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Dutrouxs letzter Auftritt: «Ich habe nichts damit zu tun»

Arlon (dpa) - Der belgische Kinderschänder Marc Dutroux hat im Schlusswort seines Prozesses erneut alle Mordvorwürfe zurückgewiesen. Lediglich eine Mitschuld an der Entführung von vier Opfern räumte der vorbestrafte Vergewaltiger vor dem Schwurgericht von Arlon am Donnerstag ein.

Arlon (dpa) - Der belgische Kinderschänder Marc Dutroux hat im Schlusswort seines Prozesses erneut alle Mordvorwürfe zurückgewiesen. Lediglich eine Mitschuld an der Entführung von vier Opfern räumte der vorbestrafte Vergewaltiger vor dem Schwurgericht von Arlon am Donnerstag ein.

Zugleich appellierte Dutroux an die zwölf Geschworenen: «Schützen Sie nicht die wahren kriminellen Täter, indem Sie mich für Taten verurteilen, die ich nicht begangen habe.»

Dutroux beschwor zwei seiner drei Mitangeklagten, seine Ex-Frau Michelle Martin und den Komplizen Michel Lelièvre, «die Wahrheit» über den Tod der Mädchen zu sagen. Vier von sechs Mädchen, die Mitte der 90er Jahre entführt wurden, starben qualvoll. Nach den Schlussworten der Angeklagten schloss der Vorsitzende Richter Stéphane Goux die Debatte. Von Montag an sollen die Geschworenen die Schuldfrage in 243 einzelnen Punkten beantworten.

Dutroux betonte, er sei völlig unschuldig am Verschwinden der beiden jüngsten Opfer, Julie und Mélissa. Die beiden Achtjährigen hätten einfach eines Tages brav auf seinem Sofa gesessen, gebracht wegen angeblicher familiärer Probleme. «Ich wusste nicht, dass sie entführt worden waren, denn ich lese keine Zeitung und schaue kein Fernsehen, weil ich nicht ans Kabel angeschlossen bin», sagte Dutroux. Für ihren Tod fühle er sich verantwortlich, weil er die Mädchen der Obhut seiner Ex-Frau Michelle Martin anvertraut habe.

«Michelle, ich habe Dich geliebt wie keine andere, und habe immer noch Gefühle für Dich», erklärte Dutroux und forderte seine Ex-Frau auf, den hinterbliebenen Eltern alles über den Tod der Kinder zu erzählen. Vorwürfe mache er sich auch, weil er seinem später ermordeten Komplizen Bernard Weinstein und dem Mitangeklagten Michel Lelièvre die beiden Teenager An und Eefje überlassen habe: «Die gewalttätigen Mörder von An und Eefje sind in Freiheit», behauptete er und verwies auf Figuren aus dem kriminellen Milieu von Charleroi.

Später seien die beiden Mädchen in einer schon vorhandenen Grube in Weinsteins Werkstatt begraben worden: «Man hat diese Grube genutzt, um An und Eefje loszuwerden, aber ich habe nichts damit zu tun», sagte Dutroux. Mehrfach deutete der 47-Jährige eine dubiose Rolle des Mitangeklagten Michel Nihoul an, der stets mit Kontakten zu einflussreichen Leuten geprahlt habe. Nihoul bestritt jegliches sexuelle Interesse an Minderjährigen. «Wahrscheinlich stehe ich hier wegen meiner großen Klappe», meinte der vorbestrafte Betrüger.

Am Ende seines Schlussworts legte Dutroux sein Schicksal in die Hände der Geschworenen: «Ich möchte Ihrer Weisheit in allen Punkten vertrauen.» Michelle Martin betonte in ihren letzten Worten, sie sei sich des Leides der Opfer und ihrer Familien bewusst. «Ich bitte nicht um Verzeihung, aber ich möchte mein Bedauern und meine Reue zum Ausdruck bringen», sagte die 44-Jährige. Der vierte Angeklagte, Michel Lelièvre, verzichtete auf ein Schlusswort.

Der Vater des ermordeten Entführungsopfers An Marchal sagte, die Ausführungen Dutrouxs hätten ihn geschockt. Dennoch habe er den Gerichtssaal nicht verlassen wollen. «Er hat nicht in allen Punkten gelogen», sagte Paul Marchal. «Es gab kleine Stückchen von Wahrheit, aber das ändert nichts an seiner Schuld und an dem, was er getan hat.» Martins Schlusswort bezeichnete der Opfer-Vater als beliebig: «Michelle Martin hätte innerhalb eines Jahres sechs Kinder befreien können, aber sie hat nichts getan.»

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