DWS nimmt B2B-Internet-Fonds vom Markt
Internet-Fonds verstauben im Regal

Schluss, aus, das war?s. Die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, nimmt den DWS Funds B2B.com vom Markt.

DÜSSELDORF. "Für diesen Fonds werden keine neuen Anteile mehr ausgegeben", kündigte Carsten Böhme von der DWS Pressestelle an. "Der Fonds wird aber nicht geschlossen", betonte er. Der Fonds investiert in Internet-Werte und konzentriert sich dabei auf Unternehmen, die sich auf "Business-to-Business"-Lösungen, kurz B2B, spezialisiert haben.

Der Ausleseprozess in der Internet-Wirtschaft hinterlässt also zunehmend Spuren in den Produktpaletten der Fondshäuser. Gelernt haben die Fondshäuser aus den Internet-Fonds-Debakeln aber offenbar nichts. Aufgelegt wird, was sich gut verkaufen lässt.

Als Begründung für den Verkaufsstopp des B2B nannte Böhme das mangelnde Anlegerinteresse und das mittlerweile durch Firmenpleite recht eng gewordene Anlageuniversum des Fonds. 13 Mill. Euro stecken derzeit noch in dem Produkt.

Das Ende kommt meistens leise: Bereits 2001 stellte die DWS den Anteilsverkauf des DVG Internet Global ein und packte dessen Kundengelder in den ähnlich strukturierten Internet Typ O. Für Joachim Meyer, Vorstand der Beratungsgesellschaft Fonds-Consult, zeigen diese Fälle, was passieren kann, wenn Anbieter aus Gründen des Marketing zu enge Branchenfonds auflegen. "Statt mit Modefonds die Produktpalette immer weiter aufzublähen, sollten sich die Fondshäuser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren", fordert Meyer. Dann blieben ihnen Peinlichkeiten à la B2B-Fonds erspart. Doch er selbst zeigt sich wenig überzeugt, dass sein Wunsch in Erfüllung gehen wird. "Die Anbieter haben nichts dazu gelernt. Bei der nächsten Welle werden gewiss auch wieder neue Fonds aufgelegt werden."

Schließlich werden auch die Verkaufsrenner von einst, die heute längst zu Ladenhütern mutiert sind, noch von den Fondsanbietern durchgeschleppt. Fondsschließungen bleiben die Ausnahme.

Beispiel Value Management & Research (VMR): Im Fund-Internet Vision stecken nach Angaben von Heinz Fehling, der bei VMR für Pressefragen in Punkto Fonds zuständig ist, noch ganze 2 Mill. Euro Anlegergelder. Zum Vergleich: Ende des Jahrs waren es noch 3,2 Mill. Euro. Das Minus ist durch die Negativ-Performance zu erklären. Dicht gemacht werden soll der Fonds aber nicht. "Die Internet-Industrie hat sich als solche etabliert", meint trotzig Volker Kuhnwaldt, Fondsmanager des Nordinternet und Nordasia.com. Im letztgenannten Fonds steckten zu Spitzenzeiten über 1 Mrd. Euro. Heute sind es noch 370 Mill. Euro. Unternehmen wie Amazon oder Ebay sind seiner Ansicht nach aber ein Beleg dafür, dass es weiter sinnvoll sei, einen Branchenfonds für Internetwerte zu führen.

Allein in diesem Jahr hat der Nordinternet rund 42 % an Wert verloren, der Nordasia.com nur 9,4 %. "Schwierige Zeiten", räumt der Fondsprofi ein, "aber ans Aufhören habe ich nie gedacht".

Trotz Pleitewelle bei den so genannten Dot.Coms würde sein Anlageuniversum noch "deutlich über 100 Werte" umfassen. "Sollte die Konjunktur endlich anziehen, sind auch die Internet-Werte dabei", gibt er sich optimistisch.

Ein Lerneffekt aus den Debakeln ist bei den Fondshäusern nicht erkennbar. Auch bei der DGZ Deka, dem Fondshaus des Sparkassensektors, will man weiterhin neue Fonds auflegen, die gute Absatz-Chancen versprechen. "Wenn die Sparkassen-Kunden einen Fonds nachfragen, werden wir Ihnen diesen bieten", meint Sprecher Markus Weber.

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