Durch einen erneuten Verlustausweis könnten die Vorzugsaktien Stimmrecht erhalten
Spar-Aktionäre planen Aufstand

Dem Handelskonzern Spar droht neues Ungemach: Ein Kreis von Vorzugsaktionären will Nutzen daraus ziehen, wenn ihre Anteile auf Grund eines erneuten Bilanzverlustes im Jahr 2000 stimmberechtigt werden. Sie wollen Druck auf den Großaktionär Intermarché ausüben, ihnen eine Abfindung zu zahlen.

lip HAMBURG. Der börsennotierten Spar-Handels-AG, Schenefeld bei Hamburg, droht neuer Ärger, wenn der Handelskonzern auch im laufenden Geschäftsjahr wieder einen Bilanzverlust ausweisen muss. Grund: Damit würden nach Informationen des Handelsblatts die Vorzugsaktionäre automatisch mehr als 30 % des stimmberechtigten Grundkapitals halten und maßgeblichen Einfluss gewinnen.

Wie das Handelsblatt weiter erfahren hat, soll sich für diesen Fall bereits ein Kreis von unzufriedenen Streubesitzaktionären formiert haben, die sich über den seit Monaten anhaltenden Kursverfall der Vorzugsanteile ärgern. Die Gruppe prüft deshalb bereits verschiedene Optionen, um Druck auf den Vorstandsvorsitzenden Arwed Fischer und den Spar-Großaktionär Intermarché auszuüben: Dazu gehört neben der Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, die eine Neuwahl von Aufsichtsratsmitgliedern erzwingen soll, auch der Antrag auf Liquidation der fünfgrößten deutschen Lebensmittel-Handelskette. Für die Umsetzung dieser Maßnahmen sind lediglich gut 5 % des stimmberechtigten Grundkapitals erforderlich.



Bei einem erneuten Bilanzverlust erhalten Vorzugsaktionäre Stimmrecht

Die Aktionärsgruppe kann bereits vor der nächsten ordentlichen Hauptversammlung des Handelskonzerns aktiv werden. Denn laut Dirk Unrau, norddeutscher Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), sind die Vorzugsaktionäre sofort stimmberechtigt, wenn für das Geschäftsjahr 2000 erneut ein Bilanzverlust festgestellt wird und damit die Dividende im zweiten Jahr in Folge ausfallen sollte. "Wenn ein Bilanzverlust festgestellt wird, erhalten die Vorzüge sofort volles Stimmrecht", erläutert Unrau.

Dies scheint sehr wahrscheinlich: Denn wie aus der Veröffentlichung der Quartalszahlen hervorgeht, wird Spar für 2000 wieder erneut einen Fehlbetrag (1999: minus 279 Mill. DM im Konzern) ausweisen. Ob dies auch zu einem Bilanzverlust führt, ist hingegen offen. Denn Zahlenangaben zum Ergebnis 2000 wurden nicht gemacht. Der Vorstand betont lediglich, dass das Unternehmen erst wieder im Jahr 2002 in die Gewinnzone steuert.

Dass die Vorzugsaktionäre verärgert sind, ist verständlich: Denn die freien Aktionäre mussten seit Monaten einen drastischen Kursverfall hinnehmen. Die Notierung sank seit März von 4,45 Euro auf unter 2 Euro. Zudem ist vielen Anteilseignern immer noch unklar, wie der Konzernumbau finanziert werden soll. "Über Einzelheiten der Finanzierung kann ich keine Auskunft geben", so eine Spar-Sprecherin. Doch bereits für das nächste Jahr wird ein Betrag von 250 Mill. DM fällig, um den Umbau von 160 Eurospar-Verbrauchermärkten zu finanzieren.

Der Umsatz der Eurospar-Märkte ist in den ersten neun Monaten 2000 um 6,5 % auf 2,116 Mrd. DM gesunken. Der Rückgang konnte nicht durch Umsatzzuwächse bei den auf das Intermarché-Konzept umgestellten zehn Verbrauchermärkten aufgefangen werden. Das Konzept sieht vor, mehr Frischeprodukte und mehr Eigenmarken des Großaktionärs Intermarché in den Regalen zu positionieren.

Bis Ende 2000 sollen insgesamt rund 30 Eurospar-Märkte nach dem neuen Intermarché-Konzept umgestellt werden. Mit dieser Neuausrichtung soll die defizitär arbeitende Eurospar-Kette, Hauptumsatzträger des Konzerns, wieder in die Gewinnzone steuern. Insgesamt hat der Spar-Konzern in den ersten neun Monaten einen Umsatzrückgang von 3 % auf 9,358 Mrd. DM (ohne Umsatzsteuer) verbucht.

Im Großhandel verringerte sich der Umsatz um 6,5 % auf 4,05 Mrd. DM. Verantwortlich für den Umsatzeinbruch war die Einstellung der Belieferung von Grosskunden.

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