D&O-Haftpflichtversicherungen werden teurer und bieten weniger Schutz
Auf dem „Haftungsauge" blind

"Den meisten Managern ist die Dimension ihres Haftungsrisikos nicht klar", urteilt Christoph Netta, Deutschland-Chef beim Headhunter Heidrick & Stuggles in München. Und das vor allem nicht in letzter Konsequenz: Die Gefahr, für Fehler im Job zur Kasse gebeten zu werden und Haus und Hof zu verlieren, wächst stetig. "Am Ende kann mancher nur noch unter die Isarbrücke marschieren", so Nettas Horrorszenario.

Abwegig? Keineswegs. Nicht nur Aktionäre und geschädigte Konsumenten versuchen zunehmend Führungskräfte für Fehler vors Gericht zu zerren, auch die Unternehmenseigner wollen auf Schäden nicht mehr sitzen bleiben. Das Problem: Die D&O-Haftpflicht bietet immer weniger Schutz. Dies ergibt auch die aktuelle, repräsentative Handelsblatt- Umfrage bei allen deutschen 900 AGs zu ihrer Managerversicherung. 64 Prozent der Antworten kamen aus Firmen mit weniger als 1 000 Mitarbeitern, 25 Prozent mit 1 000 bis 10 000 Leuten und 11 Prozent aus Großunternehmen.

Bemerkenswertes Ergebnis: Selbst kleine AGs haben jetzt Problembewusstsein entwickelt, nachdem prominente Wirtschaftslenker wie Rolf Breuer und Josef Ackermann vor dem Kadi stehen. Herbert Palmberger, D&O-Experte und Anwalt bei Clifford Chance in Düsseldorf weiß: "Es gibt mehrere Schadensfälle, bei denen es um Summen von 400 Millionen Euro geht." Die allerdings kommen nicht ans Licht der Öffentlichkeit, sondern bleiben hinter verschlossenen Türen. Palmberger: "Zum Teil wurden solche Schadenersatzsumme schon beglichen, in anderen Fällen wird noch verhandelt." Der Holzmann-Skandal war nur die Spitze des Eisbergs. "Die Schadenssituation ist besorgniserregend", pflichtet Hartmut Mai von AIG Europe in Frankfurt bei: Der Kampf um Marktanteile bei den Großunternehmen mit ihren Mega-Schäden ist passe. Jetzt nehmen die Versicherer den Mittelstand als Zielgruppe ins Visier.

Für die Großen steigen die Prämien jetzt auf breiter Front - und zwar in schwindelerregende Höhen. Manche kalkulieren sie so hoch, dass die Kunden von alleine abspringen. Wenn Daimler-Chrysler nach Insiderschätzungen heute schon mehr als 20 Millionen Euro jährlich für seine Managerhaftpflicht an Prämien zahlt, so ist dies ein Zehntel der Deckungssumme. Eine Abschreckungssumme? Die Nachrichten für die Unternehmen sind keine Guten: Entweder erhöhten ihnen die Versicherer gerade die Prämien: Im Schnitt um 28 Prozent wie die Handelsblatt- Umfrage ergab. Oder sie senken obendrein die Deckungssummen. Der Grund: Nach dem Holzmann- Skandal und anderen spektakulären Fällen ist den D&O-Versicherern heute der Boden zu heiß.

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