Durchbruch für Riester-Fonds: Neue Regeln erhöhen Renditechancen für Riester-Rente

Durchbruch für Riester-Fonds
Neue Regeln erhöhen Renditechancen für Riester-Rente

Der letzte offene Streitpunkt um die Riester-Fonds ist geklärt: Die Fondsanbieter müssen erheblich weniger Eigenkapital einsetzen als ursprünglich gefordert. Das spart Kosten und erhöht die Renditechancen für die Anleger. Experten begrüßen die Regelung. Sie erwarten nun einen schärferen Wettbewerb.

DÜSSELDORF. Auf breite Zustimmung ist die Einigung über die Absicherung der Riester-Fonds gestoßen. Verbraucherschützer und Rentenexperten sehen darin den Durchbruch für die Altersvorsorge-Produkte der Fondsanbieter.

"Das wird einen noch härteren Wettbewerb um die Kunden auslösen", sagte Peter Weber, Rentenexperte von der Unternehmensberatung KPMG. Viele Investmentgesellschaften, die bislang keine Riester-Fonds anbieten wollten, dürften sich nun doch dafür entscheiden, erwartet er. Weber und andere Experten glauben, dass die Fondsanbieter nun einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Versicherern haben.

Die Fonds müssen - wie alle anderen Anbieter von Riester-Produkten auch - garantieren, dass am Ende der Laufzeit Anleger mindestens die eingezahlten Beiträge (inklusive staatlicher Förderung) ausgezahlt bekommen. Diese Garantie müssen alle Anbieter von Riester-Produkten mit Eigenkapital absichern. Doch nach den bisherigen Vorstellungen des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen (BAKred) hätten Investmentgesellschaften teilweise für Fonds Eigenkapital hinterlegen müssen, obwohl sie im Plus liegen. Dadurch wäre sehr viel Eigenkapital gebunden worden. Dadurch wäre die Rendite der Produkte geschmälert worden, weil sie nach Ansicht von Experten auf den Anleger umgewälzt würden.

Bestimmungen gelockert

Am Freitag hatte das BAKred der Fondsbranche in einem Rundschreiben einen neuen Vorschlag gemacht, der dem Handelsblatt vorliegt. Darin lockert es entsprechend den Vorstellungen der Fondsanbieter die Bestimmungen erheblich.

Wolfgang Scholl vom Bundesverband der Verbraucherzentrale geht dies aber nicht weit genug. "Wir hätten nichts dagegen gehabt, wenn man ganz auf die Geld-Zurück-Garantie verzichtet hätte." Das würde die Kosten minimieren und dem Anleger die vollen Renditechancen von Fonds sichern. Allerdings forderte Scholl für alle Riester-Produkte einen Sicherungsfonds, der Anleger vor dem finanziellen Verlust durch Pleiten und Betrüger schützt.

Die Fondsbranche reagiert erleichtert. So begrüßte der Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften (BVI) in einer Mitteilung die Vorschläge. "Damit werden unnötige Absicherungskosten und eine überflüssige Bindung von Eigenkapital vermieden", sagte Rudolf Siebel, Leiter der Grundsatzabteilung beim BVI. Peter Weber von KPMG sieht nun gar einen Wettbewerbsvorteil der Fonds-Anbieter gegenüber den Versicherern im Riester-Geschäft, weil sie nun mit höheren Renditechancen werben können. Daneben profitieren die Riester-Fonds ohnehin davon, dass ihnen bereits zuvor Einmalauszahlungen in Höhe von 20 % der angesparten Summe zu Rentenbeginn genehmigt worden sind.

Assekuranz mit höherem Stellenwert

Horst Zirener, Vorstandssprecher des BVI, glaubt dagegen, dass die Versicherer immer noch die Nase vorn haben. "Die Assekuranz hat traditionell einen höheren Stellenwert", sagte Zirener, der auch Vorstandsvorsitzender der Deka, der Fondsgesellschaft der Sparkassen ist. Bei schlechter Börsenverfassung würden die Kunden eher eine Rentenversicherung als einen Fonds wählen. Der Verbandschef glaubt aber auch, dass das Angebot an Riester-Fonds steigen werde.

Die Versicherer, denen das BAKred-Papier noch nicht vorlag, bemängelten an den Eigenkapital-Regeln für Riester-Fonds, den "hypothetischen Sicherheitsaspekt". Kein Aktienfondsmanager würde die gesamten Depotwerte in Staatsanleihen investieren, um die Verluste wieder auszugleichen, kritisiert Klaus-Wilhelm Knauth, Kapitalanlage-Fachmann im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
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