Durch Verschmelzung entsteht Deutschlands größter Online-Vermarkter
Fusion von Focus Digital und Tomorrow nimmt letzte Hürde

Die Fusion der Focus Digital AG mit der Tomorrow Internet AG hat trotz heftiger Kritik der Aktionäre des Münchener Onlinedienstleisters an den Konditionen die letzte Hürde genommen. 99,97 % des auf der außerordentlichen Hauptversammlung anwesenden Stammkapitals hätten für die Verschmelzung gestimmt, sagte eine Focus Digital-Sprecherin am Donnerstag in München.

Reuters MÜNCHEN. Die Präsenz habe bei knapp 80 % gelegen. Zuvor hatte ein Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) gesagt, angesichts der angespannten Liquiditätslage von Tomorrow dränge sich der Verdacht auf, die Fusion gehe zu Lasten der Focus Digital-Aktionäre.

"Die Tomorrow Internet AG ist der perfekte Partner für uns, die Ergänzung im Kerngeschäft ist optimal", verteidigte hingegen Vorstandschef Jörg Bueroße die Verschmelzung der beiden am Neuen Markt gelisteten Unternehmen. Ein positives Votum galt bereits im Vorfeld als gesichert, da die Burda-Holding eine Mehrheit an Focus Digital hält. Am Dienstag hatten die Tomorrow-Aktionäre der Fusion mit einer Mehrheit von über 99 % des anwesenden Stimmkapitals zugestimmt. Die Tomorrow-Anteilseigner sollen für vier ihrer Anteilsscheine drei Focus Digital-Papiere erhalten.

Durch die Verschmelzung entsteht Bueroße zufolge Deutschlands größter Online-Vermarkter. Für das kommende Geschäftsjahr prophezeite Bueroße erneut ein schwieriges Marktumfeld: "Die Anzeichen, dass auch das Jahr 2002 im Hinblick auf Werbeausgaben und Internet-Investitionen nicht unbedingt deutlich besser ausfallen wird als in diesem Jahr, mehren sich." Die neue Tomorrow Focus AG werde aber den für 2002 geplanten Umsatz im dreistelligen Millionen-Mark-Bereich erreichen.

Ein DSW-Sprecher sagte mit Blick auf die hohen Verluste beider Firmen, der Zusammenschluss "eines Blinden und eines Lahmen" gebe noch nicht automatisch einen Gesunden. In den ersten neun Monaten 2001 hatte Focus Digital einen Vorsteuerverlust von 17,4 (Vorjahr: 5,2) Mill. ? ausgewiesen, Tomorrow Internet bezifferte ihren Fehlbetrag auf 14,6 (4,9) Mill. ?. "Diese hohen Verluste übersteigen sogar den addierten Umsatz beider Unternehmen", sagte der DSW-Sprecher.

Sowohl der DSW - als auch der SdK-Aktionärsvertreter stimmten in der grundsätzlichen Notwendigkeit der Fusion überein, prangerten aber das Bewertungsgutachten an, das massive Fragen unbeantwortet lasse. "Das Umtausch-Verhältnis ist nicht nachvollziehbar", sagte der SdK-Sprecher. Zugleich forderte er konkrete Prognosen für die künftige Geschäftsentwicklung. Der Vorstand lehnte dies mit Blick auf die derzeitige Konjunkturlage ab.

Die verschmolzene Gesellschaft soll nach dem Willen des Vorstands noch im laufenden Jahr ins Handelsregister eingetragen werden und möglichst am 21. Dezember unter dem Namen Tomorrow Focus AG am Neuen Markt notieren. Am späten Nachmittag notierten die Focus Digital-Papiere in einem festen Markt mit 3,15 ? um gut drei Prozent im Minus, während die Tomorrow Internet-Aktien knapp sechs Prozent auf 2,45 ? abgaben.

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