Durch Allianz oder Tchibo
Beiersdorf offen für Übernahme

"Uns ist jeder Großaktionär willkommen, der unser Erfolgsmodell weiterführen will", sagte Beiersdorf-Sprecher Nebel.

Reuters HAMBURG. Der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf steht einer Mehrheitsübernahme durch seine Großaktionäre Allianz oder Tchibo offen gegenüber. Auch ein anderer Mehrheitseigentümer sei kein Problem, so lange die Strategie des Konzerns beibehalten werde, sagte Finanzvorstand Rolf-Dieter Schwalb der "Financial Times Deutschland". Beiersdorf wies jedoch Darstellungen des Blattes zurück, wonach es eine Präferenz für die Allianz gebe. "Uns ist jeder Großaktionär willkommen, der unser Erfolgsmodell weiterführen will", sagte Beiersdorf-Sprecher Klaus Peter Nebel auf Anfrage. "Dazu gehört auch Tchibo", fügte er hinzu.

Der Münchner Versicherungskonzern Allianz hält 43,6 Prozent an Beiersdorf, die Hamburger Tchibo-Holding etwas mehr als 30 Prozent. Der Rest des im Nebenwerteindex MDax gelisteten Unternehmens befindet sich im Streubesitz. Der Kurs des durch Marken wie Nivea, Hansaplast oder Tesa weltweit bekanntenUnternehmens legte am Freitag weiter zu.

Nebel wies auch Spekulationen zurück, wonach sein Vorstand an einer Abwehrstrategie gegen eine Mehrheitsbeteiligung von Tschibo arbeite. "Es gibt keine Vorbehalte gegen Tchibo", sagte er. Als Grund für angebliche Bedenken gegen eine Kontrolle durch Tchibo wird in Branchenkreisen der langjährige Streit in der Eigentümer-Familie Herz genannt. Ein Tchibo-Sprecher sagte, es gebe bisher keine Vorstandspläne für den Erwerb der Mehrheit bei Beiersdorf. Dies müsse zudem die Hauptversammlung entscheiden.

Spekulationen über ein Allianz-Interesse an der Mehrheit bei Beiersdorf waren vorige Woche entstanden. Der Finanzkonzern hatte ohne nähere Begründung bestätigt, knapp fünf Prozent von dem Beiersdorf-Pensionsfonds Troma hinzu gekauft zu haben. Analyst Volker Hergert von der Bankgesellschaft geht davon aus, dass die Allianz sich mittelfristig ganz von der 65 Jahre alten Beiersdorf-Beteiligung trennen und mit einem Mehrheitspaket deren Wert erhöhen will. Ob das Paket dann an den zweiten Großaktionär Tchibo oder einen dritten Investor gehe, sei offen.

Die Hamburger Tchibo-Gruppe steht derzeit hinsichtlich ihrer künftigen Strategie unter Entscheidungsdruck. Mit 5,4 Milliarden Umsatz (ohne Tabaksteuer) und einem Überschuss von 392 Millionen Euro im Jahr 2000 ist der Konzern eines der größten Familienunternehmen. Tchibo will sich von einer seiner drei Säulen trennen: Der Verkauf des Zigarettenherstellers Reemstma, an dem Tchibo 75 Prozent hält, könnte die nötigen Milliarden für einen höheren Anteil an Beiersdorf in die Kasse bringen.

Konzentration auf Kaffee-Stammgeschäft

Eine Konzentration auf das Kaffee-Stammgeschäft (Tchibo, Eduscho) und Beiersdorf gilt in der Konsumgüterbranche als notwendig. Nach Ansicht von Experten verfügt Tchibo nicht über genügend Finanzkraft, um drei Sparten auf den jeweils hart umkämpften internationalen Märkten weiterführen zu können. Allerdings erschweren die Zerwürfnisse in der Eigentümerfamilie die Entscheidungsprozesse. Günter Herz, Sohn des Gründers Max Herz, wurde Ende 2000 von seinen drei Brüdern nach 35 Jahren an der Tchibo-Spitze aus dem Amt gedrängt. Seit einem Jahr amtiert als Interims-Chef der 66-jährige Ludger Staby. Wer ihn Ende Juni ablösen wird, steht noch nicht fest. Bis dahin müssten eigentlich die Strategieentscheidungen gefallen sein, hieß es im Tchibo-Umfeld.

An den Börsen wird seit längerem über eine Veränderung der Beiersdorf-Aktionärsstruktur spekuliert. "Ein Übernahmeangebot an die Kleinaktionäre ist bereits im Aktienkurs eingepreist", sagte Analyst Hergert. Die Beiersdorf-Aktie war bereits in den vergangenen Wochen kontinuierlich gestiegen. Am Freitag legte sie um gut zwei Prozent auf 141 Euro zu.

Für den hohen Marktwert von Beiersdorf sorgen zudem die guten Ergebnisse. 2001 übertraf der Konzern die eigenen Prognosen mit einem Betriebsergebnis von 465 Millionen Euro (plus 20 Prozent) bei 4,5 Milliarden Euro Umsatz (plus 10 Prozent). Vor allem die Kosmetiksparte gilt als krisenresistent. Für 2002 erwartet Beiersdorf deshalb erneut ein Rekordergebnis.

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