Durchbruch des E-Commerce in Deutschland möglich
Internet-Firmen begrüßen Streichung von Rabattgesetz

Reuters BERLIN. Deutsche Internet-Firmen haben die von der Bundesregierung beschlossene Streichung des Rabattgesetzes und der Zugabeverordnung begrüßt. Der Deutschland-Chef des Internet-Portals Yahoo!, Peter Würtenberger, sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, die Aufhebung könne zum Durchbruch des E-Commerce in Deutschland führen. Hervorragende Perspektiven für die Branche sieht auch der Vorstand des E-Business Kabel New Media AG, -Dienstleisters Christoph Stadeler. Gleichzeitig warnte er aber vor "Rabattschleuderei". Der wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Rabattgesetz verklagte Internet-Händler LetsBuyIt.com begrüßte die Streichung als Klarstellung der Rechtslage.

Nach Ansicht von Würtenberger wird mit der Aufhebung ein wichtiges Hindernis für den E-Commerce ausgeräumt. "In den USA konnte das Business-to-Consumer-Geschäft besser starten, weil die Vorteile klar erkennbar waren." So habe zum Beispiel der Internet-Buchhändler Amazon.com dort von Anfang an Preisnachlässe von bis zu 50 % gewährt. In Deutschland werden Preisnachlässe auf Bücher allerdings auch nach der geplanten Streichung des Rabattgesetzes wegen der weiterhin geltenden Buchpreisbindung nicht möglich sein.

Die Abschaffung der Zugabeverordnung würde es den Unternehmen nach den Worten Würtenbergers zudem erlauben, Waren zu verschenken, deren Vernichtung sie sonst Geld koste. Die Vernichtung einer unverkäuflichen Musik-CD koste beispielsweise 1,10 DM. "Dann kann man sie auch verschenken, wenn ein Kunde eine Stereoanlage kauft", sagte Würtenberger. Bisher habe die Zugabeverordnung dies verboten.



Warnung vor zu hohen Rabatten

Kabel New Media-Vorstand Stadeler warnte die Branche davor, nur der Marktanteile wegen hohe Rabatten zu gewähren und dadurch Verluste in Kauf zu nehmen. Einige Unternehmen hätten bereits auf der Jagd nach Marktanteilen viel Geld für Marketing ausgegeben und sich dabei übernommen. Dies drohe sich nun bei den Rabatten zu wiederholen.

Stattdessen sollten die Unternehmen die neuen Rabatt-Möglichkeiten gezielt einsetzen, sagte Stadeler. Die Unternehmen könnten nun Angebote ausschließlich an solche Zielgruppen richten, die für sie besonders interessant seien. Für das "Customer-Relationship-Management", also die Pflege der Kundenbeziehungen, eröffneten sich damit große Chancen. Die Branche werde jedoch längere Zeit brauchen, um die neuen Möglichkeiten richtig einzusetzen.



Weitere Gesetze sind reformbedürftig

Die Sprecherin der Einkaufs-Site LetsBuyIt.com, Romy Hochwald, sagte, in ihrer Firma habe es ein großes Aufatmen gegeben. Das Unternehmen war im Oktober vom Landgericht Hamburg in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil wegen Verstoßes gegen das Rabattgesetz verurteilt worden. Die Firma sei zu Unrecht verurteilt worden. "Die Aufhebung stellt die Rechtslage nun aber klar", sagte Hochwald. Dennoch handele es sich bei der Streichung der Gesetze nur um einen ersten Schritt. Insbesondere das Wettbewerbsrecht und das Zivilprozessrecht seien noch reformbedürftig.

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