Duo schlief im Auto
Jagd auf Heckenschützen zu Ende?

Nach Wochen der Angst hoffen die Menschen im Großraum Washington, dass der mörderische Heckenschütze gefasst ist. In Kreisen der Ermittler war von einem entscheidenden Erfolg die Rede. Ein ranghoher Regierungsvertreter sagte, Präsident George W. Bush sei davon unterrichtet worden, dass die Behörden halbwegs sicher seien, den Fall gelöst zu haben.

HB/dpa WASHINGTON. Die Polizei nahm am frühen Donnerstagmorgen auf einem Rastplatz 80 Kilometer nordwestlich von Washington zwei Männer fest. Sie sind nach Angaben informierter Kreise dringend verdächtig, mit gezielten Schüssen aus dem Hinterhalt zehn Menschen getötet und drei schwer verletzt zu haben. Es sind der 42-jährige Golfkriegsveteran John Allen Muhammad und sein 17-jähriger Stiefsohn Lee Malvo. Nach Medienberichten soll Muhammad mit islamischen Terroristen sympathisieren.

Gegen die beiden war wenige Stunden zuvor ein Haftbefehl erlassen worden. Zunächst wurden sie als Zeugen gesucht. Fahndungschef Charles Moose bezeichnete sie als "Personen von großem Interesse", die bewaffnet und gefährlich seien. Nach Rundfunkberichten wurde in dem Wagen der beiden Männer ein Gewehr gesichtet. Ob es sich um die Tatwaffe handelt, war zunächst unklar. Die Polizei bereitete eine sorgfältige Durchsuchung des zwölf Jahre alten blauen Pkws vor. Der Fernsehsender NBC meldete, Muhammad und Malvo würden des mehrfachen Mordes angeklagt werden.

Verdächtige schliefen im Auto

Die Polizei griff gegen 3.19 Uhr (9.19 Uhr MESZ) zu. Muhammad, der auch Williams genannt wurde, und Malvo schliefen ahnungslos in ihrem Auto auf dem Rastplatz neben einer Schnellstraße im Bezirk Frederick im Bundesstaat Maryland. Sie leisteten nach Angaben der Polizei keinen Widerstand. Andere Autofahrer hatten den zuvor öffentlich zur Fahndung ausgerufenen Chevrolet Caprice erkannt und die Behörden alarmiert.

Die Spur der Männer war Tausende von Kilometern von der Washingtoner Mordserie entfernt aufgenommen worden. Der 17-jährige Malvo wird verdächtigt, am 21. September vergangenen Jahres in Montgomery im Bundesstaat Alabama bei einem Raubüberfall auf ein Alkoholgeschäft eine Frau getötet und eine andere verletzt zu haben. Den Tipp haben die Täter möglicherweise selbst gegeben. Nach Informationen der "Baltimore Sun" forderte der so genannte Sniper bei einem der Telefonate die Polizei auf, ihn ernst zu nehmen. "Schaut mal bei den Leuten in Montgomery nach", erklärte der Heckenschütze. In der Nähe dieses Tatortes wurde ein Zettel mit den Fingerabdrücken Malvos gefunden.

Das veranlasste die Polizei dazu, ein Haus in Tacoma im Bundesstaat Washington an der US-Westküste zu überprüfen, wo die beiden Männer gelebt hatten. Das Grundstück wurde am Mittwoch durchsucht. Beamte sägten im Hof einen Baumstumpf ab, der bei Schießübungen als Ziel gedient hatte, und stellten mindestens ein Kugelfragment sicher. Nachbarn berichteten, sie hätten vor einigen Monaten in dem Hinterhof des Hauses oft lautes Gewehrfeuer gehört. Die Polizei suchte auch in einer Schule, die der aus Jamaika stammende Lee Malvo besucht hatte, nach Handschriftproben, um sie mit den Botschaften des oder der Heckenschützen an die Polizei zu vergleichen.

Sympathie mit moslemischen Terroristen

Muhammad ist nach Medienberichten vor 17 Jahren zum Islam übergetreten. Er habe mit moslemischen Terroristen sympathisiert, berichtete am Donnerstag die "Seattle Times" unter Berufung auf Gespräche mit Ex-Frauen und Bekannten des Golfkriegsveteranen. Er habe nach dem 11. September 2001 öfter anerkennend über die Terroristen gesprochen. Muhammad war auf dem Armeestützpunkt Lewis in der Nähe Tacomas stationiert und hatte die Streitkräfte erst kürzlich nach 15 Jahren verlassen. Ein Bekannter berichtete am Mittwoch im Nachrichtensender CNN, Muhammad habe einer Spezialeinheit angehört.

Chefermittler Moose hatte sich am späten Mittwochabend gegen Mitternacht erneut an die Öffentlichkeit gewandt und den Haftbefehl bekannt gegeben. Dann wandte er sich auch wieder mit einer kryptischen Botschaft an den Mörder. Offensichtlich auf dessen besonderen Wunsch sagte er den Satz: "Wir haben den Heckenschützen wie eine Ente in der Schlinge gefangen. Wir haben verstanden, dass es wichtig für Sie ist, dies von uns zu hören." Dann forderte er den Sniper auf, wieder Kontakt aufzunehmen. Nach Medienberichten forderte der Heckenschütze zehn Millionen Dollar. Für den Fall, dass seine Bedingungen nicht erfüllt würden, hatte er mit gezielten Anschlägen auf Kinder gedroht.

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