Durchschnittlich 30 % Kursverlust
Nur 20 Unternehmen wagten 2001 Börsengang

Der Drang deutscher Unternehmen an die Börse hat 2001 erheblich nachgelassen. Mit 20 oder 21 Börsengängen - nimmt man das für den 7. Dezember angekündigte Medienunternehmen Baum AG hinzu - und mancher Ernüchterung ist der Boom vorerst zu Ende, berichtet die Zeitschrift "Die Bank" in ihrer neuen Ausgabe.

dpa BERLIN. 2000 hatten sich noch 139 Unternehmen an die Börse gewagt, 1999 waren es 153. Nicht berücksichtigt ist der Freiverkehr. Bei den Banken überwiege die "Einschätzung, dass mit einer Trendwende nicht vor Mitte des kommenden Jahres zu rechnen ist". Noch sei die Hoffnung auf Besserung nicht allzu robust.

Der Jahresbilanz zufolge erwies sich nur die Deutsche Börse AG in Frankfurt/Main als erfolgreich. Von ihrem Börsendebüt am 5. Februar legte der Kurs bis zum 3. Dezember um 19,4 Prozent auf 40 Euro (78,2 DM) zu. Für den Durchschnitt der 20 Unternehmen berichtet "Die Bank" bis zu diesem Datum von rund 30 Prozent Kursverlusten. Angesichts dieser Entwicklung mit Verlusten bis zu rund 68 Prozent (LS Telcom AG in Lichtenau) dürfte manches Unternehmen nicht mehr bedauern, dass wie bei der Restaurant-Kette Nordsee aus ihren Börsenstart zunächst nichts wurde.

>>Die Börsenneulinge im Vergleich

Mit einem Emissionsvolumen von 941 Mill. Euro beziehungsweise 795 Mill. Euro ragten die Deutsche Börse und der Frankfurter Flughafen, der Fraport AG, heraus. An dritter Stelle rangiert die Emission der Deutschen Euroshop AG mit einem Volumen von 600 Mill. Euro, gefolgt vom Windkraftanlagen- Hersteller Nordex AG mit 296 Mill. Euro. Alle anderen Börsengänge folgen mit weitem Abstand und liegen jeweils deutlich unter einem Ausgabewert von 50 Mill. Euro. Das gilt auch für den unmittelbar bevorstehenden Börsengang der Baum AG mit einer Emission von nur neun Mill. Euro.

Der Boom der Neuzugänge hatte bis zur Jahresmitte 2000 angehalten, doch dann ließen die Aktivitäten von Quartal zu Quartal deutlich nach, schreiben die Experten. Vom 24. Juli, als der IT Init AG-Anbieter an die Börse ging, bis Anfang Dezember erschien kein Neuankömmling mehr an der deutschen Börse.

Erheblicher struktureller Nachholbedarf bei Neuemissionen

600 000 bis 700 000 Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) in Deutschland stehen - ohne Berücksichtigung des Freiverkehrs - nur etwa 1 000 börsennotierte Aktiengesellschaften gegenüber. "Bedenkt man außerdem, dass es zum Jahresende in den USA mehr als 7 000 börsennotierte Unternehmen gab, in allen Ländern der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion zusammen jedoch nur 5 000, dann zeichnet sich für Deutschland und Europa durchaus ein erheblicher struktureller Nachholbedarf ab", schreibt "Die Bank". "Dies und die Hoffnung auf eine generelle Aufhellung des Börsenklimas lassen die Perspektiven für das Emissionsgeschäft besser erscheinen, als sich die gegenwärtige Marktlage darstelle."

Ähnlich mager wie in Deutschland falle die Bilanz in Frankreich, Großbritannien und in Italien aus. In den USA habe es seit den Terroranschlägen vom 11. September eine große Erstplatzierung des Versicherers Principal Financial im Oktober gegeben. Nach Feststellungen der Bankenexperten konnte es "nicht überraschen, dass die gewaltige Dynamik der zweiten Hälfte der neunziger Jahre nicht anhalten konnte".

Von Anfang 1990 bis Ende 2000 wagten in Deutschland 494 Unternehmen den Gang an die Börse, davon fast drei Viertel allein in den Jahren 1998 bis 2000. Weltweit ging die Zahl der Börsengänge in den ersten drei Quartalen 2001 um 61 Prozent zurück. Die Emissionserlöse schrumpften von 155 Mrd. auf 60 Mrd. Dollar (131,8 Mill. DM / 67,4 Mill. Euro), wie eine Studie des US- Marktforschers Dealogic belege.

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