Duisburger Stahlhändler plant mit Mehrheitsaktionär WestLB
Klöco wird auf Effizienz getrimmt

Nach mehr als einem Jahr lähmender Ungewissheit herrschen bei der Klöckner & Co AG (Klöco) wieder klare Verhältnisse: Mit dem neuen Eigentümer WestLB im Rücken soll es aufwärts gehen.

DUISBURG. Die beiden Vorstände Derrick Noe und Scott Mac Donald, haben den Auftrag, bis Ende 2004 den Gewinn um 80 Mill. Euro zu steigern und aus Klöco einen der rentabelsten Werkstoffhändler in Europa zu formen.

Im Mai hatte die WestLB die britisch-iranische Balli-Gruppe als Hauptgesellschafter abgelöst. Die Erleichterung über den Wechsel ist bei beiden Klöco-Vorständen im Gespräch mit dem Handelsblatt sehr deutlich zu spüren. Mit dem Ausscheiden Ballis endete ein unrühmliches Kapitel in der fast 100-jährigen Firmengeschichte.

Die WestLB, die Balli für die Klöco-Übernahme im Oktober 2001 einen Kredit über 200 Mill. Euro gewährte, aber bis heute keinen Cent zurückbekommen hat, wird nicht dauerhaft an ihrem neuem Engagement festhalten. Ohnehin steht der WestLB-Vorstand wegen einiger Schieflagen bei Beteiligungen in der Kritik. Doch die Suche nach einem Investor für Klöco ist bisher erfolglos verlaufen. "Und bei den aktuellen Geboten", bringt es ein Insider auf den Punkt, "würde die WestLB mit Verlust verkaufen."

Noe und MacDonald, seit einem Jahr auf ihren Posten, haben einen klaren Auftrag: den Unternehmenswert sprunghaft zu erhöhen und eine Kapitalrendite von 15 % zu erreichen. Branchenkenner halten das Ziel für "ambitioniert". Auch die Beteiligten gehen offenbar davon aus, dass das nicht von heute auf morgen zu schaffen ist. "Mittelfristig", sagt Noe, "planen wir mit der WestLB als Aktionär."

Anfang 2002, nachdem Balli 120 Mill. Euro von den Klöco-Konten abgezweigt hatte, stand der Werkstoffhändler (Stahl, Aluminium) gefährlich nahe am Abgrund: Lieferanten bestanden auf Vorkasse, gute Leute verließen das Haus, die knapp 11 000 Mitarbeiter sorgten sich um die Zukunft ihrer Firma. Das sei eine ernste Krise gewesen, räumt Noe heute ein, aber er betont: "Klöckner & Co war nie ein Sanierungsfall, Balli war es."

Klöco selbst zählt sich zur Spitzengruppe der Stahlhandelshäuser, von denen die meisten nur auf ihren jeweiligen Heimatmärkten wirklich stark seien. MacDonald: "Kaum jemand ist so international wie wir." Auf dem wichtigen Markt USA, heißt es dagegen in unternehmensnahen Kreisen, sei die Position der Duisburger recht schwach. Zudem drohe Klöco, in eine gefährliche Zange zu geraten: Die Stahlhersteller seien Lieferanten und Konkurrenten zugleich. Klöco-Vorstand MacDonald sieht im Umstand, an keinen Hersteller gebunden zu sein, einen klaren Vorteil. Klöco könne so stets unter den aktuell günstigsten Angeboten auswählen.

Ein Krösus ist Klöco deswegen nicht. Ein Effizienz-Programm soll bis Ende 2004 eine Erhöhung der Liquidität um 200 Mill. Euro erbringen. Außerdem will der Vorstand die Finanzschulden um mehr als 100 Mill. Euro drücken.

Entschieden widerspricht Noe Gerüchten, Klöcos Kreditbonität habe sich nach dem Ausscheiden aus dem Eon-Konzern und als Folge der Balli-Krise verschlechtert. Gleichwohl denkt er bereits über andere Finanzierungsmöglichkeiten, etwa eine Unternehmensanleihe, nach. Die Chancen, schon kurzfristig ein gutes Kredit-Rating zu bekommen, beurteilt ein Experte allerdings skeptisch: "Standard & Poor?s hat wegen der Risiken im Stahl gerade erst die Hersteller Arcelor und Thyssen-Krupp zurückgestuft."

Immerhin: Das Jahr 2002 brachte Klöco eine Ergebnisverbesserung um 160 Mill. Euro. Ein Verlust von 140 Mill. Euro in 2001 wandelte sich in einen Vorsteuergewinn von 21 Mill. Euro. Hierbei wirkten sich Einsparungen beim Personal - 350 Stellen fielen weg - und Portfoliobereinigungen aus. Letztere und eine konjunkturbedingt schwächere Nachfrage mündeten in ein Umsatzminus von 5 % auf 4 Mrd. Euro.

In vier Wochen soll auch der Aufsichtsrat wieder komplett sein. Drei Kontrolleure sind zurückgetreten. Sie werfen Klöco-Aufsichtsratschef Walter Droege vor, einseitig persönliche Interessen zu verfolgen: Mit dem Geld, das seine Unternehmensberatung für die Sanierung bekomme, könne er anschließend die Übernahme von Klöco finanzieren. Droege hält den Vorwurf für absurd, Klöco-Vorstand Noe schweigt.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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