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Duisenberg will in einem Jahr noch EZB-Präsident sein

Wann er zurücktrete, sei allein seine Sache, sagte Duisenberg, erklärte aber, dass er nicht die volle achtjährige Amtsperiode ausfüllen wolle.

rtr FRANKFURT. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Wim Duisenberg will sein Amt noch mindestens ein Jahr ausüben. Zugleich bekräftigte er frühere Aussagen, wegen seines Alters voraussichtlich nicht die gesamte achtjährige Periode erfüllen zu wollen. Auf die Frage, ob er noch in einem Jahr seinen Posten bekleiden wolle, antwortete Duisenberg am Montag bei einer Feier zur Einführung des Euro-Bargeldes in Frankfurt: "Oh ja". Die Entscheidung über den Zeitpunkt seines Ausscheidens sei aber allein seine Sache. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte unterdessen, er sei sicher, es werde eine Einigung der EU-Staaten über einen Wechsel an der EZB-Spitze geben.

"Ich habe mich noch nicht entschieden", sagte der EZB-Präsident auf die Frage nach dem Datum seines Ausscheidens aus dem Amt. Über die Dauer der Amtszeit des 66-Jährigen, die regulär bis 2006 läuft, wird seit Beginn der Währungsunion spekuliert. Auf dem EU-Gipfel in Brüssel im Mai 1998 soll Duisenberg auf Drängen Frankreichs, das ebenfalls den Präsidenten stellen wollte, zugesagt haben, nach der Hälfte der achtjährigen Amtszeit aufzuhören. Duisenberg hat dies niemals offiziell bestätigt. Weder das deutsche noch das französischen Finanzministerium kommentierten am Montag die Aussagen des EZB-Präsidenten. Die Entscheidung des EZB-Präsidenten wird sich nach Einschätzung von Analysten positiv auf den Euro und die Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) auswirken. Sollte die EZB am Markt als Instrument der Politik wahrgenommen werden, wäre das eine Belastung für den Euro, sagte der Analyst Rob Hayward von ABN Amro. Duisenberg betone durch seine Entscheidung aber die Unabhängigkeit der Zentralbank. Der Ökonom David Mann von Standard Chartered sagte: "Duisenberg hat nicht die größte Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten aber es wäre schlimmer, wenn er ohne die Aussicht auf einen angemessenen Nachfolger zurücktreten würde." Der französische Notenbank-Chef Jean-Claude Trichet gilt unter Experten als möglicher Duisenberg-Nachfolger. Gegen ihn wird allerdings im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Großbank Credit Lyonnais in den frühen 90er Jahren ermittelt.

Prodi sagte unterdessen in Brüssel, in der Frage des Wechsels an der EZB-Spitze gebe es noch eine Problem. "Aber ich bin sicher, dass wir es gemeinsam lösen können und ich glaube nicht, dass es zu Spannungen innerhalb der EZB führen wird", sagte Prodi.

Auf die Frage, ob die EZB das derzeitige Leitzinsniveau von 3,25 % im Schlüsselzins noch für angemessen hält, sagte Duisenberg: "Ja, das tut sie." Der jüngste Anstieg der Geldmenge M3 sei kein Grund zur Besorgnis. "Das bestätigt unsere Erwartungen, die Daten sind auch anders zu beurteilen wegen der bevorstehenden Bargeldeinführung." In der Jahresrate war die Geldmenge im November um bereinigt acht Prozent von 7,4 % im Vormonat gewachsen.

Unmittelbar vor Einführung des Euro-Bargeldes am 1. Januar 2002 tendierte die Gemeinschaftswährung in der Spitze bei 0,8918 Dollar und damit über dem US-Schluss vom vergangenen Freitag.

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