DVD-Rekorder lösen VHS-System ab: Heimkino bekommt ein flaches Gesicht

DVD-Rekorder lösen VHS-System ab
Heimkino bekommt ein flaches Gesicht

Die technische Ausstattung im Wohnzimmer wird sich grundlegend ändern. Flachbildschirme und DVD-Rekorder setzen sich durch. VHS-Videorekorder und Röhren-TV haben keine Zukunft.

HANNOVER. Die großen Hersteller von Unterhaltungselektronik bereiten sich auf einen harten Wettbewerb um die Zukunftsmärkte Plasma- und LCD-TV sowie DVD-Recording vor. Weil immer mehr Produktionskapazität entsteht, ist mit einem harten Preis- und Verdrängungswettbewerb zu rechnen. "Die nächsten Jahre werden hart", sagt Joachim Reinhart, Präsident und Geschäftsführer der Matsushita Electric Europe. Sony Deutschland rechnet schon zur diesjährigen Funkausstellung in Berlin, dass die Durchschnittspreise für DVD-Rekorder auf 300 bis 400 Euro fallen könnten. Vor diesem Hintergrund tritt der Kampf der konkurrierenden DVD-Rekorderformate in seine Endphase.

Panasonic, Erfinder des VHS-Videostandards und Tochter des 52 Mrd. $ schweren Matsushita-Konzerns, will den DVD-Rekorder-Markt mit der DVD-RAM-Technologie erobern. Derzeit hält das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Weltmarktanteil von 46 %, das kurzfristige Ziel sind 50 %, sagten Unternehmensvertreter auf der Cebit in Hannover. In diesen Zahlen ist der Markt für DVD-Brenner-Laufwerke in Computern nicht berücksichtigt, sondern nur der Bereich der eigenständigen DVD-Rekorder.

DVD-Rekorder werden die weltweit mehr als eine Milliarde VHS-Geräte in den Wohnzimmern innerhalb kurzer Zeit ablösen, darüber sind sich Experten einig. Noch steckt der Markt in den Kinderschuhen: Nach Erhebungen der Researchfirma Fujiwara-Rothschild wurden 2002 etwa 1,7 Millionen Geräte verkauft, davon 80 % in Japan.

Doch das soll sich ändern. Panasonic hat nach eigenen Angaben die Monatsproduktion bereits von 80 000 auf 150 000 Stück angehoben und seine DVD-RAM-Verfahren auch durch die Stückzahlen durchsetzen. Spätestens 2005 will der japanische Elektronikgigant eine Million Geräte pro Monat auf dem Markt werfen. Für den Sommer ist die Aufnahme der Rekorderproduktion in Deutschland geplant.

Die Eile hat ihren Grund: "Anfang 2002 waren wir quasi noch nicht existent, heute haben wir fast 50 % des Marktes für PC-DVD-Brenner", freut sich Frank Simonis von der Allianz DVD-RW-plus. Darin sind Unternehmen wie Philips, NEC oder Thomson zusammengefasst, die ihrem konkurrierenden RW-Standard zum endgültigen Durchbruch verhelfen wollen. Und Philips-Manager Chris Buma, zuständig für das Geschäft mit DVD-Rekordern für zuhause: "In Europa haben RW-Geräte gut 80 % Marktanteil. Den werden wir nicht loslassen".

Außer Thomson stellte dieses Jahr auch Sony seinen ersten RW-Rekorder vor. "Wir sind eineinhalb Jahre zu spät", räumt Sony-Manager Machiel Frijters ein. Im April wird der Rekorder in Deutschland in den Markt kommen. Frijters erwartet, dass der Rekorderabsatz in Deutschland von jetzt 50 000 auf bis zu 300 000 zum Jahresende ansteigen wird. "Der Markt wächst nicht", so Frijters, "er explodiert".

Bei den TV-Geräten wird sich der Markt auf Plasma und LCD-TV konzentrieren. Nach jüngsten GfK-Zahlen stieg der gesamte Markt für Projektions-TV-Geräte, also vom Rückprojektions-TV bis zum PlasmaSchirm, von Febuar 2002 bis Januar 2003 um 75 % auf rund 103 000 Geräte.

Derzeit halten in Deutschland die Röhren-TV wertmäßig noch 50 % des über 3 Mrd. Euro großen TV-Marktes, 2005 dürften es laut Sony nur noch 30 % sein. Für Plasma-TV werden die Kunden dann rund 420 Mill. Euro ausgeben (heute 160), für LCD gut 300 Mill. Euro (heute 53). Der überproportional starke Anstieg bei LCD-TV hat einen Grund. Galt vor wenigen Jahren eine Größe von mehr als 30 Zoll für LCD als technisch kaum möglich, sind heute auf Grund verbesserter Produktionsmethoden schon 52 Zoll große LCD-Fernseher im Markt, wie sie auf der Cebit etwa auf dem Stand des Weltmarktführers bei LCD-Displays, Philips, zu sehen sind - eine unerwartete Konkurrenz für die teuren Plasma-TV.

Sony Managerin Suzan Scheffen sieht denn auch einen Preisrutsch voraus. Kosten 42 Zoll große Plasmaschirme heute im Schnitt 6 000 Euro, werden die Geräte im kommenden Jahr wahrscheinlich gut 1 000 Euro billiger zu haben sein. Das nicht zuletzt aber auch, weil mittlerweile auch die Konkurrenz in Korea die Plasma-Technologie perfektioniert hat.

Unternehmen wie Samsung und LG Electronics wollen in diesem Markt kräftig mitmischen, wie sie auch auf ihren Cebit-Präsentationen bekräftigten. Voraussetzung für einen unternehmerischen Erfolg ist aber auch, dass die Nachfrage weiterhin steigt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
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