Düvel erkennt „Fortschritte“ in den Verhandlungen für 7 000 Stahlwerker
IG Metall verlagert Machtpoker um Arbeitszeit auf die Stahlindustrie

Im IG-Metall-Tarifstreit für eine Arbeitszeitverkürzung in Ostdeutschland stehen sich die Hauptakteure nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Der für Berlin, Brandenburg und Sachsen zuständige IG-Metall-Bezirksleiter Hasso Düvel kündigte am Mittwoch eine Verschärfung des Arbeitskampfes an.

dc DÜSSELDORF. "Wir werden den Streik in der nächsten Woche in Sachsen deutlich ausweiten", sagte Düvel im brandenburgischen Ludwigsfelde. Die Metallarbeitgeberverbände ließen weiter keine Anzeichen erkennen, dass sie sich zu Verhandlungen über einen festen Zeitplan zur Einführung der 35-Stunden-Woche bereit finden könnten.

Je unversöhnlicher die Konfrontation zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern, desto mehr rücken jedoch mögliche Bruchstellen in den Blick. Die Hoffnungen der IG Metall konzentrieren sich dabei auf die Stahlindustrie. Ihr Kalkül: Falls sie einen Zeitplan zur Einführung der 35-Stunden-Woche für die 7 000 Beschäftigten in tarifgebundenen ostdeutschen Stahlwerken durchsetzen könnte, würde der Druck auf die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie erheblich wachsen.

Die Ausgangslage bleibt zumindest offen, nachdem sich die IG Metall und der Arbeitgeberverband Stahl am Dienstagabend auf eine weitere Verhandlungsrunde für Freitag verständigt haben. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Stahl, Volker Becher, wertete die Gespräche auf Anfrage als "konstruktiv und zielgerichtet" - allerdings mit offenem Ausgang. Von der Metallindustrie unterscheide sich die Stahlbranche insofern, als die IG Metall unter den Beschäftigten einen höheren Organisationsgrad habe. Arbeitszeitverkürzungen würden über höhere Kosten unweigerlich zu Personalabbau führen.

Allerdings widersprach Becher Vermutungen, der Stahlarbeitgeberverband werde womöglich von seinen einflussreichen westdeutschen Mitgliedern zu einem Abschluss gedrängt, um gleiche Wettbewerbsbedingungen in West und Ost zu erreichen: "Die Forderung der IG Metall ist so falsch, dass sie auch zwischen konkurrierenden Unternehmen zu einer Solidarisierung führt."

Andreas Möhlenkamp, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM), pflichtet bei: "Für alle Unternehmen geht es um die Frage, wie man sich auf die EU- Osterweiterung einstellt - da ist die IG-Metall-Forderung ein schlimmer Rückschritt."Düvel sprach indes von "Fortschritten" in den Stahl-Tarifverhandlungen, die eine weitere Runde sinnvoll machten. "Soweit ist es nur gekommen, weil Druck in dem Kessel ist", begründete er die Streiks.

Der Verband der sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME) hatte bereits zu Wochenbeginn vorgebaut für den Fall, dass sich IG Metall und Stahlarbeitgeber annähern könnten. In einer Pressemitteilung mahnte der VSME eine "klare Unterscheidung" zwischen Metall- und Stahlarbeitgebern an. Die Verhandlungen der IG Metall mit dem Arbeitgeberverband Stahl hätten "keinen Einfluss auf die Strategie und das Vorgehen des VSME".

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