Durch die geplante Fusion entsteht eines der größten Internet-Unternehmen der Welt
Mit Lycos wird Terra zum Global Player

Die Aktionäre des US-Internetportals Lycos entscheiden heute über die Fusion mit der spanischen Terra Networks. Stimmen sie zu, wird das viertgrößte Internetunternehmen der Welt entstehen.

HB FRANKFURT. Eine Mehrheit der Aktionäre des Internet-Portals Lycos wird heute voraussichtlich für eine Fusion mit dem spanischen Online-Dienst Terra Networks (Madrid) stimmen. Nach Informationen des Wall Street Journals haben die US-Internet-Holding CMGI und andere Lycos-Großaktionäre bereits ihre Zustimmung zur Fusion signalisiert.

"Bei einem Tausch von einer Lycos-Aktie in 2,15 Terra-Lycos-Aktien machen die Lycos-Aktionäre derzeit ein gutes Geschäft", sagte Oscar Andreu, Analyst bei der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney. Eine Lycos-Aktie ist derzeit mit rund 48 Euro bewertet, Terra Networks notiert um die 30 Euro. Gestern legte der Kurs der Lycos-Aktie an den Märkten zeitweise deutlich zu. Doch nach dem Kursrückgang der vergangenen Wochen wird das Volumen der Transaktion voraussichtlich weniger als die Hälfte der ursprünglich angekündigten 12,5 Mrd. $ betragen.

Durch die Fusion des weltweit größten spanischsprachigen Internetportals und Zugangsanbieters Terra Networks mit dem US-Portal Lycos entsteht nach Ansicht von Lycos-Chef Bob Davis "ein wirklich globales Powerhouse im Internet-Geschäft".

Die spanische Terra Networks hat sich erst vor zwei Jahren als Internet-Tochter des Ex-Telekom-Monopolisten Telefónica vom Mutterkonzern abgespalten. Vor allem in der spanischsprachigen Welt hat Terra eine Marktlücke entdeckt und sich innerhalb kürzester Zeit international in Stellung gebracht. Im Heimatmarkt Spanien ist Terra mit einem Marktanteil von rund 40 % nach wie vor eindeutiger Marktführer. Auch in Portugal, vor allem aber in Lateinamerika gilt Terra Networks durch eigene Portale und Akquisitionen als die Nummer eins an der Auffahrt zur Datenautobahn. Zunehmend an Bedeutung gewinnen in diesem Zusammenhang die spanischsprachigen Bevölkerungsanteile im Südwesten der USA.

Auf dem weltweit größten Internetmarkt USA ist der Fusionspartner Lycos als Einstiegsportal und Anbieter von Inhalten bereits seit 1995 präsent. Mit über 30 Mill. regelmäßigen Nutzern belegte Lycos im September laut dem Marktforschunsinstitut Media Metrix den vierten Platz unter den Top 50 Internet-Adressen der USA. Zudem zählen zum Lycos-Netzwerk noch eine ganze Reihe weiterer Marken wie die Suchmaschine Hotbot.com.



Konzern würde in Spitzengruppe der Internet-Unternehmen aufrücken

Sollten die Aktionäre heute zustimmen, entsteht ein globaler Internet-Konzern, der nach Einschätzung vieler Experten durch Größe und internationale Ausrichtung in die globale Spitzengruppe um AOL, Yahoo und Microsoft Network (MSN) aufrückt. "Zusammen sind Terra Networks und Lycos in rund 40 Ländern aktiv und werden rund 500 Mill. $ jährlich umsetzen", rechnte Oscar Andreu, Analyst bei Schroder Salomon Smith Barney vor.

Zum Vergleich: Der OnlineDienst Yahoo meldete im September weltweit 166 Millionen regelmäßige Nutzer. Nach Angaben von Microsoft soll sein Portal MSN mit zugehörigen Online-Diensten die Grenze von 200 Mill. Nutzern bereits Juni hinter sich gelassen haben. Mit rund 61 Mill. regelmäßigen Nutzern liegt AOL laut Media Metrix in den USA auf dem ersten Platz. International veröffentlicht AOL keine entprechenden Zahlen.

Da die Werbung neuer Nutzer immer teurer wird, gehen Analysten davon aus, dass der Übernahmehunger von Terra-Lycos noch nicht gestillt ist. "Terra-Lycos hat nach der Fusion rund 3,3 Mrd. " in der Kriegskasse", schätzt Analyst Andreu. So scheint seiner Ansicht nach die Idee nicht abwegig, dass Terra-Lycos früher oder später nach Lycos Europe greifen wird, an der Terra-Lycos ohnehin schon Anteile halten wird.

Doch das könnte beim ebenfalls an Lycos Europe beteiligten Medienriesen Bertelsmann zu Bauchgrimmen führen. Bertelsmann hatte im März seinen Ausstieg bei AOL Europe bekannt geben, will aber mit AOL Europe über eine strategische Partnerschaft verbunden bleiben.



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