Durchgreifende Erholung nicht erkennbar
Am Neuen Markt herrscht Ziellosigkeit

Nicht nur bei den vom Delisting bedrohten Firmen des Neuen Marktes ist die Stimmung zurzeit mies. Auch der Gesamtmarkt taumelt weiter ziellos unweit der bisherigen Tiefststände herum.

FRANKFURT/M. Am Dienstag konnte sich der Nemax bis zum Abend mit einem Plus von 0,4 % auf 1 162 Punkte knapp über der Nulllinie halten, der Nemax 50 legte durch einige Sonderentwicklungen 1,6 % auf knapp 1 100 Euro zu.

Dass die Stimmung weiter sehr labil ist, zeigt der Fall Primacom. Die zuvor schon arg strapazierte Aktie verlor seit Monatsanfang noch einmal mehr als die Hälfte an Wert. Allein am Dienstag gab der Kurs 14,5 % auf nunmehr 4,38 Euro nach. Zurückgeführt wird der Sturz auf eine Studie von Merrill Lynch. Die Bank hatte die Aktie des Kabelnetzbetreibers auf "neutral" herabgestuft und das mit drohenden Sonderabschreibungen begründet. Nach Aussagen eines Primacom-Sprechers sind das Spekulationen und diese gegenstandslos. Außerdem seien die von Merrill Lynch angesetzten Ergebniszahlen zu niedrig und dementsprechend die Liquiditätssituation besser als dargestellt. Dennoch trennt sich wohl ein großer institutioneller Anleger von den Papieren.

Von Unternehmen des Nemax 50 war jedoch auch Positives zu berichten. Einmal ist der Aderlass der Finanzdienstleister zum Stillstand gekommen, und es scheinen sich nach den gravierenden Verlusten auf Basis der Niedrigpreise wieder Käufer zu finden. Beispiele hierfür sind D.Logistics, die am Dienstag weitere 6 % auf 12,44 Euro zulegten oder auch EM.TV mit einem Plus von 22 % nach Nachrichten über Rücktritt von Chef Thomas Haffa. Bei Fantastic bewirkte die Erinnerung an die Barreserve von 57 Mill. Euro die Kurssteigerung um 46 % auf 0,54 Euro. Den kompletten Emissionserlös hat die Karlsruher Init AG noch auf dem Konto. Kein Wunder, denn die Firma startete am Dienstag erst in die Börse. Erst am Abend rettete sich der Titel knapp über den Ausgabepreis von 5,10 Euro.

Besser erging es am Dienstag Morphosys. Die Aktie wurde von der Nachricht beflügelt, das Unternehmen habe gemeinsam mit Prochon Biotech Antikörper gegen Krebs- und Knochenerkrankungen entdeckt. Sie legte 7 % auf 39,70 Euro zu, nachdem sie in der vergangenen Woche bei 31,50 Euro ein Tief markiert hatte. Über wirtschaftliche Auswirkungen der neuen Medikamentenkandidaten könne in diesem frühen Stadium aber noch nichts gesagt werden, hieß es.

Penny-Stock-Firmen gegen Delisting

In einem frühen Stadium befinden sich auch die Überlegungen der Penny-Stock-Firmen, sich gegen das drohende Delisting zu stemmen. Am Dienstag bekamen sie Rückendeckung vom Chef der Stuttgarter Börse, Peter Ladwig: Er bezeichnete den Aktienkurs als Ausschlusskriterium "willkürlich". Einige Firmen prüfen auch bereits rechtliche Schritte gegen die Neuregelung. Nachgedacht wird auch über das Zusammenlegen von Aktien, um den Kurs auf den Grenzwert von 1 Euro zu hieven. Ein solches Verfahren kostet Geld, das viele Firmen aber dringend für ihr Geschäft benötigen. Phantasie beweist der Vorschlag der Endemann AG, sich mit anderen betroffenen Firmen zusammenzuschließen, um mehr Größe zu erlangen. Phantasie kommt momentan aber nicht gut an: Die Aktie gab 7 % auf 0,78 Euro nach.

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