Durststrecke könnte noch 2003 zu Ende gehen
Anleger entdecken bescheidene Werber

Die gebeutelte Werbebranche hofft auf den Aufschwung und verbringt die Wartezeit mit einer Schlankheitskur. Selbst beim wichtigsten Branchentreff in Cannes Mitte Juni werden in diesem Jahr aus Kostengründen deutlich weniger Teilnehmer erwartet als 2002. "Alle halten das Pulver trocken", sagte Maurice Lévy, Vorstandschef der weltweit viertgrößten Werbeholding Publicis Groupe, dem Handelsblatt.

pes DÜSSELDORF. Die notgedrungene Bescheidenheit kommt bei den Analysten gut an. Viele Anlageprofis empfehlen Aktien von Werbeholdings zum Kauf. Sie erwarten, dass noch in diesem Jahr die Durststrecke in der weltweiten Werbekonjunktur vorüber ist. Das US-Werbegeschäft läuft wieder gut; auch der asiatische Werbemarkt hat bei einigen Holdings im ersten Quartal trotz der Lungenkrankheit SARS zugelegt. Gleichzeitig sind einige der Titel im Augenblick verhältnismäßig günstig zu haben. Die Notierungen ziehen nach teils dramatischen Kursverlusten im vergangenen Jahr wieder an.

Wachstum durch große Zukäufe ist bei den sonst hemmungslosen Einkäufern des Werbegeschäftes in diesem Jahr aber kaum zu erwarten. Das letzte große Geschäft war der Kauf der US-Holding BCom3 (Agenturkette Leo Burnett) durch Publicis im vergangenen September. 2003 dürften höchstens kleinere Agenturübernahmen folgen, erwarten Analysten und Unternehmenslenker. So steht die Beteiligung der britischen Holding Cordiant an der deutschen Agentur Scholz & Friends zum Verkauf. Noch in diesem Sommer soll sich Cordiant von der einzigen börsennotierten deutschen Agentur trennen.

Gut kommt offenbar die US-Holding Omnicom Group aus der Krise, die im ersten Quartal weltweit mit 1,9 Mrd. $ einen um 12 % höheren Umsatz erzielte als noch im Vorjahreszeitraum. So empfehlen die Analysten der Deutschen Bank und des Investmenthauses Merrill Lynch die Aktie zum Kauf. Zu Omnicom gehört auch der deutsche Marktführer unter den Agenturen, BBDO.

Auch die Aktie der britischen Holding WPP mit der bekannten Agenturmarke Ogilvy & Mather trifft bei vielen Analysten auf Interesse. Martin Sorrell, Chef der Londoner Holding, will in diesem Jahr vor allem die Gewinnmarge verbessern. Die Werbemarkt-Experten von West LB Panmure und Merrill Lynch halten die Aktie daher für kaufenswert.

Auch die Aktie der französischen Holding Publicis Groupe, die in diesem Jahr mit der Integration der BCom3-Agenturen beschäftigt ist, wird überwiegend als Kaufkandidat gesehen. In der zweiten Jahreshälfte will Publicis-Chef Lévy eine Umsatzrendite von 15 % erreichen.

Weniger rosig ist es dagegen um die zweitgrößte Holding Interpublic Group of Companies bestellt. Nach Bilanzpannen bei ihrer Agenturkette McCann-Erickson, die 2002 zu Umsatz- und Gewinnkorrekturen der Holding führten, kann die Aktie manche Analysten nicht überzeugen: Der Morgan-Stanley-Analyst Michael Russell rät zum "Untergewichten" des Titels im Portfolio. Die Ratingagentur Standard & Poor?s rechnet für das ganze Jahr 2003 mit einer geringen Profitabilität der Gruppe. Besonders das Engagement im Auto- Rennsport hatte Interpublic auch im ersten Quartal Verluste eingebracht.

Quelle: Handelsblatt

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