Dunkle Wolken über dem Autojahr 2001
Entwicklung in den USA wird für die Autoindustrie zur Schicksalsfrage

Für die weltweite Automobilindustrie wird das Jahr 2001 aller Voraussicht nach eines der weniger erfreulichen. Die Schlüsselrolle wird dabei der US-Markt spielen, auf dem sich der seit längerem erwartete deutliche Einbruch abzuzeichnen beginnt.

vwd HAMBURG. Die dortige Entwicklung wird für die gesamte Branche "die große, spannende Geschichte", meint auch Analyst Sebastian Stein von der Bankgesellschaft Berlin. Allerdings sind die Vorzeichen für die einzelnen Hersteller recht unterschiedlich, so dass für den interessierten Investoren Chancen auszumachen sind.

Bereits in den letzten Wochen des vergangenen Jahres haben die negativen Schlagzeilen überwogen. Die großen US-Hersteller haben sich nach fünf fetten Jahren für einen Absatzeinbruch gewappnet: Ford Motor Co, Dearborn, sowie General Motors Corp, Detroit, haben mit drastisch reduzierten Produktionskürzungen den Weg gewiesen. Die Daimler-Chrysler AG, Stuttgart, schließt sogar zeitweise mehrere Werke.
Wie kräftig der Rückgang auf dem US-Markt ausfallen wird, hängt aber von mehreren Faktoren ab, nicht zuletzt von möglichen Zinssenkungen. Analyst Stein geht von einem Rutsch auf 16,5 (17,2) Mill. Fahrzeuge aus, mit der Tendenz auf noch knapp über 16 Mill. im folgenden Jahr.

In Deutschland setzt die Branche auf Diesel-Modelle

Positiver gestalten sich da die Aussichten in Deutschland. Auch wenn im Januar zunächst die neue Öko-Steuer-Runde ansteht, dürfte der deutsche Markt in 2001 nicht noch einmal zum "Notstandsgebiet" wie im vergangenen Jahr mit einem Absatzrückgang von über zehn Prozent werden, auch wenn die Benzinpreis-Thematik nicht an Kraft verlieren wird. Der Boom bei Diesel-Fahrzeugen dürfte indes anhalten und die Hersteller sukzessive ihre Kapazitätsengpässe hier beseitigen, so dass zumindest eine Stabiliserung auf dem Niveau von 3,4 Mill. bis 3,5 Mill. neu zugelassenen Pkw erreicht werden sollte. Analyst Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim geht sogar von einem Zuwachs bis zu fünf Prozent bei den Neuzulassungen aus.

Herstellerseitig wird wie auch im vergangenen Jahr die Entwicklung bei Daimler-Chrysler - vor allem bei Chrysler - das größte Interesse wecken. Solange sich der Wettbewerb in den USA weiter verschärft, wird auch die positive Entwicklung bei Mercedes-Benz weder den Aktionären noch dem Unternehmen selbst helfen. Da der jüngste Aktionärsbrief Mitte Dezember wenig Anlass für Optimismus bot ("2001 wird insgesamt noch schwieriger"), dürfte sich der Daimler-Chrysler-Kurs weiterhin im Bereich zwischen 40 und 50 Euro wieder finden.

BMW kann 2001 ohne Rover-Ballast wieder Gas geben

Für die BMW Group, München, dagegen stehen die Zeichen nach dem Verkauf von Rover, dessen Art und Weise nicht gerade in die Geschichte der am klügsten abgewickelten Transaktionen eingehen wird, wieder auf Grün. Auch wenn die letzten Querelen mit dem Rover-Käufer, der britischen Phoenix-Gruppe, noch nicht vollständig ausgeräumt sind, kann sich der Konzern voll auf seine Kernmarke konzentrieren. Für 2000 wird BMW in jeder Hinsicht Rekordergebnisse ausweisen und für 2001 sind derzeit keine Faktoren erkennbar, die diesen Trend stoppen könnten. Grundlage des Erfolges dürfte erneut eine positive Entwicklung der 3er-Reihe sein.

VW will Gewinne auf gleicher Fahrzeugbasis ausbauen

Gut aufgestellt präsentiert sich auch die Volkswagen AG, Wolfsburg. Die Kannibalisierungseffekte im Konzern sind wesentlich geringer als von vielen erwartet. Der Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piech wird für 2000 Rekordergebnisse präsentieren und sich kaum die Butter vom Brot nehmen lassen, eine ähnliche Entwicklung für seine beiden letzten Amtsjahre vorzuweisen. Abgesehen von den nach wie vor erfolgreichen Volumenmodellen wird sich vor allem die Umstellung auf modulare Systeme in der Fertigung bemerkbar machen. Damit sind laut VW Einsparungen in Milliardenhöhe möglich - und für die Aktionäre überdurchschnittliche Kurszuwächse.

Auch der kleinste und profitabelste deutsche Hersteller, die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG. Stuttgart, sieht einem recht unbekümmerten Jahr 2001 entgegen. "Porsche zu loben wäre wie Eulen nach Athen tragen", befindet Analyst Juchemich. Die Finanzdaten des Konzern sind makellos und die Aktionäre durften sich in 2000 über satte Kursgewinne freuen. Wenn auch die Nachfrage nach den Sportwagen aus Zuffenhausen anhalten sollte, so ist allerdings ein Augenmerk auf den schwächelnden US-Markt zu richten, der auch für Porsche wichtig ist. Zwar dürfte der geplante Aktiensplit der Aktie nochmal Auftrieb geben, ein Zuwachs von erneut über 50 % erscheint aber auf Grund des schwachen Autombilumfeldes eher unwahrscheinlich.



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