine Stabilisierung.

Wie Wagner stützen viele Charttechniker ihren verhaltenen Optimismus auf die geringer werdende Abwärtsdynamik. "Je öfter die Kurse nach unten rutschen, desto mehr lässt die Aggressivität nach. Das signalisiert eine nachlassende Zuverlässigkeit des negativen Trends", sieht Wagner einen Lichtblick. "Doch der übergeordnete Trend weist nach wie vor abwärts", warnt er wie die meisten seiner Kollegen noch vor einem Einstieg.

Asiatische Börsen schockiert

Schockiert durch das so genannte "Beige Book" brachen am Donnerstag zunächst in Asien die Börsen ein. Der japanische Nikkei-Index fiel um 3,3 % auf 11 754 Punkten. Er notiert nur noch knapp über dem 16-Jahres-Tief vom 30. Juli 2001. Besonders betroffen waren Telekomwerte. Die Investmentbank Nikko Salomon Smith Barney hatte die Kursziele für einige Branchenführer gesenkt. Zwar ist Tokio nach Meinung des BNP-Analysten Jean-Pascal Rolandez "definitiv überverkauft", doch neue Tiefs schließt er ebenso wie die meisten seiner Kollegen nicht aus. Abwärts ging es auch in Hongkong. Der Hang- Seng-Index fiel um 2 % auf 11 716 Zähler. Das ist der tiefste Stand seit April 1999.

In Europa sank der Euro-Stoxx-50-Index um 1,5 % auf gut 3 900 Punkte. Das Jahrestief liegt bei 3 854 Zähler. Neben Bayer standen vor allem die Aktien der Telekomgesellschaften und ihrer Zulieferer unter Druck. Alcatel, KPN und Nokia verloren mehr als 3 %. Hier belasteten schlechte Firmennachrichten und Herabstufungen durch Investmenthäuser. Vodafone gaben 4 % ab. Im Markt hielten sich Gerüchte über den Verkauf eines großen Aktienpaketes.

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