Durch Neuordnung bekommt die Telekom Konkurrenz
US-niederländisches TV-Kabel-Unternehmen erwirbt Mehrheit an Primacom

Der US-niederländische Kabelnetzbetreiber UPC formt aus seinen Beteiligungen an deutschen Kabelfirmen die neue Primacom AG. Damit wird der Konzern zweitgrößter Betreiber nach der Telekom.

Der am Neuen Markt notierte Kabelnetzbetreiber Primacom AG, Mainz, wird künftig mehrheitlich dem US-niederländischen Kabelnetzbetreiber UPC NV, Amsterdam, gehören. UPC wird dafür seine Sperrminorität an Primacom von knapp über 25 % auf 51 % aufstocken und seine deutsche Kabeltochter TSS/EWT mit 645 000 Abonnenten in Primacom einbringen.

Wie das Handelsblatt weiter aus Unternehmenskreisen erfuhr, wollen beide Unternehmen dies auf der Bilanz-Pressekonferenz der Primacom AG am Donnerstag in Frankfurt bekannt geben. Gestern hieß es auf Nachfrage bei Primacom lediglich, dass es Gespräche mit dem Großaktionär über eine vertiefte Zusammenarbeit gebe, die noch nicht abgeschlossen seien. UPC wollte keine Stellungnahme abgeben.

Durch die Neuordnung der deutschen UPC-Beteiligungen unter einem Dach entsteht mit 2,3 Millionen Kabel-Abonnenten der größte Kabelnetzbetreiber nach der Deutsche Telekom AG. Geplant ist außerdem, dass UPC die 470 000 Kabelhaushalte, die es aus dem Bestand der Deutsche-Bank-Beteiligung Telecolumbus erwirbt, ebenfalls in das neue Unternehmen einbringt.

In dem Deal wird Primacom mit seinen 1,2 Millionen Kabelhaushalten mit etwa 1 Mrd. Euro bewertet. Wie darüber hinaus in Branchenkreisen zu hören ist, verhandelten die Parteien lange über die Bewertung der Abonnenten. Danach soll jetzt ein Primacom-Kunde etwa 770 Euro kosten, während ein TSS/EWT-Kunde um rund 30 % niedriger bewertet wird. Da UPC vor einem Jahr für die TSS-Gruppe knapp 1 Mrd. Euro zahlte, bedeutet dies mehr als eine Halbierung des Wertes des Augsburger Mittelständlers. Allerdings wurden vor einem Jahr alle Kabel-Unternehmen weltweit um 70 % bis 80 % höher an den Börsen bewertet als heute. Außerdem fließt bei dem Beteiligungstausch kein Geld.

Die Stärke der neuen UPC-Primacom liegt neben der Größe in der Fokussierung auf die Regionen Berlin, Sachsen/Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. UPC bedient dort seine Kunden allerdings vor allem über Hausverteilanlagen. Die Leitungen dorthin sind großenteils im Besitz der Deutsche Telekom AG. Die Telekom allerdings ist dabei, ihre noch verbliebenen sechs Kabelregionalgesellschaften an ein Konsortium aus Liberty Media und dem Investor Gary Klesch zu verkaufen. Liberty Media wiederum ist größter Einzelaktionär der UPC-Muttergesellschaft United Global-Com.

Wie es im Umfeld der Unternehmen heißt, sei bisher kein gemeinsames Vorgehen von UPC-Primacom und Liberty Media/Klesch in Deutschland geplant, schließlich sei der Telekom-Deal noch nicht unter Dach und Fach. In den Regionen, in denen UPC jetzt größter Betreiber von Hausverteilanlagen wird, muss schon aus technischen Gründen jeder Käufer des Telekom-Zuführungskabels mit UPC-Primacom kooperieren. Branchenexperten sehen den größten Teil der künftigen Wertschöpfung im Fernsehkabel ohnehin auf der Hausverteiler-Ebene, weil diese Kabelnetzbetreiber die Beziehung zum Kunden haben.

US-Investoren haben nach wie vor ein großes Interesse an den Fernsehkabelnetzen in Deutschland, da sie für den breitbandigen Internet-Zugang ausgebaut werden können. Zusätzlich zu den heutigen Fernsehprogrammen wollen die Investoren darüber neue Datendienste und auch Telefongespräche anbieten. Dies erfordert allerdings zunächst einen Ausbau dieser Infrastruktur auf höhere Bandbreiten und den Einbau eines Rückkanals. Danach taugt das Kabelnetz als fast flächendeckende Alternative zum Telefonnetz der Deutschen Telekom, vor allem auf der letzten Meile in den Ortsnetzen, die noch zu 98,5 % in der Hand der Telekom ist.

Dies wurde in der Kabelbranche als Grund dafür angesehen, dass die Telekom eher zögerlich beim Kabelverkauf vorging. Mit dem sinkenden Kurs der T-Aktie und den hohen Schulden scheint die Telekom jetzt umzusteuern. So verkauft das Unternehmen auch die Mehrheit an der Region Berlin/Brandenburg. Dort wollte sie ursprünglich weiterhin das Kabelgeschäft selbst betreiben.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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