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Dutzende Tote bei US-Luftschlag im Irak

Nach einem US-Luftangriff mit mindestens 55 Toten auf ein Dorf bei Falludscha ist am Freitag für die westirakische Widerstandshochburg erneut ein Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt worden.

dpa FALLUDSCHA. Nach einem US-Luftangriff mit mindestens 55 Toten auf ein Dorf bei Falludscha ist am Freitag für die westirakische Widerstandshochburg erneut ein Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt worden.

Eine Abordnung von Bürgern der Stadt und Vertreter der irakischen Sicherheitskräfte einigten sich auf eine Beendigung der Kampfhandlungen und der US- Angriffe. Für Sicherheit sollen irakische Polizei-, Nationalgarde- und Armeeeinheiten sorgen, die aus Bürgern Falludschas rekrutiert werden sollen.

Bei dem US-Luftangriff auf das Dorf Kurusch wurden in der Nacht zum Freitag nach Angaben von Krankenhausärzte in Falludscha mindestens 55 Iraker getötet und 40 weitere verletzt. Das US-Militär in Bagdad hatte bereits in der Nacht bestätigt, dass es einen "Präzisionsschlag" gegen das Dorf geführt habe. Dabei seien 60 radikale Islamisten aus dem Ausland getötet worden. Die Klinikärzte betonten dagegen, dass unter den Opfern vor allem Frauen, Kinder und Alte seien, aber kein einziger Araber aus dem Ausland.

Das US-Militär erklärte, in Kurusch seien drei Gebäude eines Terroristenlagers zerstört worden, in denen sich rund 90 Anhänger des jordanischen Terroristen Abu Mussab el Sarkawi aufgehalten hätten. 60 Ausländer seien bei dem Luftangriff getötet worden, der Rest habe fliehen können, hieß es in der Mitteilung. Das US-Militärkommando ging in seinen Stellungnahmen nicht auf zivile Opfer ein.

Das Waffenstillstandsabkommen legt fest, dass die US- Kontrollpunkte am Ostrand von Falludscha bis zum Sonntag an irakische Sicherheitskräfte übergeben werden sollen. Die Truppen, die künftig für Sicherheit sorgen sollen, sollen aus "anständigen und ehrenhaften Söhnen der Stadt" rekrutiert werden. Das US-Militär soll sich künftig jeglicher Angriffsoperationen gegen Wohngebiete enthalten. Die Vereinbarung sieht weiter vor, dass die durch Kampfhandlungen geschädigten Bewohner voll entschädigt werden.

Ein ähnliches Abkommen war im April vereinbart worden, nachdem das US-Militär eine Großoffensive gegen die Stadt wegen zahlreicher Opfer unter den Zivilisten abgebrochen hatte. Die damals gebildete "Falludscha-Brigade" versagte allerdings bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Extremisten und Widerstandskämpfer benutzen die Stadt und ihre Umgebung als Rückzugs- und Operationsfeld. Das US- Militär versucht sie mit Luftschlägen in Schach zu halten, die allerdings auch immer wieder viele zivile Opfer fordern.

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