durch Kooperation mit zwei taiwanesischen Firmen
Infineon findet doch noch Partner

Ulrich Schumacher kann aufatmen: Endlich hat der Chef des Halbleiter-Produzenten Infineon Partner für den defizitären Speicherchip-Bereich gefunden. Analysten sehen die beiden Kooperationen positiv.

gil/jojo DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Die Infineon Technologies AG hat die letzte Chance auf eine Zusammenarbeit mit anderen Herstellern im Speicherchip-Geschäft (DRAM) genutzt. Nachdem in den vergangenen Wochen Verhandlungen mit Toshiba und Hynix gescheitert waren, einigten sich die Münchener jetzt auf Kooperationen mit Winbond Electronics und Mosel Vitelic.

Die beiden taiwanesischen Chip-Produzenten galten zusammen mit der ebenfalls taiwanesischen Nanya Technology als einzige ernsthafte Kandidaten, die für eine Zusammenarbeit übrig blieben. Infineon stand unter erheblichem Zeitdruck, weil das Unternehmen nur mit einem Partner den Marktanteil schnell steigern kann.

"Dies ist eine gute Partnerwahl", zeigte sich Berenberg-Analyst Oliver Wojahn mit der geplanten Zusammenarbeit zufrieden. Der Hamburger Analyst erwartet, dass Infineon seine Entwicklungskosten durch die Kooperationen kräftig senken kann. Die Börse honorierte die Kooperation allerdings nicht, der Kurs fiel um rund 4 %.

Die Zusammenarbeit sieht vor, dass Winbond das Know-How von Infineon in der Speicherchip-Fertigung ab 2003 nutzen wird. Infineon-Chef Ulrich Schumacher betonte gegenüber dem Handelsblatt, dass die beiden Vereinbarungen Infineon nicht finanziell belasten würden. "Wir erhalten sogar noch Geld", sagte Schumacher, denn Winbond werde Lizenzgebühren zahlen, die einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen sollen. Die Koreaner arbeiten mit einer inzwischen veralteten Technologie und können durch das Abkommen mit Infineon ihre Produktion modernisieren.

Darüber hinaus werden die Deutschen auch ihren Marktanteil ausbauen. So bekommt Infineon das exklusive Abnahmerecht für die mit ihrer Technologie hergestellten Halbleiter von Winbond. Damit noch nicht genug: Infineon erhöht seinen Anteil an der Produktion des Gemeinschaftswerks Promos Technologies mit Mosel Vitelic von 38 auf 48 % und bekommt damit ebenfalls einen größeren Anteil am Markt. Schumacher rechnet damit, dass Infineon so von gegenwärtig etwa 14 % auf 17 bis 18 % klettert. Erklärtes Ziel ist es, bis zu 20 % zu erreichen. Momentan rangiert die frühere Siemens-Tochter auf Rang vier, Marktführer ist Samsung. "Das sind kleine Schritte in die richtige Richtung", begrüßt Analyst Wojahn die Strategie, die insgesamt wenig risikoreich sei.

Die gesamte Speicherchip-Branche wartet seit Monaten auf Zusammenschlüsse von Unternehmen. So verhandelt der angeschlagene koreanische Chip-Produzent Hynix seit Dezember mit dem US-Unternehmen Micron über den Verkauf der Speicherchip-Sparte. Bislang konnten sich die Unternehmen aber noch nicht einigen. Als Grund gilt die veraltete Technologie von Hynix und die hohen Schulden des koreanischen Anbieters. Auch Infineon hatte sich für Hynix interessiert. Aber Schumacher begründet den Abbruch der Verhandlungen so: "Wir haben uns das Unternehmen genauer angesehen."

Im vergangenen Jahr sind die Einnahmen aus Speicherchips bei allen Herstellern eingebrochen. Die Preise fielen weit unter die Produktionskosten. Erst in den vergangenen Wochen konnten die Hersteller etwas mehr verlangen. So liegen die gesamten Kosten für einen 128-Mb-Standard-Speicherchip von Infineon bei etwa 5,5 $. Der höchste Verkaufspreis der vergangenen Woche betrug 4,6 $. Dies ist allerdings schon eine beträchtliche Steigerung gegenüber den Tiefständen vom letzten Jahr, als weniger als 1 $ bezahlt wurde.

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